Sie haben gut geschlafen, genug getrunken und keinen Stress, und trotzdem pocht es plötzlich in den Schläfen? Dann lohnt sich ein Blick auf den Teller. Bestimmte Lebensmittel stehen im Verdacht, bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen oder sogar Migräneattacken zu begünstigen. Einige davon liegen in fast jeder Küche, und eines davon würde kaum jemand vermuten: die Banane.
Eine Leserin, die seit Jahren unter wiederkehrender Migräne leidet, erzählte uns, dass sie lange keinen Zusammenhang mit ihrer Ernährung sah. Erst als sie auf Anraten ihrer Ärztin ein Ernährungstagebuch führte, fiel ihr auf, dass die Beschwerden auffallend oft nach einem Abend mit gereiftem Käse und Rotwein auftraten. „Ich musste nicht auf alles verzichten“, sagt sie, „aber ich weiß jetzt, wo meine Grenze liegt.“ Viele Betroffene berichten Ähnliches: Nicht ein einzelnes Lebensmittel, sondern die Kombination und Menge machen oft den Unterschied.
Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind Kopfschmerzen eines der häufigsten Gesundheitsprobleme überhaupt. Die meisten davon sind Spannungskopfschmerzen, wie auch das staatliche Gesundheitsportal gesund.bund.de erklärt. Ernährung ist nur einer von vielen möglichen Faktoren, neben Stress, Schlafmangel und zu wenig Flüssigkeit, wie wir bereits im Artikel Der Sommer macht Sie müder, als Sie denken – und die Hitze allein ist nicht schuld beschrieben haben.
Warum gerade Tyramin und Sulfite?
Tyramin ist ein sogenanntes biogenes Amin, das bei der Reifung, Gärung und Lagerung von Lebensmitteln entsteht. Es kann die Weite der Blutgefäße beeinflussen, was bei empfindlichen Menschen mit Kopfschmerzen in Verbindung gebracht wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat biogene Amine in Lebensmitteln ausführlich bewertet. Sulfite wiederum sind Konservierungsstoffe, die vor allem in Trockenobst und Wein vorkommen und ebenfalls von der EFSA neu bewertet wurden.
Käse
Tyramin in Käse wird seit Langem mit Migräne in Verbindung gebracht, in milderer Form auch mit unangenehmen Kopfschmerzen. Besonders viel Tyramin steckt in lange gereiften Sorten wie Parmesan, Cheddar oder altem Gouda. Je länger ein Käse reift, desto mehr Tyramin kann sich bilden. Frischkäse, Mozzarella, Hüttenkäse oder Ricotta enthalten dagegen deutlich weniger. Wenn Ihr Kopf bereits schmerzt, ist es sinnvoll, nicht noch Öl ins Feuer zu gießen und auf gereiften Käse vorerst zu verzichten.
Schokolade
Schokolade hat einen guten Ruf, wenn es um die Stimmung geht, und dunkle Sorten werden in Studien sogar mit einer besseren Gefäßfunktion in Verbindung gebracht, wie Sie im Beitrag 10 Lebensmittel, auf die Ernährungsexperten schwören nachlesen können. Bei Kopfschmerzen sieht die Sache etwas anders aus. Viele Migränebetroffene nennen Schokolade als Auslöser. Interessanterweise fand eine doppelblinde Studie in der Fachzeitschrift Cephalalgia keinen klaren Unterschied zwischen Schokolade und einem Placebo. Fachleute vermuten deshalb, dass der Heißhunger auf Süßes manchmal bereits ein frühes Vorzeichen der Migräne ist und nicht deren Ursache.
Trotzdem gilt: Jeder Mensch hat eine persönliche Toleranzgrenze. Wer sie kennt und beachtet, kann Schokolade meist entspannter genießen. Ein paar Stückchen dunkle Schokolade sind etwas anderes als eine ganze Tafel am Abend.
