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Stress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion daraufStress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion daraufStress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion daraufStress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion daraufStress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion darauf


Datum: 17. OKT 26 - GUT ZU WISSEN
Stress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion darauf
Dauerhafte Anspannung kann den Spiegel des Stresshormons Cortisol erhöhen, Entzündungsprozesse begünstigen und wird von Fachleuten als einer der Faktoren betrachtet, die mit Herz-Kreislauf-Beschwerden in Verbindung stehen.

Stress wirkt leise: Ein Kreml-Kardiologe war überzeugt, dass nicht die Armut dem Herzen zusetzt, sondern unsere Reaktion darauf



Dauerhafte Anspannung kann den Spiegel des Stresshormons Cortisol erhöhen, Entzündungsprozesse begünstigen und wird von Fachleuten als einer der Faktoren betrachtet, die mit Herz-Kreislauf-Beschwerden in Verbindung stehen. Die gute Nachricht: Einfache, kostengünstige Gewohnheiten aus dem Alltag können helfen, mehr Ruhe in Körper und Geist zu bringen.



Ein Mann, der die mächtigsten Herzen der Sowjetunion behandelte, hielt eine Diagnose für besonders gefährlich, die in keinem Laborbefund auftaucht: den Dauerstress. Nicht der leere Geldbeutel, nicht die Sorgen an sich, sondern die Art, wie wir innerlich darauf reagieren, sei das eigentliche Problem. Heute, Jahrzehnte später, scheint die Forschung ihm in vielem recht zu geben.



Als eine der einflussreichsten Frauen der Welt am Boden lag



Am 6. April 2007 fand sich die Verlegerin Arianna Huffington, Gründerin der „Huffington Post“, bewusstlos auf dem Boden ihres Arbeitszimmers wieder. Sie war vor Erschöpfung zusammengebrochen, mit dem Gesicht gegen die Schreibtischkante gestürzt und hatte sich dabei das Jochbein gebrochen. In den folgenden Wochen ließ sie sich gründlich untersuchen, unter anderem auch ihr Herz. Das Ergebnis war ebenso einfach wie beunruhigend: Es lag keine verborgene Krankheit vor, sondern schlicht Überlastung. Sie hatte monatelang achtzehn Stunden am Tag gearbeitet, sieben Tage die Woche, wie das Wirtschaftsmagazin The CEO Magazine berichtet.



Später bezeichnete sie diesen Zusammenbruch als Weckruf, der ihr Leben verändert habe. Bei einem Auftritt an der Harvard School of Public Health riet sie ihrem Publikum, öfter abzuschalten, ausreichend zu schlafen und sich Zeit für Bewegung, Besinnung und Familie zu nehmen. Ihre Geschichte zeigt eindrücklich: Stress macht vor Erfolg und Wohlstand nicht halt. Es kommt darauf an, wie wir mit ihm umgehen.



Genau das predigte auch ein berühmter russischer Herzspezialist.



Wer war Jewgeni Tschasow?



Jewgeni Iwanowitsch Tschasow wurde am 10. Juni 1929 geboren und starb am 12. November 2021 (Deutsche Biographie). Er war Spezialist für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Kardiologe), über viele Jahre Chefarzt der Kreml-Medizin und später Gesundheitsminister der Sowjetunion. Zu seinen Patienten zählten führende Politiker des Landes. Weltweit bekannt wurde er auch als Mitbegründer der Ärztebewegung IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Das Nationale Medizinische Forschungszentrum für Kardiologie in Moskau trägt heute seinen Namen.



Tschasow genoss zu Lebzeiten großes Ansehen, und viele seiner Aussagen werden bis heute in Medien zitiert, allerdings häufig ohne genaue Quellenangabe. Warf man ihm früher noch Übertreibung vor, so wissen wir heute, dass er in vielem recht hatte: Gesellschaftliche Bedingungen und seelische Belastungen wirken sich durchaus auf das Herz-Kreislauf-System aus.



Auch wenn also nicht jede ihm zugeschriebene Aussage eindeutig belegt ist, lohnt es sich, seine Botschaft als Warnung ernst zu nehmen: Stress und innere Unruhe sind kein belangloses Problem.



