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Ein einziger Bissen Brot kann bereits die Grenze überschreiten, die den Darm schädigtEin einziger Bissen Brot kann bereits die Grenze überschreiten, die den Darm schädigtEin einziger Bissen Brot kann bereits die Grenze überschreiten, die den Darm schädigtEin einziger Bissen Brot kann bereits die Grenze überschreiten, die den Darm schädigtEin einziger Bissen Brot kann bereits die Grenze überschreiten, die den Darm schädigt


Datum: 5. AUG 26 - GESUND-&SCHÖNHEIT
Ein einziger Bissen Brot kann bereits die Grenze überschreiten, die den Darm schädigt
Neue Erkenntnisse zeigen, dass schon winzige Glutenmengen bei empfindlichen Menschen Beschwerden auslösen können. Wer betroffen sein könnte und was helfen kann, lesen Sie hier – als allgemeine Orientierung, nicht als medizinischen Rat.

Stellen Sie sich vor: Ein einziger kleiner Bissen eines ganz gewöhnlichen Weißbrots – mehr braucht es unter Umständen nicht, um bei einer bestehenden Zöliakie messbare Veränderungen der empfindlichen Darmschleimhaut auszulösen. Das klingt zunächst unglaublich, doch genau das legen wissenschaftliche Untersuchungen nahe.



Die US-amerikanische Schauspielerin Jennifer Esposito hat öffentlich darüber gesprochen, dass sie jahrelang mit unklaren Beschwerden zu kämpfen hatte, bevor bei ihr schließlich Zöliakie diagnostiziert wurde – eine Erfahrung, die sie später auch in einem eigenen Buch verarbeitete. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele Menschen, die lange nach einer Erklärung für ihre Beschwerden suchen, bevor Gluten als möglicher Auslöser überhaupt in Betracht gezogen wird.



Was Gluten genau ist


Gluten ist ein Eiweißgemisch, das vor allem in Weizen, Gerste und Roggen vorkommt. Wer schon einmal selbst Brot gebacken hat, kennt das charakteristisch klebrige Gefühl beim Kneten – genau dieses Klebereiweiß verleiht dem Teig seine Elastizität. Dank Gluten geht Brot schön auf, und Pizzateig bleibt geschmeidig statt bröckelig.

Nicht jeder Körper verträgt dieses Eiweiß jedoch gleich gut. Bei Menschen mit Zöliakie – einer Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe richtet – löst Gluten eine Entzündungsreaktion im Dünndarm aus. Dabei werden die Darmzotten geschädigt, jene winzigen fingerförmigen Ausstülpungen, über die Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen werden. Gehen sie zurück, kann der Körper Nahrung nicht mehr richtig verwerten. Mögliche Folgen sind ungewollter Gewichtsverlust, Durchfall, Erschöpfung, Blutarmut sowie – bei länger unbehandelter Erkrankung – auch Beschwerden im Bewegungsapparat.



Wie viel Gluten gilt als zu viel?


Genau dieser Frage ist eine vielbeachtete Untersuchung, die im American Journal of Clinical Nutrition diskutiert wurde, nachgegangen. Grundlage war eine kontrollierte italienische Studie (Catassi et al.) an Patientinnen mit biopsiegesicherter Zöliakie, die seit mindestens zwei Jahren streng glutenfrei lebten und deren Darmschleimhaut sich in dieser Zeit bereits erholt hatte.



Über drei Monate erhielten die Teilnehmerinnen in drei Gruppen entweder glutenfreie Kapseln, 10 Milligramm Gluten täglich oder 50 Milligramm Gluten täglich – letzteres entspricht ungefähr der Menge, die in einem kleinen Bissen normalen Brotes steckt. Das Ergebnis: Bei der 50-Milligramm-Gruppe zeigten sich messbare Veränderungen der Darmzotten, während sich die Schleimhaut in der glutenfreien Gruppe unverändert gesund zeigte. Die Studie legt somit nahe, dass bereits 50 Milligramm Gluten am Tag für Menschen mit Zöliakie zu viel sein können – umgerechnet nur etwa ein Siebzigstel eines gewöhnlichen Brotstücks.



Warum diese Zahl uns alle etwas angeht


Zöliakie betrifft schätzungsweise rund ein Prozent der Weltbevölkerung. Deutlich mehr Menschen berichten jedoch über eine sogenannte Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität: Sie vertragen Gluten offenbar nicht gut, obwohl keine klassische Autoimmunerkrankung vorliegt. Schätzungen zur Häufigkeit schwanken je nach Studie erheblich.



Viele Menschen, die auf Gluten verzichten, berichten subjektiv von einer verbesserten Verdauung, weniger Blähungen und mehr Energie im Alltag. Manche sprechen umgangssprachlich von einem „Gluten-Nebel im Kopf“, der sich nach der Umstellung gelegt habe. Auch die Mayo Clinic Health System weist darauf hin, dass Betroffene mit gluten-assoziierten Beschwerden von einer Ernährungsumstellung profitieren können – wichtig ist dabei stets die individuelle ärztliche Abklärung, bevor größere Ernährungsumstellungen erfolgen.



