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Der Nobelpreisträger, der Rindfleisch und Milch mit Darmkrebs in Verbindung bringt – und welche Belege er dafür hatteDer Nobelpreisträger, der Rindfleisch und Milch mit Darmkrebs in Verbindung bringt – und welche Belege er dafür hatteDer Nobelpreisträger, der Rindfleisch und Milch mit Darmkrebs in Verbindung bringt – und welche Belege er dafür hatteDer Nobelpreisträger, der Rindfleisch und Milch mit Darmkrebs in Verbindung bringt – und welche Belege er dafür hatteDer Nobelpreisträger, der Rindfleisch und Milch mit Darmkrebs in Verbindung bringt – und welche Belege er dafür hatte


Datum: 10. OKT 26 - GUT ZU WISSEN
Der Nobelpreisträger, der Rindfleisch und Milch mit Darmkrebs in Verbindung bringt – und welche Belege er dafür hatte
Der deutsche Virologe und Nobelpreisträger Harald zur Hausen vermutete, dass bisher unbekannte Erreger in Rindfleisch und Kuhmilch langfristig zur Entstehung von Darmkrebs beitragen könnten ...

Stellen Sie sich vor, ein Glas Milch, das Sie als Kleinkind getrunken haben, könnte Jahrzehnte später Ihre Darmgesundheit beeinflussen. Klingt wie ein Gedankenspiel? Für einen der bedeutendsten Krebsforscher unserer Zeit war es eine ernsthafte wissenschaftliche Frage. Und dieser Mann hatte sich schon einmal gegen die gesamte Fachwelt durchgesetzt – und dafür den Nobelpreis bekommen.



Wenn Darmkrebs einen Namen und ein Gesicht bekommt



Wie heimtückisch Darmkrebs sein kann, wurde der Welt im August 2020 schmerzlich bewusst. Der Hollywood-Schauspieler Chadwick Boseman, weltberühmt als „Black Panther“, starb mit nur 43 Jahren an Darmkrebs. Die Diagnose hatte er bereits 2016 erhalten – und sie bis zuletzt fast vollständig geheim gehalten. Zwischen Operationen und Behandlungen drehte er mehrere große Filme, ohne dass das Publikum etwas ahnte. Sein Tod löste weltweit eine Welle von Gesprächen über Vorsorge aus, denn Fachleute beobachten seit Jahren, dass Darmkrebs zunehmend auch jüngere Menschen unter 50 trifft.



Auch in unserer Redaktion erreichen uns immer wieder Zuschriften zu diesem Thema. Viele Leserinnen und Leser erzählen, dass sie erst nach der Erkrankung eines Angehörigen begonnen haben, ihre Essgewohnheiten zu überdenken: weniger Wurst und Fleisch, mehr Hülsenfrüchte, Gemüse und Vollkorn – und vor allem endlich den lange aufgeschobenen Termin zur Darmspiegelung. Genau hier setzt die Geschichte an, um die es in diesem Artikel geht.



Ein Kind stellt die richtige Frage



Die Idee, dass Infektionen bei Krebserkrankungen eine Rolle spielen könnten, ist nicht neu. Neue Aufmerksamkeit bekam sie jedoch durch eine fast rührende Geschichte aus Manchester. Der angesehene Krebsforscher Professor Michael Lisanti, damals Leiter einer Brustkrebs-Forschungseinheit an der Universität Manchester, erzählte beim Abendessen, woran er arbeitet und wie schwierig die Suche nach neuen Krebstherapien ist. Da fragte ihn seine achtjährige Tochter Camilla, warum man Krebs nicht einfach mit Antibiotika behandle – so wie ihre Halsschmerzen.



Die kindliche Logik wirkte zunächst naiv. Doch Lisanti und seine Frau, die Krebsforscherin Federica Sotgia, gingen der Frage im Labor nach. Das Ergebnis überraschte sie: Mehrere gängige Antibiotika konnten in Zellkulturen sogenannte Krebsstammzellen verschiedener Tumorarten ausschalten, offenbar weil sie die Kraftwerke dieser Zellen, die Mitochondrien, angreifen. Die Arbeit erschien 2015 in der Fachzeitschrift Oncotarget. Die Boulevardpresse feierte die „Entdeckung“ der kleinen Camilla.



Wichtig ist allerdings die Einordnung: Es handelte sich um Laborversuche an Zellkulturen, nicht um eine Behandlung von Patienten. Fachleute von Cancer Research UK betonten damals, dass daraus keine Aussage über die Wirkung beim Menschen abgeleitet werden kann. Bemerkenswert ist auch ein verwandtes Forschungsgebiet: Wissenschaftler untersuchen seit Jahren sogenannte onkolytische Viren, also Viren, die gezielt Tumorzellen angreifen sollen. Virus gegen Krebs – ein Gedanke, der längst nicht mehr nur Science-Fiction ist.



