Warum genau eine einzige Umdrehung im Schlaf Ihre Verdauung, Ihr Herz und Ihre Nächte verändern kann.
Schlafposition und Wohlbefinden hängen nach heutigem Wissen enger zusammen, als lange angenommen. Erste wissenschaftliche Hinweise deuten darauf hin, dass die linke Seite bestimmte Beschwerden lindern könnte – ein Gespräch mit dem eigenen Körper ersetzt das natürlich nicht.
Schon unsere Großeltern sagten: Wenn der Magen zwickt, dreh dich auf die linke Seite, dann wird es besser. Eine einfache Alltagsweisheit, der die Wissenschaft heute zunehmend Beachtung schenkt. Immer mehr Untersuchungen befassen sich mit der Frage, ob die Schlafposition tatsächlich einen Unterschied für Verdauung, Herz und nächtliches Sodbrennen machen kann – und liefern erste interessante Anhaltspunkte.
Warum ausgerechnet die linke Seite?
Auf den ersten Blick wirkt der menschliche Körper symmetrisch: zwei Arme, zwei Beine, zwei Lungenflügel. Die inneren Organe sind jedoch keineswegs gleichmäßig verteilt. Die Leber liegt rechts, das Herz ist leicht nach links geneigt, und auch Magen sowie Bauchspeicheldrüse befinden sich eher auf der linken Seite. Genau diese Asymmetrie ist der Grund, warum manche Fachleute vermuten, dass die Schlafposition einen Einfluss auf bestimmte Körperfunktionen haben könnte.
Umfragen des amerikanischen Sleep Foundation-Netzwerks zeigen seit Jahren, dass die Seitenlage die mit Abstand beliebteste Schlafposition ist, deutlich vor Rücken- und Bauchlage. Manche Menschen, die auf der linken Seite schlafen, berichten in Erfahrungsberichten von weniger Verdauungsbeschwerden und selteneren Sodbrennen-Episoden – ein Zusammenhang, dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler inzwischen nachgehen.
Sehen wir uns die möglichen Zusammenhänge im Einzelnen an.
- Die linke Seite könnte die natürliche Reinigung des Körpers unterstützen
Das Lymphsystem ist ein Netzwerk aus feinen Gefäßen, das Abfallstoffe und Zwischenprodukte des Stoffwechsels abtransportiert – ähnlich einem inneren Abflusssystem. Manche Fachleute vermuten, dass die Schwerkraft in Linksseitenlage diesen Abtransport etwas begünstigen könnte, wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang bislang aber nur wenig erforscht.
In der traditionellen indischen Heilkunde, dem Ayurveda, wird das Schlafen auf der linken Seite seit Jahrhunderten empfohlen. Ob sich das eins zu eins auf moderne Erkenntnisse übertragen lässt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt – interessant ist der Gedanke trotzdem. - Auch die Milz könnte von der linken Lage profitieren
Die Milz filtert Blut und baut unter anderem alte Blutzellen ab. Sie liegt auf der linken Seite des Körpers. Manche Ernährungs- und Ayurveda-Ratgeber gehen davon aus, dass die Linksseitenlage ihre Durchblutung begünstigen könnte – belastbare klinische Studien dazu gibt es bislang jedoch kaum, weshalb diese Annahme eher als traditionelles Konzept denn als gesicherte medizinische Erkenntnis gelten sollte. - Das Herz muss in Linksseitenlage womöglich etwas weniger leisten
Das Herz schlägt täglich rund 100.000-mal und pumpt dabei mehrere Tausend Liter Blut. Ein großer Teil davon liegt anatomisch leicht nach links geneigt.
Forschende haben schon in den 1990er-Jahren festgestellt, dass sich die elektrische Herzaktivität je nach Schlafposition messbar verändert – eine neuere Untersuchung, über die AARP berichtet, bestätigt solche Veränderungen im EKG in Linksseitenlage. Was diese Veränderungen langfristig bedeuten, ist noch Gegenstand der Forschung: Menschen mit bestimmten Herzerkrankungen wird teils sogar eher zur rechten Seite geraten, wie eine Übersicht zur Herzgesundheit und Schlafposition erläutert. Ein Gespräch mit dem Kardiologen oder der Kardiologin ist hier in jedem Fall sinnvoller als eine pauschale Empfehlung. - Die Leber bekommt in Linksseitenlage etwas mehr Raum
Die Leber ist mit über 500 verschiedenen Aufgaben eines der wichtigsten Stoffwechselorgane und liegt auf der rechten Körperseite. Wer auf der rechten Seite schläft, legt das eigene Körpergewicht direkt auf dieses Organ.
