Vier Zutaten, die jede Küche hat: der Morgentrunk, auf den Freunde eines gesunden Lebensstils schwören
Honig, Zitronensaft, Apfelessig und Zimt – eine alte Hausmittel-Kombination, die schnell zubereitet ist und gut in eine ausgewogene Ernährung passen kann. Was die Forschung über die einzelnen Zutaten weiß, wo die Grenzen liegen und wie Sie den Trunk magenfreundlich und zahnschonend zubereiten.
Zwei Esslöffel Essig in ein Glas Wasser – und das freiwillig, jeden Morgen? Was nach Mutprobe klingt, gehört für viele Menschen längst zum festen Tagesritual. In einer bekannten japanischen Studie verloren Teilnehmende, die zwölf Wochen lang täglich verdünnten Essig tranken, im Durchschnitt etwas mehr Gewicht als die Vergleichsgruppe. Klingt spektakulär? Ganz so einfach ist es nicht – doch genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf diesen kleinen Küchentrunk aus vier Zutaten, die Sie mit großer Wahrscheinlichkeit schon jetzt zu Hause haben.
Was die Stars trinken – und was ein Selbstversuch zeigte
Saure Morgengetränke haben prominente Fürsprecher. Wie die Apotheken Umschau berichtet, sollen Weltstars wie Beyonc{-15447}, Jennifer Aniston und Gwyneth Paltrow auf ein Glas Zitronenwasser am Morgen schwören. Ein Kolumnist des Magazins wollte es genau wissen und wagte den Selbstversuch – erst mit Zitronenwasser, dann mit Apfelessig. Sein Fazit fiel ehrlich aus: Die Zutaten sind günstig und unbedenklich, ein Wundermittel sind sie aber nicht. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass hinter dem guten Aussehen von Prominenten meist auch persönliche Trainer, Ernährungsberater und Ärzte stehen.
Ähnliches hören wir von unseren Leserinnen und Lesern. Viele erzählen, dass ihnen das kleine Ritual vor allem dabei hilft, bewusster in den Tag zu starten: Wer morgens ein Glas mit Bedacht zubereitet, greift danach seltener zum gezuckerten Frühstücksgebäck und trinkt insgesamt mehr Wasser. Andere geben offen zu, dass ihnen der Geschmack anfangs zu sauer war – bis sie die Mischung stärker verdünnt haben. Genau das empfehlen wir übrigens auch.
Die vier Zutaten im Überblick
Für ein gesundes Getränk brauchen Sie eine gute Grundlage. Das ist in diesem Fall Honig, der dem Trunk eine milde Süße verleiht. Wenn Sie noch etwas Zitrone hinzufügen, erhalten Sie eine erfrischende Portion Vitamin C und einen Geschmack, der morgens richtig wach macht. Die Schlüsselzutat ist der Apfelessig, der in Studien mit einem sanfteren Blutzuckeranstieg nach dem Essen in Verbindung gebracht wurde. Zum Schluss fehlt nur noch der Zimt, der für ein warmes Aroma sorgt und reich an pflanzlichen Antioxidantien ist. Wenn Sie diese Zutaten im richtigen Verhältnis mischen, erhalten Sie ein Getränk, das erstaunlich gut schmeckt.
Honig: natürliche Süße, aber trotzdem Zucker
Honig enthält neben Zucker kleine Mengen an Enzymen, Mineralstoffen und Pflanzenstoffen. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane-Gemeinschaft kam zu dem Ergebnis, dass Honig Hustenbeschwerden bei Kindern womöglich etwas lindern kann. Trotzdem gilt: Ein Esslöffel liefert rund 17 Gramm Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, freie Zucker – dazu zählt auch Honig – auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen. Warum die Menge eine so große Rolle spielt, lesen Sie auch in unserem Beitrag Gefrorener Honig: gesunder Trend oder heimlicher Feind für Zähne und Blutzucker?
Zitrone: frisch, sauer und reich an Vitamin C
Zwei Esslöffel frisch gepresster Zitronensaft liefern etwa zehn bis fünfzehn Milligramm Vitamin C – ein schöner Beitrag, aber keine „Vitaminbombe“. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung liegt der Tagesbedarf bei Erwachsenen bei rund 95 bis 110 Milligramm. Wer zusätzlich Paprika, Beeren oder Kohl isst, ist gut versorgt. Wie gut Zitrone und Zimt zusammenpassen, zeigt unser Artikel Wissen Sie, was passiert, wenn Sie Zimt und Zitrone mischen?
