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Natürliches Heilmittel gegen Krebs: Mythos oder Wahrheit?Natürliches Heilmittel gegen Krebs: Mythos oder Wahrheit?Natürliches Heilmittel gegen Krebs: Mythos oder Wahrheit?


Datum: 29. JUL 26 - GUT ZU WISSEN
Natürliches Heilmittel gegen Krebs: Mythos oder Wahrheit?
Einige natürliche Mittel unterstützen tatsächlich die Behandlung, aber Wundermittel gibt es nicht. Natron, Graviola und Aprikosenkerne können sogar gefährlich sein.

Es scheint, als suche jeder nach der geheimen Zutat, die die Krankheit besiegt – aber gibt es sie wirklich?

Was sagt die Wissenschaft?

Einige natürliche Mittel zeigen tatsächlich vielversprechende Ergebnisse. Häufig genannt werden Vitamin D, Curcumin (das ist der Hauptwirkstoff in Kurkuma, dem Gewürz, das wir für Suppen und Curry verwenden), Beta-Glucan (ein natürlicher Zucker, der in Pilzen und Hafer vorkommt), Fischöle und verschiedene Heilkräuter. Diese Stoffe werden von Wissenschaftlern vor allem als Unterstützung zur klassischen Behandlung erforscht, nicht als deren Ersatz.

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht 2023 in der Fachzeitschrift Nutrients, zeigte: Menschen mit einem höheren Vitamin-D-Spiegel im Blut zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose leben oft länger. Aber hier ist wichtig zu betonen: Es handelte sich um einen unterstützenden Effekt, nicht um Heilung. Die Wissenschaft unterscheidet klar zwischen „dem Körper helfen“ und „die Krankheit heilen“.

Ähnliches gilt für Curcumin, das im Labor (bei Zellversuchen) eine starke Wirkung auf die Verringerung von Entzündungen und das Wachstum von Krebszellen hat. Beim Menschen jedoch ist dieser Effekt viel schwächer, weil der Körper Curcumin schnell abbaut und nur wenig in den Blutkreislauf gelangt. Um Wirkung zu zeigen, müsste man Curcumin in spezieller Form zu sich nehmen – zum Beispiel mit schwarzem Pfeffer oder als Mikrokapseln. Aber auch hier gilt: Es ist kein Medikament, sondern ein Hilfsmittel.

Vorsicht vor Wundermitteln

Wenn man in Not ist, ist man verletzlich – und manche wissen das auszunutzen. Im Ausland, besonders in den USA, wurde deshalb ein Ausschuss gegen Scharlatanerie gegründet, der Menschen vor gefährlichen Betrugsmaschen warnt. Das sind die Geschichten, die man oft im Internet oder per E-Mail sieht. So etwas wie: „Pharmafirmen wollen nicht, dass du das weißt!“ oder „Diese Pflanze tötet Krebszellen in 48 Stunden!“

Diese Überschriften sind verlockend, aber haben keine wissenschaftliche Grundlage. Darüber hinaus können sie gefährlich sein. Unsere Eltern haben uns beigebracht: Nicht alles ist Gold, was glänzt. Das gilt besonders in Zeiten der Krankheit.

Schauen wir uns einige bekannte Beispiele an, wo alles zu weit ging.

Aprikosenkerne und die Gefahr namens Amygdalin

Amygdalin ist eine Substanz, die in den Kernen von Aprikosen, Pfirsichen und anderen Steinfrüchten vorkommt. Viele nennen sie auch Vitamin B17, dabei ist sie in Wahrheit gar kein Vitamin. Schon vor über 100 Jahren wurde Amygdalin in Russland als Krebsmittel beworben. Unter dem Namen Laetrile wurde der Stoff in den 1960er-Jahren populär. Die Idee war, dass sich Amygdalin im Körper in das giftige Cyanid verwandelt, das angeblich nur Krebszellen töten soll.

Das klingt logisch, bis man weiß, dass Cyanid auch für gesunde Zellen tödlich ist. Tatsächlich sind durch Amygdalin schon viele Vergiftungen dokumentiert worden. Eine solche Geschichte wurde 2023 in Case Reports in Emergency Medicine veröffentlicht. Sie handelte von einer 73-jährigen Frau mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie lehnte eine Chemotherapie ab und nahm täglich 1500 mg Amygdalin ein. Nach wenigen Tagen erlitt sie schwere Vergiftungserscheinungen: Übelkeit, Verwirrtheit, Schmerzen, Herzrasen... Erst ein Gegenmittel im Krankenhaus – eine hohe Dosis Vitamin B12 – konnte sie retten.

Auch wenn Aprikosenkerne ganz natürlich sind, ist nicht alles, was natürlich ist, auch sicher.