Stress als Risikofaktor



In seinen Fachschriften über Herz-Kreislauf-Erkrankungen betonte Tschasow, dass gesellschaftliche Bedingungen, psychischer Druck und der Gefühlszustand eines Menschen (auch wenn sie schwer messbar sind) eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Herzerkrankungen spielen. Moderne Untersuchungen weisen darauf hin, dass chronischer Stress, also Stress, der lange anhält und nicht nur einen Augenblick dauert, den Spiegel des Hormons Cortisol erhöhen, Entzündungsprozesse im Körper fördern und zur Verengung der Arterien beitragen kann.



Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen seit Jahren weltweit an der Spitze der Todesursachen. Studien zeigen, dass Menschen mit starker seelischer Belastung, etwa am Arbeitsplatz oder in Beziehungen, häufiger einen erhöhten Blutdruck, eine schlechtere Gefäßfunktion, mehr Entzündungszeichen und ein höheres Herzinfarktrisiko aufweisen.



Einige Beispiele aus der Forschung:




  • Die große internationale INTERHEART-Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift The Lancet, verglich rund 11.000 Herzinfarktpatienten mit über 13.000 Kontrollpersonen aus 52 Ländern. Menschen nach einem Herzinfarkt berichteten deutlich häufiger von Stress am Arbeitsplatz, zu Hause, von finanziellen Sorgen und belastenden Lebensereignissen.

  • Eine Auswertung der britischen Whitehall-II-Studie, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtete, zeigte: Beschäftigte, die die Auswirkungen von Stress auf ihre Gesundheit als „stark“ oder „extrem“ einschätzten, erlitten in den folgenden elf Jahren mehr als doppelt so häufig einen Herzinfarkt.

  • Forscher des Massachusetts General Hospital stellten 2017 in The Lancet einen möglichen Mechanismus vor: Eine erhöhte Aktivität der Amygdala, also jener Hirnregion, die Angst und Stress verarbeitet, ging mit mehr Entzündungsaktivität in den Arterien und häufigeren Herz-Kreislauf-Ereignissen einher (Bericht bei Healio).

  • Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hielt in einem Positionspapier auf Basis von 189 Studien fest, dass Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck eng mit dem seelischen Wohlbefinden verknüpft sind, wie die Stiftung Warentest zusammenfasst.



Die Wissenschaft stützt also die Vorstellung, dass Stress nicht nur „im Kopf“ stattfindet, sondern im Körper Spuren hinterlässt, die langfristig die Gesundheit beeinträchtigen können. Ein Fachmann der Deutschen Herzstiftung erklärte gegenüber t-online, dass dauerhaft erhöhte Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin das Herzinfarktrisiko spürbar steigern können.



Der Körper ist langsam, das Leben ist schnell



Tschasow meinte, unser Körper habe sich über Jahrtausende langsam entwickelt, doch heute lebten wir in einem enormen Tempo. Dieses Ungleichgewicht zwischen Körper und Lebensrhythmus führe zu Störungen. Armut und Not seien an sich nicht der größte Feind des Menschen, sondern unser Verhältnis zu ihnen: wie wir eine Notlage annehmen und wie wir innerlich darauf reagieren.



Viele kennen das aus eigener Erfahrung: Man isst mittags vor dem Bildschirm, beantwortet nebenbei Nachrichten und merkt erst abends, dass der Nacken verspannt ist und das Herz noch immer schneller schlägt. Warum genau solche Gewohnheiten ungünstig sind, lesen Sie im Beitrag Warum sollte man nicht am Schreibtisch essen?



Besorgniserregend ist, dass Herzbeschwerden zunehmend auch jüngere Menschen betreffen. Eine Auswertung der Krankenkasse KKH ergab, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung mit psychischen Diagnosen zwischen 2011 und 2021 um rund 37 Prozent zugenommen haben. Eine Ärztin der Kasse warnte, solche Erkrankungen seien keine reine Alterserscheinung (Ihre Vorsorge, PTAheute).