Apfelessig: das am besten untersuchte Mitglied des Quartetts
Apfelessig entsteht, wenn Apfelwein mithilfe von Essigsäurebakterien vergoren wird. Interessant: Die Verbraucherorganisation Öko-Test stellte bei ihrer Untersuchung von 20 Apfelessigen fest, dass Apfelessig – anders als oft behauptet – kein Vitamin C liefert. Das Vitamin C in unserem Trunk stammt also aus der Zitrone.
Spannender ist die Essigsäure selbst. In einer kleinen Studie in der Fachzeitschrift Diabetes Care fiel der Blutzucker- und Insulinanstieg nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit milder aus, wenn die Teilnehmenden vorher verdünnten Essig tranken. Eine schwedische Untersuchung im European Journal of Clinical Nutrition beobachtete zudem ein etwas stärkeres Sättigungsgefühl nach Brot mit Essig. Und die eingangs erwähnte japanische Studie, veröffentlicht in Bioscience, Biotechnology, and Biochemistry, ergab nach zwölf Wochen eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von ein bis zwei Kilogramm im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Das klingt gut, doch die Studien waren klein und kurz. Das Nachrichtenportal t-online fasst zusammen, dass eine fettverbrennende Wirkung von Apfelessig wissenschaftlich nicht belegt ist. Apfelessig ist also ein möglicher kleiner Helfer – mehr nicht.
Zimt: aromatisch, aber auf die Sorte kommt es an
Zimt enthält zahlreiche Polyphenole, also pflanzliche Stoffe mit antioxidativer Wirkung. Eine viel zitierte Studie aus Diabetes Care deutete auf günstige Effekte bei Blutzucker und Blutfetten hin, spätere Untersuchungen kamen jedoch zu uneinheitlichen Ergebnissen. Wichtig ist vor allem die Wahl der Sorte: Der günstige Cassia-Zimt enthält deutlich mehr Cumarin, das in größeren Mengen die Leber belasten kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat dafür eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge festgelegt. Wer regelmäßig Zimt verwendet, greift deshalb besser zu Ceylon-Zimt. Woran Sie den Unterschied erkennen, erklärt unser Beitrag Schädlicher und gesunder Zimt.
Das Rezept
Gegenüber der traditionellen Variante haben wir die Mengen aus ernährungsfachlicher Sicht leicht angepasst: weniger Zimt, mehr Wasser. So bleibt der Geschmack angenehm, und Magen sowie Zähne werden geschont.
Zutaten:
- {-15683} Teelöffel Ceylon-Zimt (traditionell wird bis zu 1 Esslöffel verwendet – bei Cassia-Zimt raten wir davon ab)
- 2 Esslöffel naturtrüber Apfelessig
- 1 Teelöffel bis 1 Esslöffel Honig
- 2 Esslöffel frisch gepresster Zitronensaft
- 200 bis 250 ml warmes Wasser (traditionell nur 1 dl)
Zubereitung:
Verwenden Sie warmes, aber nicht kochendes Wasser – etwa so warm, dass Sie es angenehm trinken können. So löst sich der Honig leichter auf, und seine empfindlichen Inhaltsstoffe bleiben besser erhalten. Geben Sie zuerst Honig und Zimt in das Glas, gießen Sie etwas Wasser dazu und verrühren Sie alles, bis sich der Honig gelöst hat. Dann Zitronensaft, Apfelessig und das restliche Wasser hinzufügen und mindestens eine halbe Minute gut umrühren, damit sich die Zutaten verbinden. Zimt löst sich nicht vollständig auf – rühren Sie zwischendurch einfach noch einmal um.
Wann trinken? Trinken Sie den Trunk in kleinen Schlucken, am besten etwa 15 bis 20 Minuten vor einer Mahlzeit. Ideal ist die Zeit vor einer kohlenhydratreichen Mahlzeit, denn genau dafür gibt es die meisten Studienhinweise. Eine verwandte Variante mit Ingwer finden Sie in unserem Artikel Abtransport der Giftstoffe, Fettschmelzer und Blutdrucksenker.
