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Vitamine allein retten Ihren Winter nicht: Was steckt sonst noch im Rezept für Gesundheit?Vitamine allein retten Ihren Winter nicht: Was steckt sonst noch im Rezept für Gesundheit?Vitamine allein retten Ihren Winter nicht: Was steckt sonst noch im Rezept für Gesundheit?Vitamine allein retten Ihren Winter nicht: Was steckt sonst noch im Rezept für Gesundheit?Vitamine allein retten Ihren Winter nicht: Was steckt sonst noch im Rezept für Gesundheit?


Datum: 9. SEP 26 - GUT ZU WISSEN
Vitamine allein retten Ihren Winter nicht: Was steckt sonst noch im Rezept für Gesundheit?
Ausgewogene Ernährung, moderate Bewegung und ein ausgeglichenes Gemüt können das Wohlbefinden in der kalten Jahreszeit unterstützen – ganz ohne die richtige Hygiene bringt aber auch das beste Konzept wenig.

Millionen Menschen greifen jeden Herbst zur Vitamin-C-Brausetablette und fühlen sich danach sicher. Die unbequeme Wahrheit: Ein Pillenglas allein hat noch niemanden vor der nächsten Erkältung bewahrt. Wer wirklich gestärkt durch den Winter kommen möchte, braucht mehr als nur ein Vitamin – er braucht ein Zusammenspiel aus Ernährung, Bewegung, mentaler Balance und, oft unterschätzt, ganz banaler Hygiene.



Der berühmteste Vitamin-C-Fan der Geschichte


Kaum jemand hat den Mythos rund um Vitamin C so geprägt wie der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling. In den 1970er-Jahren veröffentlichte er sein Buch „Vitamin C and the Common Cold" und empfahl Tagesdosen von mindestens 1.000 Milligramm, um Erkältungen, Alterserscheinungen und sogar Krebs vorzubeugen. Pauling nahm im hohen Alter sogar bis zu 18 Gramm täglich zu sich und wurde 93 Jahre alt – für viele bis heute ein scheinbarer Beweis für die Wunderwirkung des Vitamins.


Die Forschung zeichnet allerdings ein differenzierteres Bild: Eine große Metaanalyse mit rund 11.000 Teilnehmenden, an der unter anderem der finnische Vitamin-C-Forscher Harri Hemilä von der Universität Helsinki beteiligt war, kam zu dem Ergebnis, dass zusätzliches Vitamin C bei der Allgemeinbevölkerung weder Erkältungen verhindert noch ihren Verlauf spürbar verkürzt – außer bei Personen unter extremer körperlicher Belastung, etwa Marathonläufern oder Polarforschern. Auch die Faktenbox der AOK bestätigt: Bei normaler körperlicher Belastung gibt es keinen belegten Nutzen der routinemäßigen Vitamin-C-Einnahme zur Erkältungsvorbeugung – lediglich bei hoher Belastung kann eine zusätzliche Einnahme von 0,25 bis 1 Gramm täglich über einige Wochen möglicherweise vorbeugend wirken.


Das bedeutet nicht, dass Vitamin C nutzlos ist – im Gegenteil, es bleibt ein wichtiger Baustein des Immunsystems. Es bedeutet nur: Die Vorstellung, allein mit einer Extraportion Vitamin C sicher durch den Winter zu kommen, hält der aktuellen Studienlage nicht stand.



Vitamine sind nur ein Teil des Puzzles


Vitamine sind bei Weitem nicht die einzige Zutat, die unser Körper für eine stabile Gesundheit braucht. Ebenso wichtig sind Mineralstoffe und – überraschend für viele – auch Fette, denn die Hälfte aller Vitamine ist fettlöslich und kann ohne ausreichend Fett in der Nahrung gar nicht richtig aufgenommen werden. Unter den Mineralstoffen spielen besonders Eisen und Magnesium eine zentrale Rolle für Energiehaushalt, Muskel- und Nervenfunktion.



Bewegung: Wenig hilft mehr als viel


Doch all das nützt wenig, wenn wir uns kaum bewegen. Wichtig dabei: Es geht nicht um Höchstleistung. Schon ein halbstündiger Spaziergang im Wald reicht als sinnvolles Maß – alles, was deutlich darüber hinausgeht, bringt für die reine Immunabwehr keinen zusätzlichen Nutzen. Genauso wie der Mensch im Grunde weniger Nahrung braucht, als viele annehmen, braucht er auch nicht extrem viel Bewegung, um gesund zu bleiben.



Der unterschätzte Faktor: der Kopf


Doch selbst Ernährung und Bewegung zusammen reichen nicht aus, um wirklich gut durch den Winter zu kommen. Die zweite Hälfte der Gesundheitsgleichung liegt in unserem Kopf – in Gedanken, Stresslevel, psychischer Belastung und nicht zuletzt im eigenen Umgang damit.


Der Zusammenhang zwischen Stress am Arbeitsplatz und Krankheitsanfälligkeit ist inzwischen gut dokumentiert. Eine Studie der Universität Göteborg, veröffentlicht im Scandinavian Journal of Primary Health Care, zeigte etwa, dass mangelnde Einflussnahme am Arbeitsplatz die Wahrscheinlichkeit einer mindestens zweiwöchigen Krankschreibung im Folgejahr um fast 75 Prozent erhöhte, während berufliche Konflikte das Risiko mehr als verdoppelten. Auch eine Untersuchung des Helmholtz Zentrums München fand bei chronisch belasteten Beschäftigten deutlich erhöhte Entzündungswerte im Blut – ein Hinweis darauf, dass sich der Körper unter psychischem Dauerdruck offenbar tatsächlich schwerer tut, gesund zu bleiben.


Heißt das im Umkehrschluss, dass Menschen, die sich abwechslungsreich ernähren, moderat aktiv und mit sich im Reinen sind, automatisch vor Erkältungen und Grippe geschützt sind?


Ganz klar: nein.



Der letzte, oft vergessene Baustein: Hygiene


Ohne persönliche Hygiene – und die Hygiene aller, mit denen man sich Türklinken, Tastaturen oder das Büro teilt – bleibt man nicht lange verschont. All die genannten Faktoren nützen wenig, wenn der Kollege am Nachbartisch rücksichtslos in die Raumluft niest und Erreger verteilt. Regelmäßiges Händewaschen und ein bewusster Umgang mit gemeinsam genutzten Oberflächen gehören deshalb ebenso zum „Rezept" für einen gesunden Winter wie Ernährung, Bewegung und mentale Balance.



Wie viel Vitamin C braucht man wirklich – und woher bekommt man es?


Der tägliche Vitamin-C-Bedarf lässt sich bereits über die normale Ernährung decken: Er steckt in rund 100 Gramm Brokkoli, 150 Gramm Kohl oder 200 Gramm Spinat. Auch zwei mittelgroße Orangen, zwei Kiwis am Tag reichen aus – ebenso wie Paprika, Petersilie, Tomaten oder sogar Bananen und Grünkohl liefern nennenswerte Mengen. Und ja: Erdbeeren enthalten mit rund 55 Milligramm pro 100 Gramm tatsächlich mehr Vitamin C als Zitronen (etwa 50 mg) – ein Detail, das selbst viele Ernährungsbewusste überrascht.


Wichtig zu wissen: Vitamin C ist empfindlich gegenüber Wärme, Licht und Sauerstoff und beginnt bereits bei Temperaturen über 10 Grad Celsius abzubauen. Lebensmittel mit hohem Vitamin-C-Gehalt sollten deshalb möglichst roh oder nur schonend erhitzt verzehrt werden.



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Februar 2015
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