In der ayurvedischen Tradition wird angenommen, dass die Linksseitenlage der Leber mehr Freiraum lässt. Wissenschaftlich untermauerte Studien zu einem direkten Zusammenhang mit Fettleber oder Cholesterinwerten fehlen bislang – wer seine Leber unterstützen möchte, sollte in erster Linie auf Ernährung und Alkoholkonsum achten. Auch alltägliche Lebensmittel können hier einen Unterschied machen, etwa wie in unserem Artikel Warum man jeden Tag Essiggurken essen sollte beschrieben, oder mit Petersilientee als Heilmittel, dem traditionell eine unterstützende Wirkung auf die Leber nachgesagt wird. - Die Verdauung könnte etwas natürlicher ablaufen
Magen und Bauchspeicheldrüse, die für die Verdauungssäfte zuständig sind, liegen überwiegend links. In Linksseitenlage kann die Schwerkraft dazu beitragen, dass die Nahrung den Magen in einem etwas gleichmäßigeren Tempo durchläuft.
Wer hingegen häufig zu schnell isst, belastet die Verdauung ohnehin zusätzlich – dazu mehr in unserem Artikel Was passiert im Körper, wenn man zu schnell isst? Auch ungünstige Lebensmittelkombinationen können Blähungen und Völlegefühl begünstigen, wie wir in Welche Lebensmittel man in Kombination essen kann und welche nicht genauer erklären. - Auch der Darm könnte nachts leichter arbeiten
Am Übergang von Dünn- zu Dickdarm liegt eine Art natürliches Ventil, die Ileozäkalklappe, im unteren linken Bauchbereich. In Linksseitenlage unterstützt die Schwerkraft möglicherweise den Transport von Abfallstoffen durch den Dickdarm, was bei manchen Menschen den morgendlichen Stuhlgang erleichtern kann.
Eine träge Verdauung hat oft mehrere Ursachen – mehr dazu in unserem Beitrag Faule Eingeweide verursachen große Bäuche. Wer die Darmtätigkeit sanft unterstützen möchte, findet auch in Zwei Zutaten zur Reinigung Ihres Körpers einfache Anregungen. - Linksseitenlage und nächtliches Sodbrennen
Sodbrennen zählt zu den häufigsten Beschwerden überhaupt: Der unangenehme Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre betrifft viele Menschen zumindest gelegentlich.
Eine im Fachjournal The American Journal of Gastroenterology veröffentlichte Studie mit 57 Teilnehmenden, über die auch Harvard Health Publishing berichtet, untersuchte gezielt, wie schnell sich zurückgeflossene Magensäure je nach Schlafposition wieder aus der Speiseröhre entfernt. Die Linksseitenlage zeigte hier Vorteile gegenüber Rücken- und Rechtsseitenlage, auch wenn nicht bei allen gemessenen Werten ein Unterschied auftrat. Auch ein spezielles Positionstherapie-Gerät, das Betroffene sanft zur Linksseitenlage anleitet, wurde in einer klinischen Pilotstudie untersucht. Wer regelmäßig unter Sodbrennen leidet, für den kann auch ein Hausmittel wie in unserem Artikel Das vergessene Wundermittel Kartoffelsaft: Warum es sich lohnt, ihn wiederzuentdecken beschrieben interessant sein – ein Arztbesuch bei anhaltenden Beschwerden bleibt aber ratsam.
Was sagt die Volksweisheit?
In der traditionellen Naturheilkunde wurde der Linksseitenlage schon lange eine beruhigende Wirkung auf Magen und Herz nachgesagt. Großeltern erklärten oft, der Körper könne sich so „leichter reinigen". Solche Erfahrungswerte sind kein Ersatz für wissenschaftliche Studien, zeigen aber, warum das Thema heute neu untersucht wird.
Wie lässt sich diese Gewohnheit einfach einführen?
Wer bislang eher auf der rechten Seite oder auf dem Rücken schläft, wird die Umstellung anfangs vermutlich nicht als selbstverständlich empfinden. Kleine Hilfsmittel können den Einstieg erleichtern: Ein schmales Kissen im Rücken kann helfen, nachts nicht zurückzurollen. Wer ohnehin in Seitenlage schläft, kann zusätzlich ein Kissen zwischen die Knie legen – das entlastet spürbar Wirbelsäule und Hüfte.
Manche Menschen berichten, dass sich eine bewusste Umstellung der Schlafposition nach einigen Wochen positiv auf ihre Schlafqualität auswirkt. Wie stark dieser Effekt individuell ausfällt, ist von Person zu Person unterschiedlich.
Eine einfache, kostenfreie Gewohnheit mit Potenzial
Die Linksseitenlage ist eine der einfachsten und günstigsten Möglichkeiten, die eigene Nachtruhe bewusster zu gestalten. Sie erfordert keine speziellen Präparate, keine teuren Therapien und keine komplizierten Rituale – nur die Bereitschaft, es einmal anders zu versuchen.
In Kombination mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung kann eine bewusst gewählte Schlafposition ein kleiner, aber sinnvoller Baustein für das eigene Wohlbefinden sein.
Probieren Sie es doch heute Nacht aus: Legen Sie sich auf die linke Seite und beobachten Sie, wie sich das für Sie anfühlt.

