Tschasow riet, sich nicht zu überessen, auf den Stress zu achten und das Leben nicht zu einem Wettlauf um Geld werden zu lassen. Diese Gedanken sind eindringlich, und es wäre falsch, sie als völlig unbegründet abzutun. Stellen wir uns also die Frage: Was können wir zu Hause, ohne Medikamente, tun, um Stress abzubauen und das Herz zu unterstützen?



Sechs einfache Wege zu mehr innerer Ruhe



1. Atemübungen und Meditation



Sie gehören zu den am leichtesten zugänglichen Hilfsmitteln. Man kann sie überall üben, ganz ohne Ausrüstung.



Eine einfache Übung: Drei Minuten lang 4 Sekunden durch die Nase einatmen und anschließend 6 Sekunden langsam durch den Mund ausatmen.



Tiefes, ruhiges Atmen aktiviert den Parasympathikus, also jenen Teil des Nervensystems, der für Beruhigung und Erholung zuständig ist. Er kann helfen, Muskelspannung abzubauen und den Puls zu beruhigen. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige Meditation und Entspannungstechniken wie Yoga den Spiegel der Stresshormone senken können. Wer sich dabei von Umgebungsgeräuschen gestört fühlt, findet vielleicht im Beitrag Weißes Rauschen zur Beruhigung, gegen Stress und für besseren Schlaf eine hilfreiche Ergänzung.



2. Kräuter und Tees



Das überlieferte Wissen unserer Großeltern kennt einige natürliche Helfer:




  • Lavendel: gilt als beruhigend und entspannend, ob als Tee oder als Duft.

  • Melisse (Zitronenmelisse): ein mildes Beruhigungskraut, das häufig in traditionellen Teemischungen verwendet wird.

  • Baldrian und Passionsblume: werden in der Volksheilkunde seit Langem zur Beruhigung eingesetzt.



Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg nennt Baldrian, Melisse, Hopfen, Lavendel und Passionsblume als bewährte pflanzliche Helfer bei innerer Unruhe und Einschlafproblemen. Eine Apothekerin betont in einer Kolumne bei prisma zugleich, wie wichtig es ist, mögliche Wechselwirkungen mit Dauermedikamenten zu prüfen.



Hinweis: Wenn Sie bereits Medikamente einnehmen (zum Beispiel gegen Bluthochdruck), sprechen Sie vor der regelmäßigen Anwendung von Heilkräutern mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke, da manche Pflanzen die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen können.



3. Bewegung, Spaziergänge und Natur



Fachleute empfehlen, sich täglich mindestens 30 Minuten zu Fuß oder mit mäßiger Anstrengung zu bewegen, etwa bei einem Spaziergang im Wald oder im Park. Bewegung setzt Glückshormone (Endorphine) frei, baut Anspannung ab und regt den Kreislauf an. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.



Schon kleine Schritte zählen: In einer Studie der Queen's University Belfast, über die die Ärzte Zeitung berichtete, verbesserten bereits drei zügige halbstündige Spaziergänge pro Woche bei bisher wenig aktiven Menschen den Blutdruck und den Bauchumfang. Eine Übersichtsarbeit mit 42 Studien, die Spektrum der Wissenschaft vorstellt, fand ebenfalls günstige Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und Blutfetten durch regelmäßiges Gehen.



4. Guter Schlaf und Erholung



Wer nicht ausgeruht ist, bei dem kann Stress schneller zur Belastung werden. Versuchen Sie, jede Nacht 7 bis 8 Stunden erholsam zu schlafen. Schalten Sie vor dem Schlafengehen elektronische Geräte aus und beruhigen Sie den Geist mit einem Buch oder leiser Musik. Das Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, gesund.bund.de, weist darauf hin, dass unruhiger Schlaf mit Tagesmüdigkeit und Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Bluthochdruck in Verbindung gebracht wird.



Auch das Abendessen spielt eine Rolle: Schwere, fettreiche Mahlzeiten können den Schlaf beeinträchtigen. Mehr dazu im Beitrag Warum sorgt ein Hamburger dafür, dass wir früher ins Bett gehen?



