Wenn man sich anschaut, was alles in Himbeeren enthalten ist, erscheint es fast unglaublich, dass diese Frucht zu den kalorienarmen Lebensmitteln zählt. In 100 Gramm frischer Himbeeren stecken nur etwa 52 Kalorien – das ist ungefähr so viel wie bei einer kleinen Banane, allerdings mit deutlich höherem Nährwert. Himbeeren bestehen nämlich zu 86 % aus Wasser, was bedeutet, dass sie den Körper hervorragend mit Flüssigkeit versorgen. Außerdem enthalten sie 6,5 Gramm Ballaststoffe, was fast ein Viertel der empfohlenen Tagesmenge ist.
Ballaststoffe sind es, die für eine geregelte Verdauung sorgen, die Darmflora stärken und den schlechten Cholesterinspiegel senken. Sie sind zudem sehr wichtig für die Herzgesundheit und die Regulierung des Blutzuckers, was besonders jene freuen wird, die auf ihren Blutzuckerspiegel achten oder Diabetes haben. Tatsächlich gelten Himbeeren wegen ihres niedrigen Kohlenhydratgehalts als eine der wenigen Obstsorten, die auch für Diabetiker sicher sind.
Warum ist die Himbeere eigentlich so gesund?
Himbeeren sind reich an Vitamin C, das in einer Menge von etwa 26 Milligramm pro 100 Gramm vorhanden ist, was rund 44 % der empfohlenen Tagesdosis entspricht. Vitamin C ist unerlässlich für ein starkes Immunsystem, schönere Haut, schnelle Wundheilung und als Schutz vor freien Radikalen – das sind instabile Moleküle, die Alterungsprozesse und Krankheiten verursachen.
Aber das ist noch nicht alles. In Himbeeren finden sich auch andere Vitamine wie die B-Gruppe (wichtig für das Nervensystem und die Energie), Vitamin E (ein wichtiger Antioxidant für Haut und Herz) und Vitamin K, das eine Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Zu den enthaltenen Mineralstoffen gehören Kalium, das zu einem gesunden Herzen beiträgt, sowie Magnesium, Eisen, Zink und Kalzium – wenn auch in kleineren, aber wichtigen Mengen.
Und was ist mit den geheimnisvollen Stoffen, von denen die Wissenschaft oft spricht?
Himbeeren enthalten viele Anthocyane – das sind natürliche Farbstoffe, die ihnen die charakteristische rote Farbe verleihen. Ihre Aufgabe in der Natur ist es, die Pflanze vor Schädlingen, Sonne und Krankheiten zu schützen – genau diese Aufgaben übernehmen sie auch in unserem Körper.
Zu diesen Stoffen zählen auch Quercetin, Kaempferol, Cyanidin und noch einige andere mit langen Namen, die man sich nicht merken muss, aber es ist gut zu wissen, dass es sich um starke natürliche Antioxidantien handelt. Diese wirken im Körper wie Reiniger – sie entfernen Giftstoffe, hemmen Entzündungen, zerstören schädliche Bakterien und stoppen sogar das Wachstum bestimmter Krebszellen.
Eine Studie, veröffentlicht im Journal of Agricultural and Food Chemistry, zeigte, dass Himbeeren unter allen Beeren die höchste Menge an Ellagsäure enthalten. Diese Säure wird in der Volksmedizin oft als natürlicher Krebshemmer erwähnt, denn sie verhindert nachweislich Veränderungen im Zellkern, die zur Tumorentwicklung führen können.
Hausmittel, die wir nicht vergessen haben
Unsere Großmütter wussten einiges aus Himbeeren zuzubereiten. Himbeersaft wurde gegen Fieber verwendet – man sagte, dass Himbeeren „das Blut kühlen“. Das bedeutet, sie senken die Körpertemperatur, beruhigen Entzündungen und lindern das Fiebergefühl. Deshalb stand Himbeersaft oft auf dem Tisch, wenn jemand an Grippe oder Angina litt.
