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Vegetarier oder Fleischesser – wer ist gesünder?Vegetarier oder Fleischesser – wer ist gesünder?Vegetarier oder Fleischesser – wer ist gesünder?


Datum: 19. JUN 26 - GUT ZU WISSEN
Vegetarier oder Fleischesser – wer ist gesünder?
Immer klarer wird jedoch, dass allein die Ernährung – ob mit oder ohne Fleisch – nicht der einzige Schlüssel zur Gesundheit ist. Wichtig ist der gesamte Lebensstil ...

Klären wir zunächst ein paar Grundlagen. Vegetarier essen kein Fleisch. Einige von ihnen essen Fisch (das sind die sogenannten Pesco-Vegetarier), andere Milchprodukte und Eier (das sind Lacto-Vegetarier), die strengsten aber sind Veganer, die überhaupt nichts Tierisches konsumieren – nicht einmal Honig.

Auf den ersten Blick scheint es, als müssten Vegetarier in einem besseren Gesundheitszustand sein. Und tatsächlich zeigen viele Studien, dass Pflanzenesser oft einen niedrigeren Blutdruck, weniger Cholesterin und weniger Probleme mit Übergewicht haben. Aber – ist wirklich alles so einfach?

Schockierende österreichische Studie: Vegetarier weniger gesund?

Im Jahr 2024 sorgte eine ziemlich viel beachtete Studie aus Österreich für Aufruhr in Ernährungskreisen weltweit. Eine Forschergruppe der Medizinischen Fakultät Graz verglich den Gesundheitszustand von mehr als 1.300 erwachsenen Österreichern, die in vier Gruppen eingeteilt wurden: strenge Vegetarier, solche mit überwiegend pflanzlicher, aber etwas fleischhaltiger Ernährung, Allesesser mit moderatem Fleischkonsum und Allesesser mit hohem Fleischkonsum.

Und das Ergebnis? Überraschend. Es zeigte sich, dass Vegetarier – obwohl sie weniger Körpergewicht hatten und weniger Alkohol tranken – häufiger von Krebserkrankungen, Allergien, Depressionen und Angststörungen berichteten. Sie nahmen zudem seltener an ärztlichen Untersuchungen und Impfungen teil.

Wenn Sie das beunruhigt, bedenken Sie: Die Forscher behaupteten nicht, dass der Vegetarismus diese Krankheiten verursacht. Es handelt sich um einen Zusammenhang, nicht um eine Ursache. Auch die Epidemiologin Nathalie Burkert, die an der Studie mitwirkte, wies darauf hin, dass der Grund für diese Verbindung auch sein könnte, dass sich Menschen mit gesundheitlichen Problemen eher zu einer Ernährungsumstellung entschließen – sie werden also Vegetarier, weil sie bereits gesundheitliche Schwierigkeiten haben.

Britische Studie: Weniger Herzerkrankungen, mehr Schlaganfälle?

Auch britische Wissenschaftler sorgten mit einer Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlicht wurde, für Aufsehen. In einer 18 Jahre dauernden Studie mit 48.000 Teilnehmern stellten sie fest, dass Vegetarier und Veganer zwar tatsächlich weniger Herzerkrankungen haben, gleichzeitig aber ein 20 % höheres Risiko für einen Schlaganfall.

Der Grund? Zunächst vermutete man einen Mangel an Vitamin B12, das in pflanzlicher Nahrung fast nicht vorkommt. Dieses Vitamin spielt eine Schlüsselrolle für das Nervensystem und die Bildung roter Blutkörperchen. Wenn es nicht ausreichend vorhanden ist, kann es zu Kreislaufproblemen und sogar zu Hirnschäden kommen.

B12 findet sich fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern. Daher wird Vegetariern und Veganern empfohlen, mit angereicherten Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln nachzuhelfen. Geschieht das nicht, steigt das Risiko für diese Probleme deutlich an.

Die Forscher wiesen jedoch auch auf eine andere mögliche Erklärung hin: Vielleicht liegt der Grund für die höhere Schlaganfallrate nicht nur in der Ernährung, sondern auch in Unterschieden im gesamten Lebensstil – z. B. Stress, Schlaf oder körperlicher Aktivität.

Vegetarismus ist nicht eindeutig

Manchmal scheint es, als wäre Vegetarismus eine Art Wunderdiät, die ein langes Leben und perfekte Gesundheit bringt. Doch die Wahrheit ist komplexer. Es gibt ganz unterschiedliche Varianten: von Veganern bis zu denen, die Milchprodukte, Eier oder sogar Fisch essen. Jede dieser Varianten hat ihre eigenen Vorteile und Fallstricke.