5. Den Tag planen und Anspannung begrenzen



Teilen Sie Ihren Tag in Arbeit und Erholung ein. Wenn der Tag zu sehr zerstückelt ist, wächst der Stress. Lernen Sie, „Nein“ zu sagen. Wer zu viel Verantwortung übernimmt, kann schnell seine Grenzen überschreiten. Suchen Sie sich Hobbys, bei denen der Kopf abschalten kann: Malen, Musik hören, Gartenarbeit, Singen.



Eine ausgewogene Ernährung unterstützt diesen Weg. Welche Lebensmittel Fachleute lieber meiden, lesen Sie in 9 Dinge, die Ernährungswissenschaftler niemals essen würden. Und wer wissen möchte, wie sich manche Getränke auf Gefäße und Blutdruck auswirken können, findet Anregungen im Beitrag Was passiert, wenn Sie jeden Tag einen halben Liter Orangensaft trinken?



6. Unterstützung und Gespräche



Wir Menschen sind soziale Wesen. Wer den Druck allein trägt, bei dem staut er sich an. Teilen Sie Ihre Sorgen, beten Sie (ja, auch das war ein Rat des russischen Arztes!) oder sprechen Sie mit einer vertrauenswürdigen Person. Eine kleine Veränderung kann viel bewirken.



Heute gibt es auch Beratungen per Telefon oder im Internet, doch der persönliche Kontakt ist oft der beste. Wenn Belastungen über längere Zeit anhalten, ist es sinnvoll, ärztlichen oder psychologischen Rat einzuholen.



Warum sind diese Methoden sinnvoll?



Tschasow wies in seinen Schriften wiederholt darauf hin, dass seelische Faktoren (Gefühle, Stress, Angst) im Zusammenspiel mit anderen Risiken wie hohem Blutdruck oder ungünstigen Blutfettwerten zu Herzerkrankungen beitragen können. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (EU-OSHA) beschreibt ähnlich, dass Stress häufig mit ungesunden Gewohnheiten einhergeht, die das Herz zusätzlich belasten.



Studien deuten zudem darauf hin, dass Meditation, Atemübungen und Yoga den Cortisolspiegel senken und Entzündungswerte sowie den Blutdruck bei Menschen mit erhöhtem Risiko günstig beeinflussen können.



Bewegung als Vorbeugung hat eine lange Tradition: Große Bevölkerungsstudien zeigen, dass Menschen, die sich regelmäßig mäßig bewegen, ein spürbar geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben als Menschen, die überwiegend sitzen.



Schlafmangel wird in der modernen Forschung mit erhöhtem Blutdruck, Übergewicht und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht, also mit Faktoren, die ihrerseits das Herz belasten können.



Auch wenn es eine wissenschaftliche Grundlage für den Einfluss von Stress auf das Herz gibt, ist Stress natürlich nicht die einzige Ursache von Herzerkrankungen. Rauchen, Bewegungsmangel, Ernährung und erbliche Veranlagung spielen ebenfalls eine große Rolle. Doch der Anteil des Stresses scheint mit den Jahren zu wachsen.



Warnung und Hoffnung



Stress ist zweifellos eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Ein stiller Gegner, der langsam wirkt, uns erschöpft, unser Gleichgewicht stört und sich in den Körper schleicht. Wenn wir unserer inneren Ruhe nur halb so viel Aufmerksamkeit schenken wie dem Fernsehen, den Nachrichten oder dem Essen, haben wir schon viel erreicht. Wenn wir uns täglich 5 Minuten zum Durchatmen nehmen, täglich einen kurzen Spaziergang machen und zumindest einen Teil unserer Sorgen mit anderen teilen, bauen wir langfristig einen Schutzwall gegen den Stress.



Arianna Huffington brauchte einen Sturz, um das zu verstehen. Jewgeni Tschasow hat es sein Leben lang gepredigt. Wir können es einfacher haben und heute mit dem ersten ruhigen Atemzug beginnen.



Das Leben ist kein Wettlauf um Geld. Der Körper ist keine Maschine, die alles aushält. Die Sorge um Ihr Herz ist nicht nur Aufgabe der Ärzte. Sie ist auch unsere eigene!


 
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