Stell dir vor, du könntest mit drei ganz gewöhnlichen Lebensmitteln aus dem Kühlschrank etwas für deinen Stoffwechsel tun, ohne dafür auch nur einen einzigen Schritt zu gehen. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Sellerie, Paprika und grüner Tee haben tatsächlich Eigenschaften, die sie zu klugen Begleitern für einen bewegungsarmen Alltag machen – kalorienarm, nährstoffreich und mit einer appetitzügelnden Wirkung, die viele unterschätzen.
Auch aus der Promi-Welt kennt man den Sellerie-Hype: Kim Kardashian erklärte öffentlich, dass sie morgens Selleriesaft trinkt, um ihre Schuppenflechte (Psoriasis) zu lindern, und Tennisstar Novak Đoković teilte ein Foto seines grünen Selleriesafts auf Instagram als Teil seiner Morgenroutine. Ernährungsexpertinnen dämpfen bei solchen Trends allerdings die Erwartungen: Wissenschaftlich belegt ist vor allem, dass Sellerie kalorienarm und nährstoffreich ist – die kursierenden "Wunderheilungs"-Versprechen halten einer genauen Prüfung meist nicht stand. Es lohnt sich also, die einzelnen Lebensmittel realistisch zu betrachten.
Sellerie: Viel Wasser, wenig Kalorien, viele Mikronährstoffe
Sellerie besteht zu einem großen Teil aus Wasser, liefert aber gleichzeitig wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Besonders interessant ist sein Gehalt an natürlich vorkommenden Nitraten, aus denen der Körper Stickstoffmonoxid bilden kann – ein Stoff, der die Durchblutung unterstützt. Sellerie lässt sich vielseitig einsetzen: roh als Snack, im Salat oder als Basis für einen frischen Saft.
Mit nur etwa 16 Kilokalorien pro 100 Gramm zählt Sellerie zu den kalorienärmsten Gemüsesorten überhaupt, liefert dabei aber unter anderem Provitamin A (Beta-Carotin), das der Körper in Vitamin A umwandeln kann. Genau dieser sättigende, aber kalorienarme Charakter macht Sellerie zu einem praktischen Begleiter, wenn man auf die Kalorienzufuhr achten möchte.
Erwachsene Männer benötigen laut den aktuellen Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung etwa 850 Mikrogramm Retinolaktivitätsäquivalent (RAE) Vitamin A pro Tag, Frauen rund 700 Mikrogramm. Neben Sellerie tragen auch gekochte Karotten, Spinat, Tomaten, rote Paprika und gekochter Brokkoli zur Versorgung mit Provitamin A bei. Eine ausführliche Übersicht über gute Beta-Carotin-Quellen findest du im Sellerie-Ratgeber von ÖKO-TEST.
Ein Hinweis für die Küche: Vitamin A beziehungsweise sein Vorläufer Beta-Carotin ist empfindlich gegenüber Sauerstoff, Licht und einem sauren Milieu. Wer Sellerie und Co. mit etwas gesundem Fett kombiniert – zum Beispiel einem Schuss Olivenöl im Salat –, unterstützt zudem die Aufnahme der fettlöslichen Carotinoide im Körper.
Paprika: Farbenfroher Snack mit wenig Kalorien
Ob rot, gelb oder grün – Paprika punktet mit einem hohen Gehalt an Vitamin A und Vitamin C, wobei die rote Variante meist am nährstoffreichsten ist. Mit rund 20 Kilokalorien pro 100 Gramm bleibt sie dabei angenehm kalorienarm. Besonders roh, als Rohkost-Snack zwischendurch, entfaltet Paprika ihren knackigen Geschmack am besten und lässt sich unkompliziert überall unterbringen: im Salat, im Wrap oder einfach pur.
Von Paprika allein nimmt man nicht zu – im Gegenteil, sie kann durch ihren hohen Wasser- und Ballaststoffgehalt zu einem angenehmen Sättigungsgefühl beitragen und ist damit ein praktischer Baustein für eine bewusste Ernährung.
Grüner Tee: Eine sanfte Alternative zum Kaffee
Wer testen möchte, wie es sich anfühlt, einen Tag ohne Kaffee auszukommen, kann es mit grünem Tee versuchen. Ein verbreiteter Irrglaube ist allerdings, grüner Tee enthalte genauso viel oder sogar mehr Koffein als Kaffee. Tatsächlich ist es meist umgekehrt: Laut einer Übersicht des Magazins FITBOOK enthält eine Tasse grüner Tee im Schnitt deutlich weniger Koffein als eine Tasse Kaffee – die Wirkung setzt dafür etwas langsamer ein, hält dann aber länger an.
Grüner Tee liefert darüber hinaus eine Reihe sekundärer Pflanzenstoffe, sogenannte Catechine, denen eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird. Deshalb kann es sich lohnen, ihn testweise in die tägliche Getränkeauswahl aufzunehmen – ungesüßt, wie generell bei Tee und anderen Getränken empfehlenswert.
Wer den Umstieg von Kaffee auf Tee wagt, berichtet häufig, sich insgesamt ausgeglichener zu fühlen – ein Effekt, der sich unter anderem dadurch erklären lässt, dass der Blutzuckerspiegel nach einer Tasse Tee tendenziell gleichmäßiger verläuft als nach Kaffee. Eine wissenschaftlich allgemeingültige Aussage lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da die individuelle Reaktion auf Koffein von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.
Fazit
Sellerie, Paprika und grüner Tee ersetzen weder Bewegung noch eine insgesamt ausgewogene Ernährung. Sie zeigen aber, dass sich schon mit kleinen, alltagstauglichen Entscheidungen – einem Rohkost-Snack hier, einer Tasse Tee statt Kaffee dort – ein bewussterer Umgang mit der eigenen Ernährung gestalten lässt, ganz ohne Verzicht oder strenge Diätregeln.

























