Von der Wassertemperatur bis zum richtigen Moment für den Schluck – kleine Gewohnheiten rund ums Wassertrinken können einen spürbaren Unterschied machen. Wer diese sieben Punkte kennt, trinkt möglicherweise bewusster und wohltuender.
„Ich habe jahrelang eiskaltes Wasser direkt aus dem Kühlschrank getrunken, oft im Stehen, zwischen Tür und Angel“, erzählt eine Leserin, die ihre Erfahrung mit der Redaktion geteilt hat. „Erst als ich angefangen habe, mir bewusst Zeit zu nehmen und lauwarmes Wasser in kleinen Schlucken zu trinken, habe ich gemerkt, wie unangenehm sich das ständige Hastentrinken eigentlich angefühlt hatte.“ Genau solche Alltagserfahrungen zeigen: Wie wir trinken, kann genauso eine Rolle spielen wie wie viel wir trinken.
1. Im Sitzen trinken statt im Stehen
Ob Essen oder Trinken – beides fällt dem Körper im Sitzen leichter. Wer im Stehen trinkt, hat oft angespannte Bauchmuskeln, wodurch die Flüssigkeit nach gängiger Beobachtung nicht so „ankommt“, wie sie sollte. Ein bewusster Moment im Sitzen kann daher helfen, dem Trinken mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
2. In kleinen Schlucken trinken und dabei ruhig atmen
Wichtig ist, Wasser in kleinen Schlucken zu sich zu nehmen und dabei normal weiterzuatmen. Wird eine größere Menge in einem Zug „heruntergestürzt“, kann das für den Magen unangenehm sein – es kann zu einem Druckgefühl oder Krämpfen kommen, und auch die Verdauung der zuvor aufgenommenen Nahrung kann dadurch beeinträchtigt werden.
3. Zu viel Wasser auf einmal wird einfach wieder ausgeschieden
Trinkt man deutlich mehr, als der Körper gerade braucht, fließt der Überschuss recht zügig durch den Verdauungstrakt – man muss entsprechend häufiger die Toilette aufsuchen. Einen darüberhinausgehenden besonderen Zusatznutzen hat übermäßiges Trinken auf einmal in der Regel nicht, da der Körper überschüssige Flüssigkeit nicht „auf Vorrat“ speichert. Wie viel Flüssigkeit über den Tag verteilt insgesamt sinnvoll ist, hängt von Alter, Geschlecht, Aktivität und Klima ab; die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dazu allgemeine Referenzwerte veröffentlicht, die als grobe Orientierung dienen können – für eine individuell passende Menge lohnt sich im Zweifel das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Ernährungsfachmann.
4. Zimmerwarmes statt eiskaltes Wasser
Viele empfinden zimmerwarmes Wasser als angenehmer für den Körper als eiskaltes. Manche schwören sogar auf leicht warmes Wasser. Der Hintergrund: Sehr kaltes Wasser kann Stoffwechselvorgänge kurzfristig „bremsen“, während der Körper zunächst Energie aufwenden muss, um die Flüssigkeit auf Körpertemperatur zu bringen. Mehr zum Thema Wassertemperatur und Verdauung finden Sie im Beitrag „Wann man kaltes bzw. warmes Wasser trinken sollte“ auf Rundgesund.com.
5. Nicht direkt zur Mahlzeit trinken – aber ein Schluck zum Abschluss darf sein
Während des Essens größere Mengen Wasser zu trinken, gilt bei vielen Ernährungsratgebern als weniger günstig, da es die Magensäure verdünnen und das Sättigungsgefühl verfälschen kann. Ein oder zwei Schlucke am Ende der Mahlzeit werden dagegen meist als unproblematisch beschrieben. Eine in manchen Ernährungsratgebern – etwa aus dem Bereich der ayurvedischen Ernährungslehre – zitierte Faustregel lautet, den Magen zu etwa 50 % mit fester Nahrung, zu 25 % mit Flüssigkeit zu füllen und ein Viertel bewusst frei zu lassen. Wissenschaftlich streng belegt ist dieses genaue Verhältnis nicht, es kann aber als grobe Orientierungshilfe für ein Gefühl von Maß beim Essen dienen.
6. Trinken, wenn der Körper Durst signalisiert
Auf das eigene Durstgefühl zu hören, gilt allgemein als sinnvoller Ausgangspunkt für die Flüssigkeitszufuhr. Wer dagegen „auf Vorrat“, aus reiner Gewohnheit oder wegen einer Diät trinkt, kann mit der Zeit das natürliche Gespür für Durst verlieren – was unpraktisch werden kann, sobald gerade kein Wasser griffbereit ist. Gerade bei älteren Menschen ist das Durstempfinden ohnehin oft weniger zuverlässig, wie unter anderem die Mayo Clinic beschreibt. Praktische Tipps, wie man mehr über den Tag verteilt trinkt, finden Sie im Beitrag „7 Ratschläge, die es Ihnen erleichtern, die benötigte Wassermenge zu trinken“ auf Rundgesund.com.
7. Mehr trinken bei trockenem Mund oder dunklem Urin
Ein trockener Mund oder ein auffällig dunkel gefärbter Urin (sofern dies nicht auf bestimmte Lebensmittel zurückzuführen ist) können Hinweise darauf sein, dass der Körper mehr Flüssigkeit braucht. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, häufiger und bewusster zu trinken. Wer dagegen keine dieser Anzeichen bei sich bemerkt, sollte es mit der Flüssigkeitsmenge auch nicht übertreiben, um die Nieren nicht unnötig zu belasten. Ausführlicher wird das Thema trockener Mund im Beitrag „Trockener Mund: Durstzeichen oder Warnung vor größeren Problemen?“ auf Rundgesund.com behandelt.
Fazit
Keiner dieser sieben Punkte ist für sich genommen eine medizinische Vorschrift – zusammengenommen zeigen sie aber, dass die Art und Weise, wie wir trinken, mindestens so viel Beachtung verdient wie die reine Trinkmenge. Bei anhaltenden Beschwerden, chronischen Erkrankungen oder besonderem Flüssigkeitsbedarf (etwa in der Schwangerschaft, im Alter oder bei sportlicher Belastung) ist es immer ratsam, sich individuell von einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft beraten zu lassen.

























