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Kaffee, Saft und Milchprodukte bei Erkältung: Diese Alltagsgewohnheiten könnten Ihre Genesung ausbremsenKaffee, Saft und Milchprodukte bei Erkältung: Diese Alltagsgewohnheiten könnten Ihre Genesung ausbremsenKaffee, Saft und Milchprodukte bei Erkältung: Diese Alltagsgewohnheiten könnten Ihre Genesung ausbremsenKaffee, Saft und Milchprodukte bei Erkältung: Diese Alltagsgewohnheiten könnten Ihre Genesung ausbremsenKaffee, Saft und Milchprodukte bei Erkältung: Diese Alltagsgewohnheiten könnten Ihre Genesung ausbremsen


Datum: 13. SEP 26 - GUT ZU WISSEN
Kaffee, Saft und Milchprodukte bei Erkältung: Diese Alltagsgewohnheiten könnten Ihre Genesung ausbremsen
Ein heißer Kaffee am Morgen, ein Glas Orangensaft zwischendurch, vielleicht ein Löffel Essiggurken zum Abendbrot: Bei einer Erkältung greifen viele instinktiv zu vertrauten Gewohnheiten ...

Der Hals kratzt, die Nase läuft, und aus einem entspannten Feierabend wird eine Nacht auf dem Sofa. Bei einer Erkältung greifen die meisten Menschen zu Altbekanntem: Kaffee für die nötige Energie, ein Glas Saft für die Vitamine, vielleicht ein Glas Milch mit Honig vor dem Schlafengehen. Was aber, wenn ausgerechnet einige dieser Gewohnheiten die Erkältung länger hinauszögern könnten, als eigentlich nötig wäre?



Uns erreichen immer wieder Zuschriften von Leserinnen und Lesern mit ähnlichen Beobachtungen. Eine Leserin aus Österreich schrieb uns kürzlich, dass sie während einer besonders hartnäckigen Erkältung wie gewohnt weiter ihren morgendlichen Kaffee und ein großes Glas Orangensaft getrunken habe – und sich hinterher fragte, ob genau das ihre Erkältung länger andauern ließ als sonst üblich. Ein Einzelfall lässt zwar keine allgemeingültigen Schlüsse zu, doch solche Erfahrungen häufen sich in den Rückmeldungen, die uns erreichen, und sie waren für uns Anlass, einmal genauer hinzuschauen, was an den gängigen Ernährungsregeln bei Erkältung tatsächlich dran ist.



Auch wenn viele glauben, genau zu wissen, wie man eine Erkältung übersteht, lohnt sich bei einigen Gewohnheiten ein zweiter Blick. Hier sind sechs Klassiker – und was die Forschung dazu tatsächlich sagt.



1. Fruchtsäfte aus dem Supermarkt


Gekaufte Fruchtsäfte enthalten oft überraschend viel Zucker – ein Glas kann schnell mehrere Stück Würfelzucker enthalten. Ältere, im Fachjournal Infection and Immunity veröffentlichte Untersuchungen, deuten darauf hin, dass hohe Zuckermengen im Blut die Fresstätigkeit bestimmter weißer Blutkörperchen (Neutrophile) vorübergehend verringern können. Wichtig ist allerdings die Einordnung: Neuere Bewertungen dieser jahrzehntealten Daten relativieren den Zusammenhang deutlich – so wird in einer aktuellen Neubewertung dieser klassischen Studien darauf hingewiesen, dass bislang keine Untersuchung belegt, dass ein hoher Zuckerkonsum tatsächlich zu häufigeren oder längeren Erkältungen führt. Unabhängig davon lohnt sich ein Blick auf den tatsächlichen Zuckergehalt mancher als "gesund" geltender Getränke – wie hoch dieser bei einem beliebten Fruchtsaft ausfallen kann, zeigt unser Beitrag Was passiert, wenn Sie jeden Tag einen halben Liter Orangensaft trinken?



2. Frittierte Speisen


Frittiertes ist auch im gesunden Zustand keine gute Wahl – und das gilt erst recht, wenn der Körper gerade mit einem Infekt beschäftigt ist. Frittierte Lebensmittel enthalten häufig größere Mengen gesättigter Fettsäuren und Transfette, die die Verdauung zusätzlich belasten können. Eine im Fachjournal Heart veröffentlichte Metaanalyse mehrerer Studien bringt einen regelmäßigen, hohen Konsum frittierter Speisen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Manche Fachleute diskutieren zudem, ob bestimmte beim Frittierprozess entstehende Stoffe langfristig eine Rolle für die Gesundheit spielen könnten – eindeutige, allgemein anerkannte Belege für einen direkten Zusammenhang mit Krebserkrankungen beim Menschen stehen bislang jedoch aus. Wer öfter zur Fritteuse greift, kann in unserem Artikel Warum sorgt ein Hamburger dafür, dass wir früher ins Bett gehen? nachlesen, wie stark Fett- und Kohlenhydratkombinationen den Körper fordern können, und in Bekommen auch Sie Kopfschmerzen nach dem Verzehr von frittiertem Essen?, welche weiteren Beschwerden manche Menschen damit in Verbindung bringen.