Was der Trunk leisten kann – und was nicht
Rund um diese Mischung kursieren viele Versprechen. Als Ernährungsfachleute möchten wir sie einordnen:
- Verdauung und Sättigung: Ein warmes, säuerliches Getränk vor dem Essen kann den Appetit etwas zügeln und wird von vielen als angenehm verdauungsfördernd empfunden. Das passt zu den Studienhinweisen zum Sättigungsgefühl.
- Blutzucker: Essig kann den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit etwas abmildern. Ein Ersatz für ärztlich verordnete Behandlungen bei Diabetes ist er ausdrücklich nicht. Informationen bietet die Deutsche Diabetes Gesellschaft.
- Blutdruck: Die oft zitierte Behauptung, jeder Löffel Apfelessig senke den Blutdruck um einen festen Prozentsatz, lässt sich durch Studien am Menschen nicht belegen. Wer erhöhten Blutdruck hat, findet verlässliche Ratschläge bei der Deutschen Hochdruckliga.
- „Basische“ Wirkung: Der Körper hält den pH-Wert des Blutes selbst in sehr engen Grenzen. Ein Getränk kann ihn nicht spürbar verändern.
- Abnehmen: Sichtbare Ergebnisse „in wenigen Tagen“ sind unrealistisch. Der Trunk kann ein kleiner Baustein sein – entscheidend bleiben ausgewogene Mahlzeiten, Bewegung und Schlaf. Warum schwere Mahlzeiten uns zudem müde machen, lesen Sie in Warum sorgt ein Hamburger dafür, dass wir früher ins Bett gehen?
Honig und Zimt werden in der Volksheilkunde seit Generationen geschätzt. Eine Übersicht traditioneller Anwendungen finden Sie in unserem Beitrag Duo, das Wunder wirkt: Honig und Zimt – bitte lesen Sie solche überlieferten Hausmittel als Ergänzung, nicht als Ersatz für ärztlichen Rat.
So genießen Sie den Trunk sicher
- Zähne schützen: Säure greift den Zahnschmelz an. Trinken Sie den Trunk mit einem Strohhalm, spülen Sie danach den Mund mit Wasser aus und putzen Sie die Zähne erst nach etwa 30 Minuten.
- Immer verdünnen: Unverdünnter Essig kann Mund, Speiseröhre und Magen reizen. Bei empfindlichem Magen oder Sodbrennen lieber mit weniger Essig beginnen oder ganz verzichten.
- Zimt nie trocken schlucken: Trockenes Zimtpulver kann eingeatmet werden und die Atemwege reizen, wie Fachleute in der Zeitschrift Pediatrics beschrieben haben. Im Getränk verrührt ist das kein Problem.
- Kein Honig für Säuglinge: Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen.
- Medikamente beachten: Wer blutzuckersenkende Mittel, entwässernde Medikamente oder Herzmedikamente einnimmt, sollte regelmäßigen Essigkonsum vorher mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen. Dasselbe gilt in Schwangerschaft und Stillzeit.
Häufige Fragen
Kann ich den Trunk jeden Tag trinken?
Für gesunde Erwachsene ist ein Glas pro Tag in der angegebenen Verdünnung in der Regel gut verträglich. Hören Sie auf Ihren Körper und legen Sie Pausen ein, wenn der Magen empfindlich reagiert.
Kann ich den Honig weglassen?
Ja. Ohne Honig schmeckt der Trunk saurer, enthält aber kaum Zucker. Wer auf seinen Blutzucker achtet, beginnt am besten mit einem Teelöffel oder lässt ihn ganz weg.
Welcher Apfelessig ist der beste?
Naturtrüber Apfelessig schmeckt meist runder und fruchtiger. Gesundheitlich sind die Unterschiede zu klarem Apfelessig jedoch gering.
Warm oder kalt?
Beides ist möglich. Warm löst sich der Honig besser auf, kalt mit etwas Sprudelwasser wird daraus im Sommer eine erfrischende Limonade.
Fazit
Honig, Zitrone, Apfelessig und Zimt ergeben einen einfachen, günstigen und wohlschmeckenden Trunk, den Sie in einer Minute zubereitet haben. Er ist kein Wundermittel, kann aber ein angenehmes Ritual sein, das Sie daran erinnert, mehr zu trinken und bewusster zu essen. Mit Ceylon-Zimt, ausreichend Wasser und einem Strohhalm genießen Sie ihn auf die schonende Art.

