Der Mann, der schon einmal recht behielt



Dass Viren bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen können, vertrat jahrzehntelang der deutsche Virologe und Arzt Prof. Dr. Harald zur Hausen, langjähriger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Bereits in den 1970er-Jahren äußerte er die damals belächelte Vermutung, dass humane Papillomviren (HPV) an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind. Er behielt recht: 2008 erhielt er dafür den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Auf Grundlage seiner Forschung kam 2006 der erste Impfstoff gegen HPV auf den Markt, der heute von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut für Mädchen und Jungen empfohlen wird. Harald zur Hausen starb im Mai 2023 im Alter von 87 Jahren.



Rindfleisch, Milch und rätselhafte Erreger



In seinen letzten Forschungsjahren widmete sich zur Hausen einer neuen, noch kühneren These. Ausgangspunkt waren Beobachtungen aus großen Bevölkerungsstudien: Ein hoher Verzehr von rotem Fleisch – also Muskelfleisch von Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Schaf, Ziege oder Pferd – geht mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs einher. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stufte 2015 nach Auswertung von mehr als 800 Studien verarbeitetes Fleisch als krebserregend und rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein.



Zur Hausen fiel jedoch etwas auf, das nicht ins Bild passte. In Indien, wo ein großer Teil der Bevölkerung aus religiösen Gründen kein Rindfleisch isst, ist Darmkrebs vergleichsweise selten. Aber auch in der Mongolei, wo traditionell viel Fleisch gegessen wird – allerdings überwiegend von Schafen, Ziegen, Pferden und Yaks statt von europäischen Milchrindern –, sind die Erkrankungszahlen niedrig. Sein Schluss: Vielleicht ist nicht das Fleisch an sich entscheidend, sondern etwas, das speziell in europäischen Rindern und ihrer Milch vorkommt.



Gemeinsam mit der Virologin Ethel-Michele de Villiers und dem Forscher Timo Bund untersuchte er daraufhin Blutseren von Hunderten Milchkühen sowie Milch und Milchprodukte aus Supermärkten. Dabei stieß das Team auf bisher unbekannte, ringförmige DNA-Elemente, die es als „Bovine Meat and Milk Factors“ (BMMF) bezeichnete. Die Forscher stellten ihre Ergebnisse im Februar 2019 in Heidelberg vor und veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift PNAS.



Später gelang es dem Team, BMMF in 15 von 16 untersuchten Darmkrebs-Gewebeproben nachzuweisen. Die Erreger fanden sich allerdings nicht in den Tumorzellen selbst, sondern im umliegenden Gewebe. Die Hypothese der Forscher: Menschen nehmen BMMF womöglich schon im ersten Lebensjahr auf, wenn das Immunsystem noch unreif ist. Über Jahrzehnte könnten sie dann chronische Entzündungen in der Darmschleimhaut unterhalten, bei denen aggressive Sauerstoffverbindungen entstehen, die das Erbgut sich teilender Zellen schädigen. BMMF wären demnach keine direkten Krebsauslöser, sondern eher stille Wegbereiter.



Was sagen andere Fachleute?



So spannend die These ist: Bewiesen ist sie nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam in einer Stellungnahme zu den BMMF zu dem Schluss, dass sich ein Einfluss auf das Krebsrisiko derzeit nicht zuverlässig bewerten lässt. Einige Forschungsgruppen fanden ähnliche DNA-Elemente zudem auch in Lebensmitteln, die nicht vom Rind stammen. Das BfR rät daher ausdrücklich nicht davon ab, Kuhmilch zu trinken.



Bemerkenswert gelassen äußerte sich zur Hausen selbst. Da sich die meisten Menschen seiner Vermutung nach ohnehin bereits als Kleinkinder infizieren, hätte ein völliger Verzicht im Erwachsenenalter wohl wenig Wirkung. Sein Ziel war vielmehr, eines Tages vorbeugende Maßnahmen für Säuglinge zu entwickeln – etwa durch bestimmte Zuckerverbindungen, die natürlicherweise in der Muttermilch vorkommen.



Was bedeutet das für unseren Speiseplan?



Als Ernährungsfachleute sehen wir in dieser Forschung keinen Grund zur Panik, wohl aber einen guten Anlass, die eigenen Gewohnheiten zu überprüfen. Unabhängig von den BMMF gibt es solide Hinweise darauf, dass ein hoher Konsum von rotem und vor allem verarbeitetem Fleisch mit einem höheren Darmkrebsrisiko verbunden ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen inzwischen, insgesamt nicht mehr als etwa 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen.