3. Kaffee


Lange galt Kaffee bei Erkältung als Tabu, weil Koffein als starkes Diuretikum gilt, das dem Körper zusätzlich Flüssigkeit entziehen soll – und gerade im Krankheitsfall ist ausreichendes Trinken wichtig, damit sich die Schleimhäute regenerieren können. Neuere Forschung relativiert diese Sorge allerdings deutlich: Eine Einschätzung der Mayo Clinic sowie eine in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie kommen zu dem Schluss, dass moderater Kaffeekonsum bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, in der Regel nicht zu einer nennenswerten Dehydrierung führt, da die im Getränk enthaltene Flüssigkeit den leicht harntreibenden Effekt des Koffeins meist ausgleicht. Das bedeutet nicht automatisch, dass Kaffee während einer Erkältung ideal ist: Zu viel Koffein, besonders am Nachmittag oder Abend, kann den erholsamen Schlaf stören, der für die Genesung eine wichtige Rolle spielt. Mehr zum Zusammenhang zwischen Koffein, Alkohol und Flüssigkeitshaushalt lesen Sie in unserem Beitrag Trockener Mund: Durstzeichen oder Warnung vor größeren Problemen?



4. Eingelegtes Gemüse


Essiggurken, eingelegte Paprika oder Perlzwiebeln gehören für viele zum Kühlschrank-Standard. Ihr hoher Säure- und Salzgehalt kann bei einigen Menschen, deren Rachenschleimhaut durch die Erkältung bereits gereizt ist, ein unangenehmes Gefühl beim Schlucken auslösen – belastbare Studien, die eingelegtes Gemüse allgemein mit einer verlängerten Erkältungsdauer in Verbindung bringen, gibt es jedoch nicht. Ernährungsphysiologisch bringen Essiggurken sogar einiges mit, wie unser Beitrag Warum man jeden Tag Essiggurken essen sollte zeigt. Wer sich während einer Erkältung unwohl damit fühlt, kann natürlich trotzdem eine Pause einlegen und stattdessen zu frisch gepressten Zitrusfrüchten greifen. Zum viel zitierten Vitamin-C-Effekt bei Erkältungen lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Studienlage: Ein Cochrane-Review von Hemilä und Chalker kommt zu dem Ergebnis, dass eine regelmäßige Vitamin-C-Einnahme in der Allgemeinbevölkerung Erkältungen nicht zuverlässig verhindert, die Dauer der Beschwerden im Schnitt aber etwas verkürzen kann. Ein Glas frisch gepresster Orangensaft ist also weniger ein Wundermittel als ein angenehmer, vitaminreicher Beitrag zur ohnehin wichtigen Flüssigkeitszufuhr.



5. Alkohol


Beim Alkohol ist die Studienlage eindeutiger. Eine im Fachjournal Alcohol Research & Health veröffentlichte Übersichtsarbeit beschreibt, wie Alkohol verschiedene Bereiche des Immunsystems beeinträchtigen kann – von der Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen bis hin zur allgemeinen Infektabwehr. Zusätzlich wirkt Alkohol harntreibend und kann so den ohnehin erhöhten Flüssigkeitsbedarf während einer Erkältung erschweren. Wer sich krank fühlt, ist daher gut beraten, in dieser Zeit eher auf alkoholfreie, warme Getränke umzusteigen, statt auf vermeintlich wärmende Hausmittel wie heißen Grog zu setzen.



6. Milchprodukte


Milch und Milchprodukte liefern hochwertiges Eiweiß, Calcium und Vitamin D – das ist unbestritten wichtig für ein funktionierendes Immunsystem. Die weit verbreitete Annahme, Milchprodukte würden gleichzeitig die Schleimproduktion anregen und Husten verschlimmern, hält einer genaueren Prüfung allerdings kaum stand. Eine umfassende, im Fachjournal Archives of Disease in Childhood veröffentlichte Übersichtsarbeit von Ian Balfour-Lynn fasst Studien seit 1948 zusammen und kommt zu dem Schluss, dass es keine belastbaren Belege dafür gibt, dass Milch die Schleimproduktion in den Atemwegen erhöht. Das leicht "pelzige" Gefühl im Mund nach dem Milchtrinken lässt sich demnach eher durch die cremige Textur der Milch erklären als durch eine tatsächlich vermehrte Schleimbildung. Wer Milchprodukte gut verträgt, muss also während einer Erkältung nicht zwangsläufig darauf verzichten – mehr zu den Eigenschaften dieses vielseitigen Lebensmittels lesen Sie in unserem Beitrag Die einzigartige Milch.



Fazit


Nicht jede altbekannte Erkältungsregel hält der wissenschaftlichen Prüfung stand – manche Gewohnheiten, wie ein hoher Alkoholkonsum, belasten das Immunsystem nachweislich, während andere, wie der Verzicht auf Milch oder moderaten Kaffee, eher auf Mythen als auf handfesten Studien beruhen. Am wichtigsten bleibt during einer Erkältung ohnehin das Naheliegende: ausreichend trinken, ausreichend schlafen und dem eigenen Körper die nötige Ruhe gönnen.


 
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Februar 2015
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