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Datum: 19. AUG 26 - GESUND-&SCHÖNHEIT
Fünf Olivenöl-Mythen, die kaum ein Koch zugeben wird
Eine durchsichtige Flasche auf der Fensterbank, ein milder Geschmack und angeblich weniger Kalorien – drei der häufigsten Annahmen über Olivenöl, die laut Ernährungsexpertinnen und -experten so nicht ganz zutreffen.

Ein Bekannter – begeisterter Hobbykoch und stolzer Besitzer einer ansehnlichen Olivenöl-Sammlung – wurde vor einiger Zeit gefragt, welches Öl in seiner Küche das beste sei. Ohne zu zögern zeigte er auf eine hübsche, durchsichtige, glänzende Flasche auf der Fensterbank und sagte: „Dieses hier, ganz mild, riecht nach nichts." Als man ihm erklärte, dass genau dieses Öl beim Kochen praktisch wertlos geworden war, war er sichtlich überrascht. Und er ist bei Weitem nicht der Einzige, dem diese fünf einfachen, aber oft übersehenen Fakten neu waren.



1. „Olivenöl aus dem Supermarkt ist immer frisch"



Einer der teuersten Irrtümer überhaupt – im wörtlichen Sinn. Anders als bei Wein, wo Qualität mit den Jahren wachsen kann, gilt bei Olivenöl eher das Gegenteil. Zwar ist richtig gelagertes Öl laut Mindesthaltbarkeitsdatum oft bis zu drei Jahre haltbar, in der Praxis lässt die Qualität aber häufig schon nach etwa zwei Jahren spürbar nach. Nach dem Öffnen der Flasche sinkt der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen oft schon innerhalb weniger Monate deutlich – danach unterscheidet sich das Öl geschmacklich kaum noch von einem einfachen Speiseöl.



Tipp: Achten Sie beim Kauf möglichst auf das Erntejahr (nicht nur auf das Mindesthaltbarkeitsdatum) und seien Sie bei Sonderangeboten vorsichtig – oft handelt es sich dabei um die ältesten Bestände im Lager.



2. „Hochwertiges Öl ist nur für Salate, zum Braten reicht das billige"



Dieser Mythos hält sich hartnäckig – und ist vielleicht der irreführendste von allen. Hochwertige native Olivenöle enthalten mehr Antioxidantien und sind dadurch oxidationsstabiler. Beim Erhitzen behalten sie deshalb tendenziell mehr ihrer wertvollen Inhaltsstoffe. Bei Zimmertemperatur wiederum sind die Unterschiede zwischen günstigeren und teureren Ölen kaum spürbar, weil hier gar nicht erhitzt wird.



Ein weiteres Argument liefert eine große spanische Kohortenstudie im British Medical Journal: Bei rund 40.000 untersuchten Erwachsenen zeigte sich über elf Jahre hinweg kein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten oder Gesamtsterblichkeit durch den Verzehr von Speisen, die in Oliven- oder Sonnenblumenöl frittiert wurden – ein Hinweis darauf, dass Olivenöl höhere Temperaturen erstaunlich gut verträgt. Natives Olivenöl extra hat üblicherweise einen Rauchpunkt zwischen etwa 160 und 190 {-15696}C, raffiniertes Olivenöl kann laut Fachportalen sogar bis zu 220 {-15696}C erhitzt werden – beides eignet sich damit grundsätzlich fürs alltägliche Kochen.



Praktischer Tipp: Natives, kaltgepresstes Olivenöl eignet sich besonders für Salate und kalte Gerichte, wo sein volles Aroma zur Geltung kommt. Zum Braten und Dünsten reicht ein solides, gutes Olivenöl völlig aus.



3. „Olivenöl gehört in eine Glasflasche"



Glas ist eine gute Wahl – aber nur, wenn es dunkel ist. Olivenöl reagiert empfindlich auf Licht: Mit der Zeit können Struktur, Geschmack und Qualität darunter leiden. Eine helle, durchsichtige Flasche ist deshalb oft die schlechtere Wahl gegenüber einer guten Dose oder einem Keramikgefäß.



Wie die zertifizierte Olivenöl-Verkosterin Michaela Bogner im Mythen-Check von CHIP erklärt, ist Olivenöl bei richtiger Lagerung praktisch unbegrenzt haltbar. Vermeiden Sie es außerdem, die Flasche in den Kühlschrank zu stellen (dort kann das Öl trüb und zäh werden) oder in der Nähe von Herd und Elektrogeräten aufzubewahren, wo sich beim Kochen Wärme und Dampf sammeln.



Ideale Lagerung: dunkel, trocken, kühl – idealerweise etwas unter Raumtemperatur. Nicht auf der Fensterbank, nicht über dem Herd.



4. „Olivenöl hat wenig Kalorien"



Leider stimmt das so nicht. Ein Esslöffel echtes Olivenöl liefert wie die meisten anderen Öle rund 120 Kalorien und 14 Gramm Fett. Die Bezeichnung „light olive oil" auf dem Etikett bedeutet übrigens nicht weniger Kalorien, sondern ein stärker raffiniertes Öl mit milderem Geschmack.



Die gute Nachricht: Es handelt sich überwiegend um einfach ungesättigte Fettsäuren, die im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung nach aktuellem Wissensstand einen positiven Beitrag zur Herz-Kreislauf-Gesundheit leisten können. Kombiniert mit anderen Zutaten kann Olivenöl seine Wirkung offenbar noch verstärken – so beschreibt es ein Beitrag auf Rundgesund.com über Olivenöl und Feigen, der von traditionellen Anwendungen bei Magenbeschwerden berichtet.



Zum Merken: Olivenöl ist jede Kalorie wert – abnehmen werden Sie damit aber nur, wenn Sie es anstelle weniger gesunder Fette einsetzen, statt es zusätzlich zur bestehenden Ernährung hinzuzufügen.



5. „Gutes Olivenöl schmeckt mild und angenehm"



Ganz im Gegenteil. Frisches, hochwertiges Olivenöl hat oft einen ausgeprägt bitteren, leicht scharfen Geschmack, der im Rachen kratzt. Schmecken Sie das Öl auf der Zunge kaum – ist es meist entweder nicht mehr ganz frisch oder von geringerer Qualität. Diese Schärfe wird durch Oleocanthal verursacht, eine Verbindung mit antioxidativen Eigenschaften – mehr Bitterkeit deutet also tendenziell auf mehr Antioxidantien hin, nicht auf einen Mangel.



Der milde, neutrale Geschmack, den viele bevorzugen, ist häufig eher ein Zeichen für ein raffiniertes oder älteres Öl, dem bereits ein Großteil der wertvollen Inhaltsstoffe verloren gegangen ist.



Bonus: Und in Kombination mit anderen Lebensmitteln?



Olivenöl entfaltet seine Wirkung besonders gut im Zusammenspiel mit bestimmten Lebensmitteln. Wie unter anderem ein Beitrag auf Rundgesund.com über Lebensmittelkombinationen beschreibt, spielt die richtige Kombination von Zutaten für die Verdauung und Nährstoffaufnahme eine wichtige Rolle. Olivenöl zusammen mit Tomaten etwa gilt als klassische Kombination der mediterranen Küche, bei der das fettlösliche Lycopin aus der Tomate besser vom Körper aufgenommen werden kann.


 
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Februar 2015
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