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Pommes und die Psyche: Was eine große Langzeitstudie mit über 140.000 Menschen über frittierte Kartoffeln und die Stimmung verrätPommes und die Psyche: Was eine große Langzeitstudie mit über 140.000 Menschen über frittierte Kartoffeln und die Stimmung verrätPommes und die Psyche: Was eine große Langzeitstudie mit über 140.000 Menschen über frittierte Kartoffeln und die Stimmung verrätPommes und die Psyche: Was eine große Langzeitstudie mit über 140.000 Menschen über frittierte Kartoffeln und die Stimmung verrätPommes und die Psyche: Was eine große Langzeitstudie mit über 140.000 Menschen über frittierte Kartoffeln und die Stimmung verrät


Datum: 16. SEP 26 - GUT ZU WISSEN
Pommes und die Psyche: Was eine große Langzeitstudie mit über 140.000 Menschen über frittierte Kartoffeln und die Stimmung verrät
Eine umfangreiche Beobachtungsstudie deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen häufigem Verzehr frittierter Speisen und einem erhöhten Risiko für Angst- und depressive Symptome hin ...

Zwölf Prozent. So lautet eine der Zahlen, die 2023 weltweit für Schlagzeilen sorgten, als eine der bislang größten Untersuchungen zum Thema Ernährung und Psyche veröffentlicht wurde: Menschen, die regelmäßig frittierte Speisen essen, zeigten in der Studie ein um zwölf Prozent höheres Risiko für Angstsymptome und ein um sieben Prozent höheres Risiko für depressive Symptome. Über 140.000 Menschen wurden dafür elf Jahre lang beobachtet – eine Dimension, die man in der Ernährungsforschung nur selten sieht.



Eine Leserin unserer Redaktion beschrieb uns kürzlich, wie sich das im Alltag anfühlen kann: In einer beruflich besonders fordernden Phase griff sie fast täglich zur Fritteuse – Pommes als schneller Trost nach langen Arbeitstagen. Erst im Rückblick, erzählte sie, sei ihr aufgefallen, wie sehr sich in dieser Zeit auch ihre Stimmung veränderte: weniger Energie, mehr innere Unruhe, schlechterer Schlaf. Ob und wie stark die Ernährung dabei tatsächlich eine Rolle spielte, lässt sich im Nachhinein natürlich nicht sicher sagen – genau das ist aber auch die Frage, der die Wissenschaft inzwischen nachgeht.



Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Europäer isst laut Branchenschätzungen rund 7 Kilogramm frittierte Kartoffeln pro Jahr, in den USA sind es schätzungsweise sogar rund 13 Kilogramm. Hinter der knusprigen Hülle steckt eine Frage, der die Forschung erst in den letzten Jahren ernsthafter nachgeht: Kann regelmäßiger Verzehr frittierter Speisen, allen voran Pommes frites, nicht nur den Körper, sondern auch unsere Stimmung und unser seelisches Wohlbefinden beeinflussen?



Was die Studie zeigt – und was nicht



Ein Forschungsteam der Zhejiang-Universität in China wertete Daten der britischen UK-Biobank-Kohorte aus und veröffentlichte die Ergebnisse 2023 in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Über einen Zeitraum von durchschnittlich 11,3 Jahren wurden bei mehr als 140.000 Teilnehmenden 8.294 Fälle von Angst und 12.735 Fälle von Depression erfasst. Menschen mit hohem Konsum frittierter Speisen zeigten dabei statistisch ein höheres Risiko für beide Diagnosen.



Besonders auffällig war der Zusammenhang bei jüngeren Erwachsenen und Männern, häufig auch bei Rauchern. Zudem hatten diese Personen im Schnitt einen höheren Body-Mass-Index, ein niedrigeres Einkommen und ein niedrigeres Bildungsniveau. Das bedeutet: Frittierte Speisen stehen selten für sich allein, sondern hängen häufig mit einem ganzen Lebensstil-Bündel zusammen, das die Gesundheit zusätzlich beeinflussen kann. Wichtig zu betonen: Eine Beobachtungsstudie wie diese zeigt einen statistischen Zusammenhang – sie beweist keine direkte Ursache-Wirkungs-Kette, und einzelne befragte Fachleute wiesen auch darauf hin, dass der Zusammenhang durchaus in beide Richtungen wirken könnte: Manche Menschen greifen vielleicht gerade deshalb häufiger zu frittiertem Trostessen, weil es ihnen bereits nicht gut geht.