Milch und Milchprodukte liefern dagegen wertvolles Eiweiß, Kalzium und Jod. Einige Studien deuten sogar darauf hin, dass Milchprodukte den Darm eher schützen könnten. Ein Verzicht ohne ärztlichen Grund ist daher nicht sinnvoll – Maß und Abwechslung sind der bessere Weg.



Was dem Darm nach heutigem Wissen guttut:




  • Ballaststoffe aus Vollkorn, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst unterstützen eine gesunde Darmflora.

  • Gesunde Fette wie Olivenöl und Nüsse sind fester Bestandteil der Mittelmeerküche – mehr dazu im Beitrag Schützen Olivenöl und Walnüsse den Körper wirklich vor Krebs?

  • Viel Grün auf dem Teller, auch dort, wo man es nicht erwartet: Warum ist das Grün von Karotten gut für die Gesundheit

  • Schonende Zubereitung: Stark gebräuntes oder verkohltes Fleisch vom Grill sollte die Ausnahme bleiben.

  • Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und wenig Alkohol gehören zu den wichtigsten beeinflussbaren Schutzfaktoren.



Kurkuma und Zimt – das Geheimnis der indischen Küche?



Gerne wird in diesem Zusammenhang auch auf die indische Küche verwiesen, in der Kurkuma und Zimt täglich auf den Tisch kommen. Kurkuma enthält den Farbstoff Curcumin, der in Laborstudien entzündungshemmende Eigenschaften zeigt. Ob die Gewürze tatsächlich zu den niedrigeren Darmkrebszahlen in Indien beitragen, ist jedoch nicht belegt – dort spielen viele Faktoren zusammen, etwa der hohe Anteil pflanzlicher Kost und Hülsenfrüchte. Als würzige Bereicherung einer ausgewogenen Ernährung sind beide aber eine schöne Wahl. Wie man Kurkuma am besten verwendet, lesen Sie in unserem Beitrag Die häufigsten Fehler, die Menschen machen, die Kurkuma verwenden. Ideen für Kurkuma und Zimt in Getränken finden Sie im Artikel Tomatensaft gegen Cholesterin (und noch viel mehr!)



Beim Zimt ist allerdings Maß gefragt: Der günstige Cassia-Zimt enthält viel Cumarin, das in größeren Mengen die Leber belasten kann. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt deshalb einen moderaten Verbrauch; wer regelmäßig Zimt verwendet, greift besser zu Ceylon-Zimt.



Der wichtigste Schutz: Vorsorge



Kein Lebensmittel und keine Diät kann Darmkrebs sicher verhindern. Den größten Unterschied macht die Früherkennung: Bei einer Darmspiegelung können Vorstufen, sogenannte Polypen, entdeckt und gleich entfernt werden, bevor daraus überhaupt Krebs entsteht. In Deutschland erkranken laut Zentrum für Krebsregisterdaten jedes Jahr rund 55.000 Menschen an Darmkrebs. Gesetzlich Versicherte haben ab 50 Jahren Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen – bei familiärer Vorbelastung oft schon früher. Informationen bieten die Felix Burda Stiftung und die Deutsche Krebshilfe. Wer anhaltende Verdauungsbeschwerden, Blut im Stuhl oder ungewollten Gewichtsverlust bemerkt, sollte nicht zögern und ärztlichen Rat einholen. Warum das frühe Erkennen von Warnzeichen bei Krebserkrankungen so entscheidend ist, zeigt auch unser Beitrag Pankreaskrebs: 8 Symptome, die Sie nicht ignorieren sollten.



Harald zur Hausen im Video



Mehr über Dr. Harald zur Hausen und seine Forschung erfahren Sie im folgenden kurzen Video. Ob sich seine letzte große These bestätigt, wird die Wissenschaft in den kommenden Jahren zeigen. Bis dahin gilt: Genießen Sie rotes Fleisch bewusst und in Maßen, setzen Sie auf Vielfalt und pflanzliche Lebensmittel – und nehmen Sie die Vorsorge ernst.





Noch etwas …



Als Harald zur Hausen den Nobelpreis erhielt, gratulierten ihm Fachleute aus aller Welt. Die breite Öffentlichkeit interessierte sich jedoch erst richtig für die Verbindung zwischen Infektionen und Krebs, als die Klatschpresse über die Idee eines achtjährigen Mädchens berichtete, Krebs mit Antibiotika zu behandeln. So wird manchmal gerade eine scheinbar unbedeutende Geschichte zum Anstoß, dass sich auch Menschen außerhalb der Forschung für eine große wissenschaftliche Frage begeistern.


 
Darmkrebs
 
Harald zur Hausen
 
Rindfleisch
 
Milch
 
BMMF (Bovine Meat and Milk Factors)
 





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Februar 2015
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