Zum Beispiel: Proteine sind für den Körper unentbehrlich. Ohne sie gibt es keine Muskeln, Hormone und keine gesunde Haut. Fleisch enthält sie reichlich, während sie aus pflanzlichen Quellen ein wenig schwerer zu bekommen sind. Auch Eisen ist aus Fleisch besser verfügbar als aus pflanzlichen Quellen. Nimmt man zu wenig davon auf, kann es zu Anämie kommen, was Müdigkeit, schlechtere Konzentration und Blässe bedeutet.

Aber keine Sorge, Eisen ist auch aus pflanzlichen Quellen erhältlich – wie aus Hülsenfrüchten, Trockenfrüchten, Vollkornmehlen und Kürbiskernen. Man muss sie nur mit Vitamin C-reichen Lebensmitteln kombinieren (wie z. B. Sauerkraut, Paprika oder Zitrone), denn dieses fördert die Aufnahme von Eisen.

Pflanzliche Ernährung: Vorteile, die man nicht übersehen sollte

Andererseits ist pflanzliche Ernährung reich an Ballaststoffen, Antioxidantien und Stoffen, die vor Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und bestimmten Krebsarten schützen.

So zeigte z. B. eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2019, die über 300.000 Menschen einbezog, dass der Verzehr von mehr Obst und Gemüse das Risiko eines frühen Todes um satte 25 % senkt.

Auch das LDL-Cholesterin, bekannt als das „schlechte“ Cholesterin, ist bei Vegetariern in der Regel niedriger – was ein geringeres Risiko für verstopfte Gefäße und Herzinfarkt bedeutet. Außerdem haben Pflanzenesser einen niedrigeren Body-Mass-Index, sind also seltener übergewichtig – und Übergewicht ist heute bereits eine weltweite Pandemie. Laut WHO haben fast 2 Milliarden Menschen weltweit Übergewicht.

Was sagen Volksheilkundige?

In der Volksheilkunde gilt seit Jahrhunderten das Prinzip der Mäßigung. Unsere Vorfahren aßen Fleisch nicht jeden Tag – oft nur an Feiertagen oder sonntags. Die Ernährung basierte auf Getreide, Hülsenfrüchten, Wurzeln und fermentierten Speisen – wie etwa Sauerkraut und Rüben, die natürliche Probiotika sind.

Nach altem Brauch hieß es: „Ein Mann, der täglich Fleisch isst, ist schnell wie ein Hirsch, doch manchmal ist das Herz schneller.“ So warnten die Alten vor zu viel Fleisch – besonders rotem – das nicht gut fürs Herz ist. Das bestätigt heute auch die Wissenschaft: Regelmäßiger Verzehr großer Mengen roten Fleisches erhöht das Risiko für Darmkrebs, Herzerkrankungen und sogar vorzeitigen Tod.

Was empfehlen Experten?

Dr. Frankie Phillips vom britischen Verband der Ernährungsberater betont, dass die Ernährung – egal ob mit oder ohne Fleisch – vielfältig, ausgewogen und geplant sein muss. Sie betont die Bedeutung von lokalem, saisonalem Essen, Vollwertprodukten und dem Vermeiden stark verarbeiteter Produkte.

Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt, täglich mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse zu essen, den Verzehr von rotem Fleisch auf weniger als 500 Gramm pro Woche zu begrenzen und verarbeitetes Fleisch (wie Würstchen, Salami, Pasteten) ganz zu meiden, da dieses nachweislich das Krebsrisiko erhöht.

Was bedeutet das für Sie?

Wenn Sie Vegetarier sind, besteht kein Grund, jetzt panisch zur Wurst zu greifen. Der Schlüssel liegt im Wissen und im Gleichgewicht. Achten Sie darauf, dass in Ihrer Ernährung keine wichtigen Vitamine und Mineralstoffe fehlen – vor allem B12, Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren. Diese finden Sie auch in Leinsamen, Nüssen und Meeresalgen.

Wenn Sie Fleisch essen, gilt die alte Weisheit: Achten Sie auf gute Qualität, möglichst aus der Region – ohne Hormone und Antibiotika – und essen Sie in Maßen. Und vergessen Sie nicht Bewegung, frische Luft und guten Schlaf – ohne das hilft auch die perfekteste Diät nicht.

Fazit

Vegetarismus ist keine Wunderlösung, genauso wenig wie eine fleischbasierte Ernährung ins Verderben führt. Ehrlich gesagt ist das Beste, was wir für unsere Gesundheit tun können, auf unseren Körper zu hören, selbst zu denken und Nahrung zu wählen, die uns körperlich und seelisch nährt.

Jeder Schritt zu einer natürlicheren, ausgewogeneren Ernährung ist ein Schritt in die richtige Richtung.
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Februar 2015
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