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Ahornsirup und Natron: Was hinter der viel geteilten Hausmittel-Kombination wirklich stecktAhornsirup und Natron: Was hinter der viel geteilten Hausmittel-Kombination wirklich stecktAhornsirup und Natron: Was hinter der viel geteilten Hausmittel-Kombination wirklich stecktAhornsirup und Natron: Was hinter der viel geteilten Hausmittel-Kombination wirklich stecktAhornsirup und Natron: Was hinter der viel geteilten Hausmittel-Kombination wirklich steckt


Datum: 24. OKT 26 - GUT ZU WISSEN
Ahornsirup und Natron: Was hinter der viel geteilten Hausmittel-Kombination wirklich steckt
Ahornsirup liefert neben Zucker auch Mangan, Riboflavin und spannende Pflanzenstoffe – doch die im Netz verbreitete Mischung mit Natron ist kein Heilmittel ...

Zwei Zutaten aus der Speisekammer, ein Topf, zehn Minuten auf dem Herd – und angeblich ein „Trojanisches Pferd“, das Krebszellen von innen zerstört. Kaum ein Hausrezept wird in sozialen Netzwerken so hartnäckig geteilt wie die Mischung aus Ahornsirup und Natron. Die Geschichte klingt verführerisch einfach. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Denn hinter dem Rezept steckt ein Mann, dessen Name eng mit Gerichtsverfahren verbunden ist.



Der Mann hinter dem Mythos



Die Idee, Natron könne Tumoren „auswaschen“, geht vor allem auf den italienischen Mediziner Tullio Simoncini zurück. Er vertrat die These, Krebs sei im Kern eine Pilzerkrankung, die sich mit hohen Dosen Natriumhydrogencarbonat behandeln lasse – eine Annahme, die von der Fachwelt mangels belastbarer Studien abgelehnt wird. Wie das Rechercheteam von CORRECTIV berichtet, wurde Simoncini bereits 2003 aus der italienischen Ärztekammer ausgeschlossen und 2006 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem Patienten nach seiner Behandlung verstorben waren. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete 2015 über ein weiteres Verfahren: Ein junger Patient war in einer Klinik in Albanien gestorben, als Todesursache wurde eine sogenannte metabolische Alkalose festgestellt – eine gefährliche Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts. Simoncini ist 2024 verstorben, seine Theorie kursiert jedoch weiter.



Viele Leserinnen und Leser kennen die Situation: Ein Familienmitglied erhält eine schwere Diagnose, und plötzlich teilt jemand im Bekanntenkreis genau dieses Rezept – gut gemeint, voller Hoffnung. Umso wichtiger ist es, Fakten von Wunschdenken zu trennen. Und die gute Nachricht: Ahornsirup hat durchaus Interessantes zu bieten – nur eben nicht das, was ihm im Netz nachgesagt wird.



Was steckt wirklich im Ahornsirup?



Wussten Sie, dass Ahornsirup Pflanzenstoffe enthält, wie man sie auch aus Beeren und grünem Tee kennt? Obwohl echter Ahornsirup zu etwa 66 bis 67 Prozent aus Zucker besteht, ordnen ihn viele eher in die Nähe von Honig als von Haushaltszucker ein. Ein Forschungsteam um den Pharmakognosten Navindra Seeram an der University of Rhode Island identifizierte im Jahr 2011 insgesamt 54 Verbindungen in reinem kanadischem Ahornsirup, viele davon mit antioxidativen Eigenschaften. Fünf davon waren in der Natur bis dahin unbekannt – darunter das sogenannte Quebecol, das erst beim Einkochen des Ahornsafts entsteht. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Chemical Society vorgestellt, wie das Fachmagazin Food in Canada berichtete.



Zur Einordnung gehört allerdings auch: Die Untersuchungen fanden im Labor statt, nicht am Menschen, und sie wurden vom Verband der Ahornsirup-Produzenten aus Qu{-15447}bec (Producteurs et productrices ac{-15447}ricoles du Qu{-15447}bec) mitfinanziert. Der Forscher selbst räumte ein, dass noch offen ist, ob diese Stoffe in den üblichen Verzehrmengen eine spürbare Wirkung entfalten. Mehr zur Geschichte und Herkunft des „flüssigen Goldes“ lesen Sie in unserem Beitrag Sirup, welcher den Zucker vor Scham erröten lässt.



