Was wäre, wenn ausgerechnet der Teil der Weintraube, den die meisten von uns achtlos ausspucken, zu den spannendsten Bestandteilen der ganzen Frucht gehört? Traubenkerne gelten unter Ernährungsforschern als eine der konzentriertesten pflanzlichen Quellen für Polyphenole – und genau diese Stoffgruppe steht seit einigen Jahren im Zentrum der Stoffwechselforschung.
Eine bekannte europäische Food- und Gesundheitsbloggerin erzählte kürzlich in einem Interview, dass sie seit einiger Zeit übrig gebliebene Traubenkerne trocknet, mahlt und löffelweise unter ihre Smoothies mischt – „einfach, weil nichts von der Frucht verschwendet werden soll", wie sie es beschrieb. Ob dahinter ein messbarer gesundheitlicher Effekt steckt, lässt sich im Einzelfall natürlich nicht beweisen. Die Wissenschaft liefert aber zumindest interessante erste Hinweise, warum sich ein genauerer Blick auf die kleinen Kerne lohnen könnte.
Was steckt eigentlich in den kleinen Kernen?
Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, denen in Laborstudien antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden. Sie sollen unter anderem an der Regulierung von oxidativem Stress beteiligt sein – einem Prozess, der mit verschiedenen Alterungs- und Stoffwechselvorgängen in Verbindung gebracht wird. Besonders bemerkenswert: Ein großer Teil dieser Polyphenole konzentriert sich nicht im Fruchtfleisch, sondern genau in den Kernen der Traube.
Die Studie aus Montpellier: Was Hamster uns verraten
Ein Forschungsteam der Universit{-15447} Montpellier in Frankreich untersuchte den Zusammenhang zwischen einem polyphenolreichen Traubenkernextrakt und dem Hormon Adiponektin, das eine Rolle im Fettstoffwechsel spielt. Grundsätzlich gilt: Je höher der Körperfettanteil, desto niedriger fällt üblicherweise der Adiponektin-Spiegel aus. Steigt dieser Spiegel hingegen an, beginnt der Organismus verstärkt, Fettreserven zu mobilisieren.
In der im Fachjournal Molecular Nutrition & Food Research veröffentlichten Studie erhielten Hamster zwölf Wochen lang eine fettreiche Diät – ein Teil der Tiere zusätzlich mit einem Traubenkernextrakt. Das Ergebnis: Bei den Tieren mit Extrakt stieg der Adiponektin-Spiegel im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe deutlich an, während sich Insulin- und Blutfettwerte sowie Marker für oxidativen Stress verbesserten. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Tierstudie an Hamstern, keine Untersuchung am Menschen – die Übertragbarkeit solcher Effekte auf unseren Organismus ist bislang nicht wissenschaftlich belegt.
Was bedeutet das für uns Menschen?
Seriöse Rückschlüsse auf den Menschen lassen sich aus einer einzelnen Tierstudie nicht ziehen. Dennoch passt der Befund in ein größeres Bild: Traubenpolyphenolen wird in der Ernährungsforschung allgemein eine unterstützende Rolle für Herz-Kreislauf-Gesundheit und den Zellschutz zugeschrieben, wie unter anderem auch in unserem Beitrag „Rundum gesund: Heilung durch Weintrauben?" beschrieben. Klinische Studien am Menschen zu Traubenkernextrakten speziell im Hinblick auf Gewichtsregulation stehen jedoch noch aus – wer hier von einer „Wunderwaffe" spricht, greift der Wissenschaft voraus.
So können Sie es ganz einfach selbst ausprobieren
Statt die Kerne wegzuwerfen, können Sie sie sammeln und weiterverwenden:
- Traubenkerne beim Essen der Trauben beiseitelegen statt auszuspucken
- Kerne trocknen lassen und anschließend fein mahlen (z. B. mit einer Kaffee- oder Gewürzmühle)
- Ein bis zwei Teelöffel des Pulvers unter einen Frucht- oder Gemüse-Smoothie mischen
Schaden wird es in haushaltsüblichen Mengen in aller Regel nicht – als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung oder ärztlichen Rat ist es allerdings nicht gedacht.

























