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Wenn die Nieren still leidenWenn die Nieren still leidenWenn die Nieren still leidenWenn die Nieren still leidenWenn die Nieren still leiden


Datum: 4. AUG 26 - GUT ZU WISSEN
Wenn die Nieren still leiden
Wenn die Nieren still leiden: Warum Obst und Gemüse mehr sind als ein Trend

Über 850 Millionen Menschen weltweit leben mit einer Nierenerkrankung – oft ohne es zu wissen. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßiger Verzehr von Obst und Gemüse das Risiko für chronische Nierenprobleme senken kann. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.



Stellen Sie sich vor, ein Organ arbeitet Tag und Nacht, ohne Pause, ohne sich zu beschweren – und filtert dabei täglich rund 50 Liter Blut. Genau das leisten Ihre Nieren, jeden einzelen Tag. Sie sind kaum größer als eine Faust, doch sie zählen zu den fleißigsten Organen unseres Körpers. Trotzdem denken die meisten von uns erst an sie, wenn Probleme auftauchen.



Auch prominente Persönlichkeiten kennen dieses Thema aus nächster Nähe: Die Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez musste sich 2017 aufgrund von Komplikationen durch ihre Autoimmunerkrankung Lupus einer Nierentransplantation unterziehen. Sie berichtete öffentlich, wie sehr diese Erfahrung ihren Blick auf die eigene Gesundheit verändert hat (Lupus Foundation of America: How Selena Gomez's Lupus Led to a Kidney Transplant). Ihr Fall zeigt eindrücklich: Nierengesundheit betrifft nicht nur ältere Menschen – und sie beginnt oft lange vor den ersten spürbaren Symptomen.

Was bedeutet "Übersäuerung" und wie entsteht sie?


Wenn wir viel Fleisch, Käse, Eier und Weißmehlprodukte essen, verlangen wir unserem Körper einiges ab. Solche Lebensmittel wirken nach der Verdauung eher säurebildend – es entstehen Stoffwechselprodukte, die das innere Milieu ansäuern. Der Körper besitzt zwar eigene Regulationsmechanismen, um das Säure-Basen-Gleichgewicht auszutarieren, doch wenn diese Belastung über längere Zeit anhält, kann das die Nieren zusätzlich fordern.



Fachleute sprechen dabei von einer sogenannten metabolischen Azidose: Der Körper schafft es nicht mehr, den natürlichen pH-Wert im Blut vollständig auszugleichen. Da gerade die Nieren für die Ausscheidung überschüssiger Säuren zuständig sind, kann eine dauerhafte Belastung langfristig zur Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung beitragen.



Laut einem gemeinsamen Bericht der International Society of Nephrology, der European Renal Association und der American Society of Nephrology leben weltweit schätzungsweise mehr als 850 Millionen Menschen mit irgendeiner Form von Nierenerkrankung (International Society of Nephrology: More than 850 Million Worldwide have some form of Kidney Disease). Die Weltgesundheitsorganisation selbst geht in ihrem aktuellen Factsheet von rund 674 Millionen Betroffenen mit chronischer Nierenerkrankung aus (WHO: Kidney disease – Fact sheet) – in jedem Fall ein Gesundheitsthema von enormem Ausmaß. Mögliche Ursachen sind unter anderem eine unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, Stress, unzureichende Flüssigkeitszufuhr – und eben ein zu geringer Verzehr von Obst und Gemüse.



Was zeigen wissenschaftliche Untersuchungen?


Eine vielbeachtete US-amerikanische Studie der Texas A&M College of Medicine untersuchte 71 Personen mit einer beginnenden, hypertensiv bedingten chronischen Nierenerkrankung im Stadium 4. Ein Teil der Teilnehmenden erhielt zusätzliches Obst und Gemüse in ihrer Ernährung, der andere Teil ein orales Bicarbonat-Präparat gegen die Übersäuerung. Nach einem Jahr zeigte sich in beiden Gruppen eine Verringerung der metabolischen Azidose – die Gruppe mit mehr Obst und Gemüse musste dabei weniger auf Medikamente zurückgreifen (Goraya et al., Clinical Journal of the American Society of Nephrology 2013: A Comparison of Treating Metabolic Acidosis in CKD Stage 4 with Fruits and Vegetables or Sodium Bicarbonate). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine pflanzenreiche Ernährung eine sinnvolle, gut verträgliche Ergänzung zur medikamentösen Behandlung sein könnte – ein Austausch mit dem behandelnden Arzt bleibt dabei natürlich unverzichtbar.