Was ist Akrylamid – und warum wird darüber diskutiert?



Wird Kartoffel oder anderes stärkehaltiges Lebensmittel bei sehr hoher Temperatur frittiert, gebacken oder geröstet, entsteht eine Substanz namens Akrylamid. Dabei handelt es sich um ein chemisches Nebenprodukt, das im rohen Lebensmittel nicht vorkommt, sondern erst ab etwa 120 Grad Celsius durch die sogenannte Maillard-Reaktion entsteht – jene Reaktion zwischen Zucker und Aminosäuren, die auch für die typische Bräunung und den Geschmack verantwortlich ist.



Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stufte Akrylamid bereits 2015 als potenziell krebserregend ein und wies zudem auf mögliche Auswirkungen auf das Nervensystem hin. Die im PNAS-Fachartikel beteiligten Forschenden vermuten, dass Akrylamid im Tiermodell mit Entzündungsprozessen im Gehirn in Verbindung stehen könnte – ein möglicher, bislang aber nicht abschließend geklärter Erklärungsansatz für den beobachteten Zusammenhang mit Angst und Depression.



Wichtig einzuordnen: Ein direkter, ursächlicher Zusammenhang zwischen Pommes-Konsum und einer Depressionsdiagnose lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten. Die beteiligten Forschenden sprechen selbst von einem möglichen Mosaikstein unter vielen – nicht von einer erwiesenen Ursache.



Angst und Depression: ein Thema, das viele betrifft



Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit schätzungsweise 280 Millionen Menschen mit einer Depression, hinzu kommen viele weitere Millionen mit Angststörungen. Damit gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit.



Diese Zahl allein erklärt natürlich nicht, warum jemand erkrankt – Depression und Angst gelten als sogenannte multifaktorielle Erkrankungen, bei denen Genetik, Lebensumstände, Stress, soziale Faktoren und eben auch die Ernährung zusammenspielen können. Ernährung ist dabei höchstens ein Baustein unter vielen, nie die alleinige Erklärung.



Warum frittierte Speisen offenbar nicht nur den Körper, sondern auch die Stimmung betreffen können



Dass häufiger Verzehr frittierter Speisen mit einem höheren Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, ist seit Längerem bekannt. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass die Wirkung möglicherweise noch weiter reicht. Eine Portion Pommes liefert viele Kalorien, Fett und Salz, aber vergleichsweise wenige Vitamine und Mineralstoffe.



Auch der Schlaf könnte eine Rolle spielen: Forschende der Universität Uppsala zeigten 2023 in einer im Fachjournal Obesity veröffentlichten kontrollierten Studie, dass sich die Tiefschlafqualität bei denselben Personen nach einer ungünstigeren Ernährungsphase verschlechterte im Vergleich zu einer Phase mit gesünderer Kost. Und guter Schlaf gilt, wie viele Fachleute betonen, als einer der wichtigen Bausteine für seelisches Wohlbefinden.



Warum ein generelles Verbot keine Lösung ist



So spannend die Datenlage ist – man sollte sich hier keinen Illusionen hingeben: Pommes sind kein "Übeltäter" im klassischen Sinn. Depression und Angst sind, wie erwähnt, vielschichtige Erkrankungen mit zahlreichen Einflussfaktoren: Genetik, Stress, Lebensumstände und eben auch, aber nicht nur, die Ernährung.



Wer gelegentlich eine Portion Pommes genießt, muss also keineswegs befürchten, dadurch automatisch depressive Symptome zu entwickeln. Kritisch wird es aus Sicht vieler Ernährungsfachleute eher dann, wenn frittierte Speisen zum täglichen Bestandteil des Speiseplans werden.