Sind 50 Milligramm wirklich so wenig?


Ja. Normales Weißbrot enthält pro 100 Gramm bereits etwa 8 bis 10 Gramm Gluten. Das bedeutet: Schon ein halber Bissen kann die kritische Menge überschreiten. Auch Spuren aus der Küche – etwa ein Messer, mit dem zuvor glutenhaltiges Brot geschnitten wurde, oder Mehlstaub in der Luft – können dazu beitragen. Eine aktuelle Untersuchung des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) mit der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie hat zahlreiche Lebensmittel und Getränke systematisch auf ihren Glutengehalt hin analysiert und zeigt, wie unterschiedlich hoch die Werte je nach Getreideart tatsächlich ausfallen.



Besonders tückisch: Viele Betroffene bemerken die schleichende Schädigung der Darmschleimhaut zunächst gar nicht, da Symptome oft maskiert sind oder erst mit deutlicher Verzögerung auftreten.



Was kann man selbst tun?


Für Menschen, die sich glutenfrei ernähren, liegt die größte Herausforderung häufig in der sogenannten Kreuzkontamination – also in kleinen, unbeabsichtigten Glutenspuren, die bei der Verarbeitung oder in der heimischen Küche in eigentlich glutenfreie Speisen gelangen.



Hier lohnt sich ein Blick auf traditionelle Zubereitungsweisen: Getreide wurde früher häufig mehrfach gewaschen, eingeweicht, fermentiert oder gesäuert. All das kann den Glutengehalt spürbar senken und Lebensmittel bekömmlicher machen. Fermentation – etwa bei Sauerteig oder traditionell hergestelltem Roggenbrot – kann den Glutengehalt nachweislich reduzieren. Auch bei Sauerkraut, Kimchi oder selbstgemachtem Kefir entstehen im Zuge der Fermentation nützliche Bakterienkulturen, die die Verdauung unterstützen können.



Wer ganz auf glutenhaltige Getreide verzichten möchte, findet inzwischen zahlreiche schmackhafte Alternativen. Auch auf Rundgesund.com finden Sie dazu praktische Anregungen, etwa zur unterschätzten Hirse, die von Natur aus glutenfrei ist, oder zum glutenfreien Maisbrot, das sich hervorragend als Alternative eignet.



Was die traditionelle Naturheilkunde dazu sagt


In der Volksmedizin wurden Darmbeschwerden traditionell ganzheitlich betrachtet. Bekannt waren etwa Brennnesseltee, Wermut zur Verdauungsanregung, Schafgarbe für den Darm und Leinsamen als schützende Komponente für die Schleimhaut. Eingeweichter Leinsamen bildet eine schleimige Flüssigkeit, die den Magen-Darm-Trakt umhüllen kann. Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu Leinsamenschleim (Flaxseed Mucilage) bestätigt entsprechende schleimhautschützende Eigenschaften.



Auch ein traditioneller „Magentee“ aus Kamille, Kümmel, Melisse und Süßholzwurzel war in der Volksheilkunde als beruhigend für einen gereizten Verdauungstrakt bekannt. Süßholzwurzel – heute oft in Vergessenheit geraten – zeigte in einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit von 2021 entzündungshemmende Eigenschaften, die im Zusammenhang mit der Schleimhautgesundheit diskutiert werden.



Wichtiger Hinweis: Pflanzliche Hausmittel können eine ausgewogene Ernährung sinnvoll ergänzen, ersetzen jedoch keine ärztliche Abklärung oder Behandlung bei Verdacht auf Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit.



Und was können Sie konkret tun?


Wenn Sie vermuten, dass Gluten bei Ihnen Beschwerden auslöst, kann – nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt – eine mehrwöchige, konsequente glutenfreie Testphase Klarheit bringen. Konsequent bedeutet dabei wirklich: keine Krümel in der Suppe, kein Bier, keine weizenhaltige Sojasauce und saubere Küchenoberflächen. Ein Ernährungstagebuch hilft, Veränderungen im Befinden nachzuvollziehen – häufig berichten Menschen bereits nach einer Woche von spürbaren Unterschieden.



Stellt sich heraus, dass eine glutenfreie Ernährung guttut, spricht nichts dagegen, sie auch langfristig beizubehalten. Das Angebot an glutenfreien Alternativen – von Nudeln über Gebäck bis zu Fertiggerichten – ist heute größer und geschmacklich vielfältiger als je zuvor.



Wer sich ohnehin naturnah ernährt – mit Kartoffeln, Hirsebrei, Buchweizen, Reis, Mais, Linsen, Bohnen und reichlich Gemüse – wird Gluten kaum vermissen. Und das ist vielleicht das Naheliegendste überhaupt: die Rückbesinnung auf das, was schon früher funktioniert hat – und es bis heute tut.

 
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