Neuesten Nachrichten


Interaktive Widgets:




Vitamin U: Das Geheimnis aus dem Kohlblatt, das in keiner Vitamintabelle stehtVitamin U: Das Geheimnis aus dem Kohlblatt, das in keiner Vitamintabelle stehtVitamin U: Das Geheimnis aus dem Kohlblatt, das in keiner Vitamintabelle stehtVitamin U: Das Geheimnis aus dem Kohlblatt, das in keiner Vitamintabelle stehtVitamin U: Das Geheimnis aus dem Kohlblatt, das in keiner Vitamintabelle steht


Datum: 27. AUG 26 - GUT ZU WISSEN
Vitamin U: Das Geheimnis aus dem Kohlblatt, das in keiner Vitamintabelle steht
Eine unscheinbare Substanz aus frischem Kohl steckt hinter einer der ältesten Hausmittel-Geschichten Europas: Sie soll die Magenschleimhaut unterstützen und wurde schon in den 1950er-Jahren wissenschaftlich untersucht.

Ein Glas frisch gepresster Kohlsaft, drei Wochen lang jeden Tag – das war das gesamte "Rezept" eines Arztes, der in den frühen 1950er-Jahren an der Stanford University eine Entdeckung machte, die bis heute nachwirkt. Dr. Garnett Cheney untersuchte gemeinsam mit Kollegen im kalifornischen Staatsgefängnis San Quentin, wie sich roher Kohlsaft auf Patienten mit Zwölffingerdarmgeschwüren auswirkt. Das Ergebnis seiner Beobachtungen war so bemerkenswert, dass er der aktiven Substanz einen eigenen Namen gab: Vitamin U – abgeleitet vom englischen Wort "ulcer" (Geschwür). Bis heute gilt Cheney als derjenige, der den Grundstein für die moderne Erforschung dieser Substanz gelegt hat (siehe wissenschaftlicher Hintergrund, Wikipedia).



Was ist Vitamin U wirklich?



Auch wenn der Name es vermuten lässt: Vitamin U ist offiziell kein echtes Vitamin. Chemisch handelt es sich um S-Methylmethionin (SMM), eine Verbindung, die aus der Aminosäure Methionin gebildet wird – also einem Grundbaustein von Eiweiß. Pflanzen bilden diese Substanz auf natürliche Weise, und sie ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt. Neuere Übersichtsarbeiten fassen zusammen, dass SMM unter anderem magenschützende, antioxidative und stoffwechselregulierende Eigenschaften untersucht wurden (Kruchinina et al., Vopr Pitan 2018, PubMed). Einfacher gesagt: Es ist eine natürliche Substanz, die der Kohl in seinen Blättern verborgen hält.



Wo kommt Vitamin U in der Natur vor?



Wer gerne frisches Gemüse isst, hat wahrscheinlich schon einiges an Vitamin U aufgenommen, ohne es zu wissen. Besonders reichhaltige Quellen sind:



  • frischer Weißkohl (am meisten im frisch gepressten Saft)

  • Sauerkraut, das zusätzlich reich an Probiotika ist

  • Grünkohl

  • Brokkoli und Rosenkohl

  • Spargel


Kleinere Mengen finden sich außerdem in Spinat, Petersilie, Mangold, Paprika, Zwiebeln, Avocado und in stängeligeren Pflanzenteilen. Interessant: Der Gehalt an Vitamin U ist in frischem, rohem Gemüse am höchsten, während Kochen die Substanz deutlich reduziert – ein Grund, warum Kohlsaft traditionell roh getrunken wird.



Warum interessiert sich die Forschung für die Magenschleimhaut?



Gastritis (eine Reizung der Magenschleimhaut) und Magengeschwüre gehören zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden überhaupt – begünstigt durch Stress, unregelmäßige Ernährung und in vielen Fällen durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Die klassische Schulmedizin behandelt solche Beschwerden gezielt und wirksam; parallel dazu untersucht die Forschung seit Jahrzehnten, welche Rolle pflanzliche Substanzen wie SMM bei der Regeneration der Schleimhaut spielen könnten. Beobachtungsstudien und ältere klinische Untersuchungen deuten auf eine unterstützende Wirkung von Kohlsaft bei der Schleimhautregeneration hin (Übersicht zu Cheneys Originalstudien) – belastbare, groß angelegte moderne Studien stehen jedoch noch aus, weshalb Kohlsaft eine Ergänzung und kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung bei anhaltenden Magenbeschwerden sein sollte.



Kohl in der Volksmedizin



Kohl galt lange als "Arznei aus dem Garten". Großmütter erzählten früher, dass "ein Kohlkopf für zehn Beschwerden reicht". Neben Magenproblemen legte man Kohlblätter traditionell auf schmerzende Gelenke, nutzte sie zur Wundpflege oder als Auflage bei Kopfschmerzen – überliefertes Erfahrungswissen, das die moderne Forschung erst nach und nach einzuordnen beginnt.



