Eine Handvoll Blumenkohlröschen, ein großzügiger Löffel Kurkuma, ein Schuss Olivenöl – mehr braucht dieses Gericht nicht. Und doch haben sich ausgerechnet mit dieser unscheinbaren Kombination schon Krebsforscher einer amerikanischen Universität beschäftigt. Was dabei herauskam, ist spannend, sollte aber richtig eingeordnet werden. Und das Beste daran: Das Rezept dazu passt in jede Alltagsküche.
Wie wichtig das Thema Prostata für Männer ist, hat der Schauspieler und Regisseur Ben Stiller eindrucksvoll gezeigt. Der Hollywoodstar machte 2016 öffentlich, dass bei ihm zwei Jahre zuvor Prostatakrebs festgestellt worden war – entdeckt durch einen Bluttest im Rahmen einer Routineuntersuchung, obwohl er keinerlei Beschwerden hatte. Nach der Behandlung galt er als krebsfrei und wirbt seither dafür, dass Männer frühzeitig mit ihrem Arzt über Vorsorge sprechen (Bericht von CBS News). Seine Geschichte erinnert daran: Keine Ernährung ersetzt die Vorsorgeuntersuchung – sie kann sie aber sinnvoll ergänzen.
Was die Forschung tatsächlich herausgefunden hat
Prostatakrebs ist eine sehr häufige Erkrankung bei Männern, daher wird in dieser Richtung intensiv geforscht. Zu einem interessanten Ergebnis kamen Wissenschaftler der Rutgers-Universität im US-Bundesstaat New Jersey. Sie untersuchten Curcumin, den gelben Hauptwirkstoff der Kurkuma, gemeinsam mit Phenethylisothiocyanat – einem natürlichen Stoff, der in Kreuzblütlern wie Brunnenkresse, Kohl, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Blumenkohl und Kohlrabi vorkommt (Zusammenfassung bei ScienceDaily).
In der im Fachjournal Cancer Research veröffentlichten Studie verlangsamten beide Stoffe einzeln das Wachstum menschlicher Prostatakrebszellen, die Mäusen eingepflanzt worden waren; in Kombination war die Wirkung noch deutlicher (Studie in der Datenbank PubMed). Eine Folgestudie derselben Forschergruppe, erschienen in der Zeitschrift Pharmaceutical Research, kam bei einem anderen Mausmodell zu ähnlich ermutigenden Ergebnissen (Volltext der Folgestudie).
Wichtig ist jedoch die Einordnung: Es handelt sich um Tierversuche, bei denen die Wirkstoffe teils gespritzt oder in hoch konzentrierter Form verabreicht wurden. Ob eine Mahlzeit aus Blumenkohl und Kurkuma beim Menschen eine vergleichbare Wirkung hat, ist bislang nicht belegt. Auch in Bezug auf andere Krebsarten, etwa Brustkrebs oder Leukämie, wird in Zell- und Tierversuchen geforscht – belastbare Ergebnisse am Menschen fehlen jedoch noch. Selbst die beteiligten Forscher betonten damals, dass klinische Studien nötig seien, bevor sich feste Schlüsse ziehen lassen.
Interessant ist trotzdem, dass am Ende solcher Untersuchungen immer häufiger ganz praktische Anregungen stehen – nämlich Rezepte, wie man Lebensmittel mit wertvollen Pflanzenstoffen schmackhaft zubereitet.
Kurkuma: das goldene Gewürz
Über Kurkuma haben wir auf Rundgesund.com schon mehrfach geschrieben, unter anderem im Beitrag Kurkuma ist nur dann ein Superfood, wenn man weiß, wie man sie richtig anwendet. Das Gewürz aus der Familie der Ingwergewächse wird seit Jahrhunderten in der indischen und chinesischen Heilkunde verwendet. Ihm wird nachgesagt, die Gallenproduktion anzuregen und damit die Verdauung zu unterstützen, wie etwa die Schweizer Krankenversicherung CSS beschreibt. Curcumin besitzt antioxidative Eigenschaften und wird in der Forschung wegen seiner möglichen entzündungshemmenden Wirkung untersucht.