Ahornsirup ist im Grunde dennoch ein flüssiges Süßungsmittel mit viel Kohlenhydraten – genießen Sie ihn also maßvoll. Hauptbestandteile sind Saccharose und Wasser, in kleineren Mengen auch Glukose und Fruktose. Laut der Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA FoodData Central) liefern 100 Gramm Ahornsirup rund 260 Kilokalorien, nur Spuren von Eiweiß (etwa 0,04 Gramm) und Fett (etwa 0,06 Gramm) sowie rund 67 Gramm Kohlenhydrate. Ballaststoffe enthält er praktisch keine – auch wenn manche Quellen anderes behaupten. Dass er pro 100 Gramm weniger Kalorien hat als Zucker, liegt übrigens vor allem am Wassergehalt, wie das Verbraucherportal Utopia erklärt.



Mineralstoffe: der eigentliche Pluspunkt



Ahornsirup enthält vergleichsweise viel Mangan und Zink, im Vergleich zu Honig dagegen deutlich weniger Natrium. Bereits ein Esslöffel (etwa 20 Gramm) deckt einen beachtlichen Teil des Tagesbedarfs an Mangan. Mangan trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress und zu einem normalen Energiestoffwechsel bei, Zink zu einer normalen Funktion des Immunsystems. Unter den Vitaminen sticht vor allem Riboflavin (Vitamin B2) hervor, daneben finden sich kleinere Mengen an Niacin und Vitamin B6. Vitamin B6 ist am Stoffwechsel von Eiweiß und Aminosäuren beteiligt und ermöglicht unter anderem die Umwandlung einer Aminosäure in eine andere.



Ehrlich betrachtet gilt aber: Wer seinen Bedarf an Mineralstoffen über Sirup decken wollte, müsste weit mehr Zucker essen als empfohlen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, freie Zucker – dazu zählen ausdrücklich auch Sirupe und Honig – auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Das entspricht für Erwachsene etwa 50 Gramm am Tag; die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat sich dieser Empfehlung angeschlossen, wie auch die österreichische AGES zusammenfasst.



Ahornsirup und Natron als Heilmittel? Ein ehrlicher Faktencheck



Im Netz heißt es, die Kombination aus Ahornsirup und Natron (gerne mit dem Zusatz „medizinisch, ohne Aluminium“ – reines Natron enthält ohnehin kein Aluminium) sei ein äußerst starkes Heilmittel. Natron mache den Körper „basisch“, und Krebszellen könnten in einem solchen Milieu nicht überleben. Der Sirup diene dabei als Transportmittel, weil Tumorzellen Zucker besonders gierig aufnehmen. Was ist dran?



Das Körnchen Wahrheit: Bereits in den 1920er-Jahren beobachtete der spätere Nobelpreisträger Otto Warburg, dass Krebszellen Traubenzucker anders verstoffwechseln als gesunde Zellen. In ihrer unmittelbaren Umgebung entsteht dadurch ein saures Milieu. Eine viel beachtete Studie im Fachjournal Cancer Research (Robey und Kollegen, 2009) zeigte, dass Natron im Trinkwasser bei Mäusen den pH-Wert rund um Tumoren leicht anhob und die Bildung bestimmter Tochtergeschwülste verringerte. Das Wachstum der ursprünglichen Tumoren wurde dabei jedoch nicht beeinflusst.



Was daraus nicht folgt: Eine spätere Modellrechnung im British Journal of Cancer (Martin und Kollegen) kam zu dem Ergebnis, dass Natron beim Menschen – besonders bei aggressiveren Krebsformen – nur begrenzt wirksam wäre, weil die nötigen Mengen kaum verträglich sind. Die britische Krebsforschungsorganisation Cancer Research UK stellt laut dem Faktencheck-Portal Full Fact fest, dass keine veröffentlichten klinischen Studien zu Natron als Krebsbehandlung bekannt sind. Und auch die Idee vom „Trojanischen Pferd“ hält nicht: Der Körper kann nicht steuern, dass Zucker nur in Tumorzellen landet – er verteilt Glukose an alle Zellen.