Bei Verdauungsproblemen wurde Himbeermarmelade oder -kompott verwendet, da die Himbeere beim Entgiften und Reinigen des Darms helfen sollte. Heute wissen wir, dass die Ballaststoffe in Himbeeren wie natürliche Bürsten den Verdauungstrakt reinigen und das Wachstum nützlicher Bakterien anregen.
Manche nutzten sie sogar gegen morgendliche Übelkeit in der Schwangerschaft. Und auch wenn dies heute ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht empfohlen wird, bleibt die Tatsache, dass Himbeeren zu den wenigen Früchten gehören, die den Magen beruhigen, statt ihn zu reizen.
Vergessen wir nicht die Blätter!
Auch wenn am meisten über die Früchte gesprochen wird, sind die Himbeerblätter keineswegs weniger wertvoll. In der Volksmedizin stellt man daraus Tee her, der dafür bekannt ist, die Gebärmutter zu stärken und die Geburt zu erleichtern. Im Mittelalter wurde er Frauen mit Kinderwunsch empfohlen, weil die Blätter angeblich die Eileiter reinigen und die Gebärmutterwand stärken.
Himbeerblättertee ist aber nicht nur für Frauen nützlich. Er wird auch bei Durchfall, Hämorrhoiden, Hautausschlägen und als Herzstärkungsmittel verwendet. Für die Zubereitung übergießt man zwei Teelöffel getrockneter Blätter mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt den Tee zehn Minuten ziehen. Man kann bis zu drei Tassen täglich trinken.
Was sagt die Wissenschaft?
Nach Angaben der amerikanischen USDA-Datenbank haben Himbeeren eine außergewöhnlich hohe gesamte antioxidative Kapazität – der ORAC-Wert liegt bei etwa 6065 Einheiten pro 100 Gramm. Damit gehören Himbeeren zu den Top 10 Früchten, wenn es um den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress geht.
Eine interessante britische Studie begleitete Menschen, die mindestens dreimal wöchentlich regelmäßig Himbeeren aßen. Es zeigte sich, dass diese Personen ein um 20 % geringeres Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten als diejenigen, die keine Himbeeren konsumierten.
In einer weiteren Untersuchung, veröffentlicht in Cancer Research, fanden Wissenschaftler heraus, dass Himbeer-Extrakt das Tumorwachstum bei Labormäusen verzögert – und das ohne Nebenwirkungen. Auch wenn dies noch keine direkte Verbindung für den Menschen bedeutet, ist das ein deutliches Zeichen, dass Himbeeren eine wichtige Rolle in der Krebsprävention spielen könnten.
Wem könnten Himbeeren schaden?
Trotz all der positiven Eigenschaften gibt es eine Ausnahme: Frische Himbeeren enthalten Oxalat, einen natürlichen Stoff, der sich bei sensiblen Personen in den Nieren ansammeln und zur Bildung von Nierensteinen beitragen kann. Daher wird Menschen mit schweren Nierenerkrankungen der Konsum größerer Mengen Himbeeren nicht empfohlen, es sei denn, ihr Arzt entscheidet anders.
Das sollten Sie sich merken ...
Wenn Sie das nächste Mal Himbeeren auf dem Markt oder im Laden sehen, betrachten Sie sie nicht nur als Nascherei. Sie schauen auf kleine Gesundheitskügelchen, die bereits unsere Vorfahren verehrten und die heute von der Wissenschaft als eines der stärksten natürlichen Lebensmittel im Kampf gegen Krankheiten bestätigt werden.
Wenn Sie sie regelmäßig essen, tun Sie etwas Gutes für Ihr Herz, Ihre Verdauung, Haut, Ihr Gehirn und Immunsystem. Und das ohne Nebenwirkungen, ohne künstliche Zusätze und ohne komplizierte Rezepte.
Ihre tägliche Handvoll Himbeeren sollte so selbstverständlich werden wie die Tasse Tee – einfach, hausgemacht und gesund.