Ein Haken: Curcumin wird vom Körper nur schlecht aufgenommen. Da es fettlöslich ist, empfiehlt es sich, Kurkuma immer mit etwas Öl zu verwenden. Eine Prise schwarzer Pfeffer kann die Aufnahme zusätzlich deutlich verbessern – eine oft zitierte Untersuchung in der Zeitschrift Planta Medica zeigte, dass der Pfefferinhaltsstoff Piperin die Verfügbarkeit von Curcumin im Blut stark erhöht (Studie bei PubMed). Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag 3 Zutaten, die gemeinsam die Welt verändern werden. Wer Kurkuma lieber trinkt, findet eine fruchtige Idee im Artikel Drei Zutaten, ein Smoothie: Warum Passionsfrucht, Banane und Kurkuma zusammen so gut harmonieren.
Als Gewürz in üblichen Mengen gilt Kurkuma als gut verträglich. Für den Lebensmittelfarbstoff Curcumin (E 100) hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine duldbare tägliche Aufnahmemenge festgelegt. Wer hochdosierte Kapseln einnehmen möchte, Gallensteine hat, schwanger ist oder blutverdünnende Medikamente nimmt, sollte dies vorher mit dem Arzt oder Apotheker besprechen.
Blumenkohl: unscheinbar, aber wertvoll
Ähnlich geschätzt wird auch Blumenkohl, wenn auch weniger auffällig. Er ist mild, gut bekömmlich, kalorienarm und liefert Vitamin C, Folat, Vitamin K und Ballaststoffe. Wie alle Kreuzblütler enthält er Glucosinolate, aus denen beim Zerkleinern und Kauen jene Isothiocyanate entstehen, für die sich die Forscher interessieren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt ohnehin, täglich reichlich und abwechslungsreich Gemüse zu essen – Kohlgemüse ist dafür eine preiswerte und regionale Wahl.
Übrigens: Gegart ist Kohlgemüse für viele Menschen bekömmlicher, und ein wenig Öl kann die Aufnahme mancher Begleitstoffe unterstützen. Warum das so ist, erklären wir im Beitrag Roh ist nicht immer besser: Warum Kochen manchen Lebensmitteln mehr Vitamine schenkt, statt weniger. Und welche Lebensmittel sich sonst noch gegenseitig ergänzen, lesen Sie in Diese Lebensmittel-Duos verdoppeln (oder vervierfachen!) die Nährstoffaufnahme Ihres Körpers.
Kombiniert man beides, entsteht ein Gericht, das nicht nur farbenfroh ist, sondern zwei Lebensmittel vereint, die in der Ernährungsforschung seit Jahren Aufmerksamkeit bekommen. Viele unserer Leserinnen und Leser berichten, dass selbst Familienmitglieder, die gekochten Blumenkohl sonst links liegen lassen, die goldgelbe, im Ofen geröstete Variante gern essen – sie schmeckt würzig, leicht nussig und ganz anders als der wässrige Blumenkohl aus Kindertagen.
Rezept: Blumenkohl mit Kurkuma aus dem Ofen
Für dieses Gericht benötigen Sie nur Blumenkohl, Kurkuma, etwas Salz und Olivenöl.
Heizen Sie den Ofen auf 180 Grad Celsius vor. Geben Sie den in kleine Röschen geschnittenen Blumenkohl in eine Schüssel und bestreuen Sie ihn mit Kurkuma und Salz. Vermischen Sie alles einfach mit der Hand, bis der Blumenkohl die Farbe der Kurkuma angenommen hat. Bei der Kurkuma müssen Sie nicht sparen – es sollte so viel sein, dass sie gut am Blumenkohl haftet und kaum etwas in der Schüssel zurückbleibt. Beträufeln Sie alles mit Olivenöl, geben Sie es in eine ofenfeste Form und decken Sie diese mit Folie ab.
Lassen Sie das Ganze 75 Minuten garen.
Noch ein paar Tipps:
- Die Form sollte groß genug sein, damit die Röschen nebeneinander und nicht übereinander liegen.
- Wer es knuspriger mag, nimmt die Folie für die letzten 15 Minuten ab.
- Eine Prise frisch gemahlener schwarzer Pfeffer passt geschmacklich hervorragend und verbessert die Aufnahme von Curcumin.
- Manche geben noch Lauch und weitere Gewürze wie Kreuzkümmel oder Knoblauch dazu – das ist Geschmackssache und schadet keineswegs.
- Tipp für Ihre Küche: Kurkuma färbt stark. Schneidebretter aus Kunststoff und helle Kleidung sollten Sie lieber schonen.

