Und das „Entsäuern“? Der pH-Wert des Blutes wird von Lunge, Nieren und körpereigenen Puffersystemen in engen Grenzen gehalten. Eine ernährungsbedingte Übersäuerung gibt es bei gesunden Menschen nicht, wie die Gesundheitskasse AOK erklärt. Weitere verbreitete Irrtümer rund um Zucker und Krebs haben wir in unserem Beitrag Wenn die Medizin schweigt: 5 Krebs-Mythen im Faktencheck zusammengetragen.



Wer selbst oder im Familienkreis mit einer Krebserkrankung konfrontiert ist, findet verlässliche, kostenlose Auskunft beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bitte besprechen Sie jede ergänzende Maßnahme mit dem behandelnden Ärzteteam – auch scheinbar harmlose Hausmittel können Therapien beeinträchtigen.



Wann Natron Vorsicht verlangt



Natron ist kein Gift, aber auch kein Nahrungsergänzungsmittel für jeden Tag. Als Hausmittel wird es mitunter kurzfristig bei gelegentlichem Sodbrennen eingesetzt, weil es Magensäure neutralisiert. Bei längerer Anwendung kann der Magen jedoch mit vermehrter Säureproduktion reagieren. Zudem liefert Natron reichlich Natrium. Menschen mit Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen sowie Schwangere sollten Natron nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, wie unter anderem gesundheit.de betont. In sehr hohen Mengen kann es das Säure-Basen-Gleichgewicht gefährlich verschieben.



Wo die beiden wirklich glänzen: in der Küche



Ahornsirup und Natron sind tatsächlich ein bewährtes Paar – allerdings beim Backen und Naschen. Natron lockert Teige, sobald es auf eine saure oder zuckerhaltige, stark erhitzte Masse trifft. Ein schönes Beispiel ist hausgemachtes Ahorn-Wabenkaramell:




  • 200 ml reinen Ahornsirup in einem hohen Topf auf etwa 150 {-15696}C erhitzen (am besten mit Zuckerthermometer).

  • Den Topf vom Herd nehmen und zügig einen gestrichenen Teelöffel Natron einrühren – die Masse schäumt kräftig auf.

  • Sofort auf ein mit Backpapier belegtes Blech gießen, vollständig abkühlen lassen und in Stücke brechen.



Das Ergebnis ist eine luftig-knusprige Nascherei für besondere Anlässe – kein Gesundheitsmittel, aber ein Genuss, bei dem Sie genau wissen, was drin ist. Achten Sie beim Einkauf auf die Zutatenliste: Echter Ahornsirup besteht ausschließlich aus eingekochtem Ahornsaft, günstige Produkte mit „Ahorn-Aroma“ sind oft nur aromatisierter Zuckersirup.



Gut durch die kühle Jahreszeit – ohne Wundermittel



Gerade an kalten Herbsttagen wünschen sich viele etwas, das die Abwehrkräfte unterstützt. Ein Löffel Ahornsirup im Tee oder über dem Haferbrei darf durchaus dazugehören. Die eigentliche Arbeit leistet aber eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkorn, ergänzt durch Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf. Anregungen finden Sie in unseren Beiträgen Paprika, Pflaumen und Spinat für den Herbststart, Olivenöl und Walnüsse: Natürlicher Schutz für das Immunsystem, Lebensmittel, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken sowie Milch, Honig, Spinat und Apfel: Vier Lebensmittel aus der eigenen Küche, die seit Jahren im Mittelpunkt der Ernährungsforschung stehen.



Fazit



Ahornsirup ist ein aromatisches Süßungsmittel mit mehr Mineralstoffen und Pflanzenstoffen als Haushaltszucker – und bleibt trotzdem Zucker, der in Maßen genossen werden sollte. Natron ist ein nützlicher Küchenhelfer und kurzfristiges Hausmittel. Gemeinsam ergeben sie ein köstliches Karamell, aber kein Heilmittel. Wer seinem Körper Gutes tun möchte, setzt auf eine ausgewogene Ernährung, einen bewussten Umgang mit Süßem und bei gesundheitlichen Fragen auf fachkundigen Rat.


 
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Februar 2015
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