Auch historisch ist die Geschichte des Kohlsaftes eng mit Mangelzeiten verknüpft: In der Nachkriegszeit, als Medikamente knapp waren, griffen viele Menschen in Europa auf hausgemachten Kohlsaft zurück, um Magenbeschwerden zu lindern – eine Praxis, die letztlich auch Cheneys wissenschaftliches Interesse weckte.



Vitamin U und die Leber



Neben dem Magen wird SMM auch im Zusammenhang mit der Leberfunktion diskutiert. Die Leber ist unser wichtigstes Entgiftungsorgan und ständig gefordert – besonders bei einer Ernährung reich an Alkohol, Fett oder verarbeiteten Lebensmitteln. Als Methylgruppen-Donator ist SMM an Stoffwechselwegen beteiligt, die auch für die Leberfunktion relevant sind, weshalb die Substanz gelegentlich auch in Nahrungsergänzungsmitteln für Entgiftungskuren zu finden ist. Wer seine Leber unterstützen möchte, findet dazu auch praktische Ansätze rund um fermentiertes Gemüse in unserem Beitrag "Gründe, warum man jeden Tag saure Gurken essen sollte".



Auch für die Haut interessant



Wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften taucht S-Methylmethionin mittlerweile auch in kosmetischen Produkten auf, etwa in beruhigenden Cremes für gereizte oder sonnenbeanspruchte Haut. Belastbare, unabhängige Studien zur Hautwirkung sind allerdings noch begrenzt, weshalb hier weiterhin Zurückhaltung bei zu weitreichenden Versprechen angebracht ist.



Was, wenn man zu wenig Vitamin U bekommt?



Da Vitamin U kein offiziell anerkanntes Vitamin ist, gibt es – anders als etwa bei Vitamin C oder D – keine festgelegten Tagesempfehlungen, und Ärzte sprechen nicht von einem "Vitamin-U-Mangel" im klinischen Sinn. Unabhängig davon gilt: Wer wenig frisches Gemüse isst, nimmt insgesamt weniger schützende Pflanzenstoffe auf – ein Ernährungsmuster, das mit einem höheren Risiko für Verdauungsbeschwerden in Verbindung gebracht wird. Ballaststoffreiches, pflanzenbetontes Essen gilt allgemein als förderlich für eine gesunde Verdauung.



Wie kann man selbst mehr Vitamin U aufnehmen?



Der natürlichste Weg ist frisches Gemüse – allen voran Kohlsaft. Mit einem Entsafter lässt sich ganz einfach ein halbes Glas frischer Kohlsaft herstellen, wer mag, verfeinert ihn geschmacklich mit etwas Apfel. Eine ausführliche Anleitung samt Dosierungstipps haben wir bereits in unserem Beitrag "Warum man Krautsaft trinken sollte" zusammengestellt.



Wer keinen Entsafter besitzt, greift alternativ zu Sauerkraut: Es liefert neben Vitamin U auch probiotische Bakterienkulturen, die der Darmflora zugutekommen. Eine vielbeachtete klinische Studie der Stanford University zeigte, dass eine zehnwöchige, fermentationsreiche Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien erhöhte und gleichzeitig Entzündungsmarker im Blut senkte (Wastyk et al., Cell 2021). Ein schöner Beleg dafür, dass traditionelle fermentierte Speisen wie Sauerkraut auch aus heutiger wissenschaftlicher Sicht spannend bleiben.



Eine einfache, preiswerte Ergänzung für den Alltag



Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen zunächst zu teuren Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Dabei bietet die Natur oft naheliegende und günstige Lösungen: Ein Kohlkopf kostet im Schnitt nur wenige Euro und reicht für ausreichend Saft für mehrere Tage. Auch wenn Vitamin U wissenschaftlich noch nicht so gut erforscht ist wie klassische Vitamine, zeigen die historische Nutzung und die wachsende Zahl an Untersuchungen, dass gewöhnlicher Kohl ein interessanter, natürlicher Begleiter für die Verdauungsgesundheit sein kann – als Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung, nicht als Ersatz für ärztlichen Rat.



Es ist vielleicht kein Zufall, dass unsere Großeltern Kohl fast täglich auf dem Tisch hatten – ob in der Suppe, im Salat, gedünstet oder fermentiert. Und wer heute nach einer einfachen Möglichkeit sucht, seine Ernährung um ein traditionelles, pflanzliches Lebensmittel zu bereichern, findet die Antwort vielleicht in etwas ganz Altbekanntem: einem Glas Kohlsaft.


 
Vitamin U
 
Kohlsaft
 
S-Methylmethionin
 
Magenschleimhaut
 
Kohl in der Volksmedizin
 





Rundum gesund - RSS
Copyright (c)
Rundgesund.com
Februar 2015
π Kontakt:
info@rundgesund.com
Über uns   |   Facebook Rundum Gesund - Seitenanfang