Schon lange bevor moderne Labore Pflanzenstoffe analysieren konnten, setzten Menschen Kohl bei den unterschiedlichsten Beschwerden ein. Heute wissen wir, warum: Kohl ist reich an Antioxidantien, Vitamin C und schwefelhaltigen Verbindungen, die im Körper verschiedene Funktionen erfüllen.
Reich an Vitamin C und wichtigen Nährstoffen
Kohl liefert nennenswerte Mengen an Vitamin C, das im Körper als Antioxidans wirkt, am Aufbau von Kollagen beteiligt ist und die Eisenaufnahme aus pflanzlicher Nahrung unterstützt, wie das Office of Dietary Supplements der National Institutes of Health zusammenfasst.
Daneben enthält Kohl die als "Vitamin U" bekannte Substanz S-Methylmethionin. Diese wurde erstmals in den 1950er-Jahren vom Stanford-Mediziner Garnett Cheney untersucht, der in klinischen Studien beobachtete, dass frischer Kohlsaft bei Patienten mit Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren die Heilungszeit im Vergleich zu Standardtherapien verkürzte (Cheney, California Medicine, 1949; Cheney, California Medicine, 1952). Wichtig ist hierbei: Es handelt sich um ältere Studien aus einer Zeit, in der moderne Ulkus-Medikamente wie Protonenpumpenhemmer noch nicht existierten. Ein Faktencheck von Africa Check weist zu Recht darauf hin, dass Kohlsaft kein Ersatz für eine ärztlich verordnete Behandlung ist, sondern allenfalls begleitend eingesetzt werden kann.
Sulforaphan: der vielversprechende Pflanzenstoff
Besondere wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhält der Inhaltsstoff Sulforaphan, der in Kohlgewächsen wie Kohl, Brokkoli, Rosenkohl und Blumenkohl vorkommt. Laborstudien und erste Untersuchungen an Tieren deuten darauf hin, dass Sulforaphan bestimmte Zellprozesse beeinflussen kann, die mit der Krebsentstehung in Verbindung stehen (Oregon State University / Texas A&M Health Science Center, veröffentlicht in Oncogenesis, 2015).
Auch eine kleine klinische Studie mit Frauen mit auffälligen Mammografie-Befunden untersuchte die Wirkung von Sulforaphan-Präparaten auf verdächtige Gewebeveränderungen, wie Berichte über die im Fachjournal Cancer Prevention Research veröffentlichte Untersuchung zeigen. Die Autorin der Studie, Emily Ho von der Oregon State University, betont dabei ausdrücklich, dass es sich um vielversprechende, aber vorläufige Ergebnisse handelt.
Wichtiger Hinweis: Kohl oder Kohlsaft können und sollen keine Krebstherapie ersetzen. Die genannten Studien untersuchen isolierte Pflanzenstoffe unter Laborbedingungen oder in kleinen Personengruppen – sie belegen nicht, dass der Verzehr von Kohl Krebs heilt oder verhindert. Fest steht laut zahlreichen Ernährungsstudien lediglich, dass ein regelmäßiger Verzehr von Kreuzblütlern Teil einer krebspräventiven Ernährungsweise sein kann.
Gut für die Verdauung
Kohl enthält zudem Ballaststoffe und schwefelhaltige Verbindungen, die die Verdauung unterstützen können. Traditionell wird ihm auch eine leicht entwässernde Wirkung nachgesagt. Wer empfindlich auf Rohkost reagiert, sollte Kohl in Maßen und gut gekaut oder als milden Saft zu sich nehmen, da er bei manchen Menschen Blähungen verursachen kann.
Wie Sie Kohlsaft selbst zubereiten
Für die Zubereitung eignen sich sowohl ein Entsafter als auch ein Mixer. Empfehlenswert ist es, die Kohlblätter vor der Verarbeitung etwa eine halbe Stunde in lauwarmem Wasser mit einem Schuss Apfelessig einzuweichen. Der Essig hilft, Rückstände von der Blattoberfläche zu entfernen – unabhängig davon, ob der Kohl aus biologischem Anbau stammt, da Luft, Wasser und Boden auch dort mit unerwünschten Stoffen belastet sein können.

























