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Datum: 14. SEP 26 - GUT ZU WISSEN
Kaffee macht nicht satt – aber der Blick auf den vollen Teller vielleicht schon
Mehrere Studien zeigen, dass Kaffee kaum Einfluss auf unseren Appetit hat. Interessanter ist jedoch, dass wir offenbar deutlich weniger essen, wenn wir eine ganze Mahlzeit auf einmal zu uns nehmen, als wenn sie uns portionsweise serviert wird.

Zwei Frühstückstische, zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse: Am einen steht von Anfang an alles bereit – Brötchen, Aufschnitt, Obst, Rührei. Am anderen wird Gang für Gang nachserviert. Genau das haben Forschende in kontrollierten Studien untersucht, und das Ergebnis überrascht: Nicht der Kaffee in der Tasse scheint den Unterschied zu machen, sondern das, was die Augen zuerst sehen.



Eine unserer Leserinnen berichtete uns kürzlich von einer ganz ähnlichen Beobachtung: Bei einem Frühstücksbuffet im Urlaub, bei dem sie sich gleich zu Beginn alles auf einen Teller lud, war sie nach der Hälfte bereits satt – an Tagen, an denen sie sich Portion für Portion nachholte, aß sie ihrem Gefühl nach spürbar mehr. Genau dieses Muster beschäftigt auch die Wissenschaft schon seit Jahren.



Was die Forschung zu Kaffee und Appetit sagt



Dass Kaffee den Hunger bremsen soll, hält sich hartnäckig als Alltagsmythos. Doch eine 2018 in der Fachzeitschrift Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics veröffentlichte Studie von Leah Panek-Shirley und ihrem Team von der University at Buffalo kam zu einem anderen Schluss: Testpersonen, die vor dem Frühstück Koffein erhielten, aßen zwar kurzzeitig etwas weniger – der Effekt verschwand jedoch im Laufe des Tages vollständig, und das subjektive Hungergefühl der Teilnehmenden veränderte sich durch das Koffein nicht messbar. Die Forschenden ziehen daraus den vorsichtigen Schluss, dass Kaffee sich nicht als verlässliches Mittel zur Appetitzügelung eignet – weder zum Abnehmen noch, um das Gegenteil zu befürchten.



Ähnliche Fragestellungen greift regelmäßig auch die Fachzeitschrift Appetite auf, die sich auf die psychologischen, sensorischen und physiologischen Einflüsse auf unser Essverhalten spezialisiert hat. Ein wiederkehrender Befund aus diesem Forschungsfeld: Es sind oft weniger die Inhaltsstoffe eines Getränks, die unser Sättigungsgefühl steuern, sondern äußere Reize wie Optik, Portionsgröße und die Art der Darreichung.



Der Blick auf den vollen Teller: Warum uns die Augen mitentscheiden lassen



Genau hier setzt der zweite, möglicherweise interessantere Aspekt an. Verschiedene unabhängige Untersuchungen deuten übereinstimmend darauf hin, dass die Art der Präsentation von Speisen einen spürbaren Unterschied machen kann. Eine Auswertung der Cochrane Collaboration, die Daten aus 61 Studien mit über 6.700 Teilnehmenden zusammenfasste, kam zu dem Ergebnis, dass allein die Größe und Sichtbarkeit von Portionen die aufgenommene Kalorienmenge um bis zu ein Viertel verändern kann.



Auch eine im Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie aus Südkorea fand einen vergleichbaren Zusammenhang: Wurde ein und dieselbe Mahlzeit als durchmischtes Ganzes serviert, aßen die Teilnehmenden spürbar mehr und schneller, als wenn dieselben Zutaten getrennt voneinander angerichtet wurden – ohne dass sich das Sättigungsgefühl im Nachhinein unterschied.



Berichten aus kleineren experimentellen Studien zufolge kann der Unterschied zwischen einer auf einmal sichtbaren Gesamtmahlzeit und einer nach und nach servierten Mahlzeit sogar noch deutlicher ausfallen – mit einer bis zu 40 Prozent geringeren Nahrungsaufnahme in der ersten Variante. Auch wenn sich solche Einzelergebnisse nicht ohne Weiteres verallgemeinern lassen, passt die Grundtendenz gut zum übrigen Bild der Forschung: Unser Gehirn scheint bereits beim ersten Anblick einer Mahlzeit eine Art Erwartungswert zu bilden, der das spätere Sättigungsgefühl mitprägt.



Was bedeutet das für den Alltag?



Wer abends weniger essen möchte, muss also möglicherweise gar nicht auf den Espresso danach verzichten – zumindest liefert die aktuelle Studienlage dafür keinen klaren Beleg. Stattdessen könnte es sich lohnen, öfter die gesamte geplante Mahlzeit auf einmal anzurichten, statt immer wieder nachzulegen. Das ersetzt natürlich keine individuelle Ernährungsberatung, kann aber ein einfacher, alltagstauglicher Denkanstoß sein.


 
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Februar 2015
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