Graviola – tropische Frucht mit zwei Gesichtern

Graviola, die in Mittel- und Südamerika wächst, hat weiche grünliche Früchte und ist auch als Soursop (englisch für Graviola) bekannt. Im Internet wird sie oft als Pflanze gepriesen, die 12 Krebsarten tötet. Einige Studien im Labor haben gezeigt, dass sie bestimmte Stoffe enthält – Acetogenine und Alkaloide –, die Krebszellen beeinflussen können.

Aber die Forschung hat auch etwas anderes gezeigt: Diese Stoffe sind ebenfalls neurotoxisch, das heißt, sie können das Nervensystem schädigen. Eine Übersichtsstudie von 2017 (The Annals of the New York Academy of Sciences) warnte: Menschen, die regelmäßig Graviola einnahmen, entwickelten Symptome ähnlich denen der Parkinson-Krankheit.

Auch hier gilt: Etwas im Labor zu beobachten, heißt noch lange nicht, dass es auch Patienten hilft.

Natron – mehr Schaden als Nutzen

Eine der bizarreren Theorien, die sich seit Jahren im Internet hält, besagt: Krebs entstehe durch Übersäuerung des Körpers und könne durch „Alkalisierung“ – also mit Natron – geheilt werden. Die Theorie hat ihren Ursprung in der Arbeit des deutschen Forschers Otto Warburg, der untersuchte, wie sich Krebszellen ernähren.

Doch der Körper verfügt über ein sehr genaues System zur Regulierung des pH-Wertes, das sich nicht einfach mit ein paar Löffeln Natron „alkalisieren“ lässt. Nimmt man zu viel Natron ein, kann es zu einer metabolischen Alkalose kommen, einem gefährlichen Zustand, bei dem das Blut zu basisch wird. Dies kann zu Muskelkrämpfen, Verwirrtheit, Herzrhythmusstörungen und sogar Nierenversagen führen.

In der medizinischen Fachliteratur sind zahlreiche Krankenhausaufenthalte aufgrund von Selbstbehandlung mit Natron dokumentiert.

Warum glauben Menschen daran?

Wenn wir Hoffnung suchen, sind wir bereit, vieles zu glauben. Und weil das Internet voll von echten Erfahrungsberichten ist, verbreitet sich falsche Hoffnung rasch. Diese Geschichten beinhalten scheinbar seriöse Quellen, haben aber in Wirklichkeit keine wissenschaftliche Basis.

Oder sie werden nicht ganz erzählt...

Deshalb ist es wichtig, zwischen echter Hoffnung und leeren Versprechungen unterscheiden zu können.

Wie steht es mit Kräutern und Volksmedizin?

Es ist aber nicht alles schwarz-weiß. Die Volksmedizin bietet viel nützliches Wissen. Der Reishi-Pilz zum Beispiel gilt in Fernost seit Jahrtausenden als „Pilz der Unsterblichkeit“. Heute ist auch wissenschaftlich bestätigt, dass er das Immunsystem stärken kann.

Ähnliches gilt für die Astragaluswurzel, Knoblauch, Ingwer, Kamille und viele andere Pflanzen, die helfen können, Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit zu lindern.

Der entscheidende Unterschied: Sie werden als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine Behandlung eingesetzt.

Was raten Fachleute?

Experten empfehlen, vor der Anwendung jeglicher Präparate – auch der natürlichen – immer mit Arzt oder Apotheker zu sprechen. Manche Kräuter und Präparate können die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen, allergische Reaktionen auslösen oder sogar die Behandlung weniger wirksam machen.

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten außerdem nicht die gleichen strengen Kontrollen wie für Arzneimittel. Sie können von jedem, von überall verkauft werden, ohne dass Herkunft, Reinheit oder tatsächlicher Gehalt überprüft wird. Allein in der EU sind nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mehr als 30.000 verschiedene Nahrungsergänzungen im Umlauf – wissenschaftlich bewertet sind jedoch nur wenige.

Fazit

Ein Wundermittel gegen Krebs, das einfach, natürlich, billig und ohne Nebenwirkungen ist, gibt es (vorerst) nicht. Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich auf natürliche Weise zu unterstützen, und diese wirken als Ergänzung, nicht als Ersatz für die Behandlung. Dazu gehören gesunde Ernährung, Bewegung, guter Schlaf, emotionale Unterstützung und in manchen Fällen auch Kräuter, die seit Jahrhunderten bekannt sind.

Doch man sollte sehr vorsichtig sein, wenn jemand Lösungen anbietet, die zu gut erscheinen, um wahr zu sein. Vertrauen Sie auf geprüfte Informationen, sprechen Sie mit dem Arzt und lassen Sie sich nicht von denen täuschen, die Ihre Notlage zu ihrem Vorteil nutzen wollen.
 
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Februar 2015
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