Draußen wird es kälter, die Nase kribbelt, und plötzlich erinnert man sich wieder an das Glas, das schon die Großmutter jeden Herbst zubereitet hat. Ein Schuss Zitronensaft, eine Knoblauchzehe, ein Löffel Honig, ein Schuss Apfelessig – fertig ist ein Getränk, das auf den ersten Blick ungewöhnlich, fast schon abschreckend klingt, aber genau deshalb seit so langer Zeit weitergegeben wird.
Viele Leserinnen und Leser berichten, dass ein solches Ritual am Morgen für sie inzwischen fest zur kalten Jahreszeit gehört: Man trinkt das Glas auf nüchternen Magen, verzieht kurz das Gesicht – und fühlt sich danach spürbar wacher und "aufgeräumter". Wissenschaftlich belegt ist ein solches subjektives Wohlbefinden zwar nicht, doch genau diese kleinen Alltagsrituale sind es, die ein Hausmittel über Generationen am Leben erhalten.
Zutaten
- 1 Knoblauchzehe
- 1 Esslöffel Apfelessig
- Saft einer halben Zitrone
- 1 Esslöffel Honig
- 1 Glas Wasser
Zubereitung
Den Knoblauch schälen und zu einem feinen Brei zerdrücken – das erleichtert lediglich das Trinken. Wer mag, kann die Zehe auch ganz schlucken, ähnlich wie eine Tablette, und mit der Limonade nachspülen. Anschließend alle Zutaten mit Wasser verrühren. Viele trinken diese Mischung morgens auf nüchternen Magen, da sie in der Volksüberlieferung besonders in dieser Kombination geschätzt wird.
Wird das Getränk stattdessen abends getrunken, wird ihm traditionell eine eher "reinigende" und verdauungsunterstützende Wirkung zugeschrieben – etwas, das besonders alle interessieren dürfte, die zusätzlich auf ihre Ernährung achten.
Warum gerade diese Mischung?
Auf den ersten Blick wirkt die Kombination ungewöhnlich, dahinter steckt aber eine gewisse Logik der einzelnen Zutaten:
Apfelessig wird in der Naturheilkunde traditionell nachgesagt, gereizte Schleimhäute im Hals zu beruhigen. Wissenschaftlich ist diese Wirkung bislang jedoch kaum untersucht: Laut einer ausführlichen Übersicht von Healthline gibt es zwar antibakterielle Eigenschaften der Essigsäure im Labor, aber bislang keine belastbaren klinischen Studien, die eine Wirkung bei Halsschmerzen beim Menschen bestätigen.
Knoblauch enthält den Schwefelstoff Allicin, der entsteht, sobald die Zehe geschnitten oder zerdrückt wird. Laut einem Bericht von Medical News Today unter Berufung auf die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) gibt es bislang keine ausreichende Evidenz, dass Knoblauch Erkältungen zuverlässig verhindert oder heilt – einzelne Studien deuten aber darauf hin, dass regelmäßiger Verzehr mit selteneren oder milderen Erkältungssymptomen einhergehen könnte. Ähnliche winterliche Knoblauch-Hausmittel, etwa ein traditionelles Getränk das 100 Krankheiten heilt oder der Griff zur Zwiebel bei Erkältung, sind ebenfalls seit Langem Teil der heimischen Hausmittel-Tradition.
Zitrone liefert vor allem Vitamin C. Ob eine zusätzliche Vitamin-C-Zufuhr tatsächlich vor Erkältungen schützt, ist wissenschaftlich umstritten: Eine bekannte Cochrane-Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass regelmäßige Vitamin-C-Einnahme in der Allgemeinbevölkerung die Häufigkeit von Erkältungen kaum senkt, möglicherweise aber Dauer und Schwere der Beschwerden leicht verringern kann. Wer seine Vitamin-C-Zufuhr allgemein im Blick behalten möchte, findet auch bei anderen Lebensmitteln wie in unserem Beitrag Was passiert, wenn Sie jeden Tag eine Paprika essen? interessante Ansätze.
Honig wird traditionell antibakterielle, antivirale und pilzhemmende Wirkung nachgesagt. Eine aktuelle Übersichtsarbeit im Fachjournal Antibiotics, verfügbar über die Datenbank PubMed Central (PMC), bestätigt, dass Honig im Labor gegen zahlreiche Bakterienarten wirksam ist – die Übertragbarkeit dieser Effekte auf die Linderung von Erkältungssymptomen beim Menschen ist damit aber nicht automatisch bewiesen.
In Kombination – so die Idee hinter dem Hausmittel – sollen sich die Eigenschaften der einzelnen Zutaten gegenseitig ergänzen. Klinische Studien, die genau diese Mischung aus Zitrone, Knoblauch, Honig, Apfelessig und Wasser als Ganzes untersucht haben, gibt es allerdings nicht.
Fazit
Ob Wundermittel oder liebgewonnenes Ritual – ausprobieren kann man diese Limonade in jedem Fall bedenkenlos, sofern keine Unverträglichkeiten gegenüber den Zutaten bestehen. Sie ersetzt jedoch keine ausgewogene Ernährung und schon gar keinen Arztbesuch bei anhaltenden oder starken Beschwerden. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder unter chronischen Erkrankungen leidet, sollte vor der dauerhaften Anwendung von Apfelessig oder größeren Mengen Knoblauch sicherheitshalber Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin halten.

