Eis
Zum Glück ist der Sommer vorbei, und mit ihm für eine Weile auch das Problem mit Eis. Der sogenannte „Hirnfrost“ ist ein kurzer, stechender Schmerz, der entsteht, wenn sehr Kaltes den Gaumen berührt und sich die Blutgefäße schnell zusammenziehen und wieder weiten. Eine Untersuchung, die im British Medical Journal erschienen ist, zeigte, dass dieser Schmerz vor allem beim schnellen Essen auftritt. Die gute Nachricht: Er vergeht meist nach wenigen Sekunden. Essen Sie kalte Speisen und Getränke daher langsam und lassen Sie sie kurz im vorderen Mundbereich, bevor Sie schlucken. Menschen mit Migräne scheinen laut Beobachtungen etwas empfindlicher auf Kältereize zu reagieren.
Bananen
Ja, auch Bananen enthalten Tyramin. Der größte Teil steckt allerdings in der Schale, die wir ohnehin nicht essen. Das Fruchtfleisch enthält vergleichsweise wenig, bei sehr reifen, bereits braun gefleckten Bananen kann der Gehalt jedoch steigen. Wer empfindlich reagiert, greift besser zu nicht überreifen Früchten. Mehr dazu, wer vorsichtig sein sollte, lesen Sie im Artikel Wer sollte keine Bananen essen?. Für die meisten Menschen bleibt die Banane aber ein wertvoller Snack.
Trockenobst
Trockenobst ist in den Wintermonaten eine beliebte Quelle für Ballaststoffe und Mineralstoffe, bei manchen Sorten ist jedoch etwas Aufmerksamkeit gefragt. Viele Trockenfrüchte werden geschwefelt, damit sie ihre Farbe behalten und länger haltbar sind. Die dabei verwendeten Sulfite können bei empfindlichen Menschen Unwohlsein hervorrufen, das sich in Kopfschmerzen und seltener in Übelkeit äußern kann. Besonders häufig geschwefelt werden Aprikosen, aber auch Pflaumen, Feigen und Rosinen können Sulfite enthalten. Ein Blick auf die Verpackung hilft: Der Hinweis „geschwefelt“ oder die Zusatzstoffe E 220 bis E 228 verraten Sulfite. Ungeschwefelte Aprikosen erkennen Sie übrigens an ihrer dunkelbraunen Farbe. Wie schnell sich auch gesunde Snacks summieren können, zeigt der Beitrag Auch gesunde Zutaten können zu Gewichtszunahme führen.
Weitere mögliche Auslöser auf dem Teller
Neben diesen fünf Lebensmitteln berichten manche Menschen auch nach fettigen Mahlzeiten über einen schweren Kopf. Mehr dazu lesen Sie im Artikel Bekommen auch Sie Kopfschmerzen nach dem Verzehr von frittiertem Essen?. Ebenso spielen ausgelassene Mahlzeiten und zu wenig Flüssigkeit eine Rolle. Und wenn das Wetter umschlägt, kann eine bewusste Ernährung helfen, wie wir im Beitrag Wenn das Wetter kippt: 5 Lebensmittel, die den Körper beim Übergang von Sommerhitze zu Herbstkälte unterstützen können zeigen.
Praktische Tipps für den Alltag
- Ernährungstagebuch führen: Notieren Sie einige Wochen lang, was Sie essen und wann Kopfschmerzen auftreten. So lassen sich persönliche Muster erkennen.
- Auf die Menge achten: Oft ist nicht das Lebensmittel selbst, sondern die Menge entscheidend.
- Frische Produkte bevorzugen: Frischkäse statt alter Hartkäse, nicht überreife Bananen, ungeschwefeltes Trockenobst.
- Regelmäßig essen und trinken: Lange Pausen und Flüssigkeitsmangel gehören zu den häufigsten Begleitern von Kopfschmerzen.
- Nicht pauschal verzichten: Streichen Sie Lebensmittel nur dann, wenn Sie bei sich einen klaren Zusammenhang beobachten.

