Klug genießen: einfache Alternativen für den Alltag



Die gute Nachricht: Es gibt einfache, alltagstaugliche Wege, Kartoffeln und ähnliche Speisen zu genießen, ohne dabei unnötig hohe Mengen an Akrylamid und Fett in Kauf zu nehmen.



Statt zu frittieren können Sie:



  • die Kartoffeln im Ofen bei moderater Temperatur (etwa 180–190 {-15696}C) backen,

  • eine Heißluftfritteuse verwenden, die laut einer im Journal of Food Science veröffentlichten Untersuchung im Vergleich zur klassischen Fritteuse bis zu 90 Prozent weniger Akrylamid entstehen lässt,

  • die geschnittenen Kartoffeln vor der Zubereitung kurz in Wasser einweichen oder blanchieren – dadurch wird ein Teil der Stärke ausgewaschen, was die Akrylamidbildung nachweislich verringern kann.



Ergänzend kann es sinnvoll sein, öfter zu Lebensmitteln zu greifen, denen eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben wird – etwa Blattgemüse wie Rucola und Spinat, Nüsse, Vollkornprodukte und Fisch. Eine große, im renommierten Fachjournal Molecular Psychiatry veröffentlichte Auswertung von 41 Studien unter Beteiligung von Forschenden des University College London kam zu dem Ergebnis, dass eine mediterrane Ernährungsweise mit einem rund 33 Prozent geringeren statistischen Risiko für Depression einherging – ein Zusammenhang, der laut den Studienautorinnen und -autoren zwar bemerkenswert ist, aber ebenfalls keine Kausalität beweist.



Wer generell einen zweiten Blick auf vermeintlich ungesunde Lebensmittel werfen möchte, findet weitere Denkanstöße in unserem Beitrag 8 Lebensmittel, die viele Ernährungsexperten lieber meiden – und warum ein zweiter Blick sich lohnt.



Ein Blick auf die letzten Jahre: Essgewohnheiten im Wandel



Betrachtet man die vergangenen Jahre, lässt sich eine gewisse Parallele zwischen veränderten Essgewohnheiten und gesellschaftlichem Stress erkennen. Während der Corona-Pandemie griffen viele Menschen weltweit deutlich häufiger zu Essenslieferungen und Fast Food. Eine im Fachjournal Public Health Nutrition veröffentlichte spanische Studie unter Leitung von Almudena S{-15455}nchez-Villegas fand bereits zuvor einen Zusammenhang zwischen häufigem Konsum von Fast Food und industriell gefertigten Backwaren und einem höheren statistischen Depressionsrisiko. Solche Beobachtungen ersetzen keinen kausalen Beweis, sie unterstreichen aber, dass Essgewohnheiten und seelisches Wohlbefinden offenbar enger miteinander verwoben sind, als man lange dachte.



Pommes in Maßen, die Psyche an erster Stelle



Pommes können ein leckerer, geselliger Snack bleiben – und gleichzeitig eine kleine Erinnerung daran sein, öfter bewusst hinzuschauen, was täglich auf dem Teller landet. Häufiger Verzehr frittierter Speisen wird in aktuellen Studien mit einem erhöhten statistischen Risiko für Angst- und depressive Symptome in Verbindung gebracht – möglicherweise unter anderem wegen Substanzen wie Akrylamid sowie der allgemeinen Wirkung auf Körper und Stoffwechsel. Ein Beweis für eine direkte Ursache ist das bislang nicht.



Die naheliegende Antwort ist daher nicht der komplette Verzicht, sondern Maß und kluge Alternativen. Wer Kartoffeln etwas schonender zubereitet und den Speiseplan mit nährstoffreichen Lebensmitteln ergänzt, kann seine liebste Beilage weiterhin genießen – ohne das Gefühl, damit langfristig der eigenen Gesundheit zu schaden.


 
Pommes frites und Psyche
 
Langzeitstudie Ernährung Psyche
 
Frittierte Speisen und Depression
 
Zusammenhang Ernährung Psyche
 
Akrylamid und mentale Gesundheit
 





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Februar 2015
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