Was bewirkt der "basische Effekt"?


Bestimmte Lebensmittel wirken nach der Verdauung basisch, also wie ein sanftes Gegengewicht zu sauren Stoffwechselresten. Besonders basisch wirken unter anderem Spinat, Brokkoli, Bananen, Äpfel, Avocados, Zitronen, Gurken und Melonen. Interessant: Auch die Zitrone, die geschmacklich sauer ist, entfaltet im Körper eine basische Wirkung.



Aus diesem Grund verschreiben Ärzte bei ausgeprägter Übersäuerung mitunter auch Bicarbonat zur Neutralisierung. Wer vorbeugen möchte, kann jedoch häufig schon mit einer frischen, saisonalen und nährstoffreichen Ernährung viel erreichen.



Wie viel Obst und Gemüse ist eigentlich empfehlenswert?


Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens 400 Gramm Obst und Gemüse pro Tag, was etwa fünf Portionen entspricht (WHO: Healthy diet – Fact sheet). Das klingt nach viel, lässt sich im Alltag aber gut umsetzen: ein Apfel oder eine Banane zum Frühstück, gekochtes Gemüse zum Mittagessen, eine cremige Gemüsesuppe am Abend – und vielleicht noch eine Handvoll Nüsse zwischendurch.



Obst und Gemüse liefern zudem Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die die Nieren bei ihrer Filterarbeit unterstützen können. Kalium, das etwa in Bananen und Tomaten enthalten ist, spielt eine Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks, während Magnesium die Muskulatur entspannt und mit der Vorbeugung von Nierensteinen in Verbindung gebracht wird. Möchten Sie mehr über pflanzliche Helfer für die Nieren erfahren? Auch das Grün von Karotten wird traditionell für einen nierenfreundlichen Tee verwendet (Rundum gesund: Warum ist das Grün von Karotten gut für die Gesundheit).



Was sagen größere Untersuchungen?


Eine breit angelegte Auswertung von Ernährungsdaten aus über 100.000 Teilnehmenden der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study, kombiniert mit Daten aus 26 weiteren Studien mit insgesamt rund zwei Millionen Menschen, wurde 2021 im Fachjournal *Circulation* von Forschenden der Harvard T.H. Chan School of Public Health veröffentlicht. Wer täglich rund fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich nahm, hatte im Vergleich zu Personen mit nur zwei Portionen ein um 13 % niedrigeres Sterberisiko insgesamt und ein um 12 % niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle (Wang et al., Circulation 2021: Fruit and Vegetable Intake and Mortality). Interessant dabei: Mehr als fünf Portionen brachten laut der Studie keinen zusätzlichen Nutzen mehr – am besten schnitt eine Kombination aus zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse ab.



Auch eine systematische Übersichtsarbeit zu Ernährungsmustern und dem Risiko für chronische Nierenerkrankungen kommt zu dem Schluss, dass ein höherer Anteil an Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie ein geringerer Konsum von rotem Fleisch mit einem niedrigeren CKD-Risiko einhergeht (Systematic review: Dietary patterns and chronic kidney disease risk).



Was passiert bei dauerhaft zu wenig Obst und Gemüse?


Ein Mangel an diesen Lebensmitteln kann die Nieren über lange Zeit hinweg still belasten. Viele Menschen bemerken zunächst gar nichts – bis Rückenschmerzen, Müdigkeit, geschwollene Beine oder erhöhter Blutdruck auftreten. Solche Symptome werden häufig fälschlicherweise dem Alter oder Stress zugeschrieben, obwohl die Ursache mitunter tiefer liegt, nämlich in der täglichen Ernährung.



Hält die Übersäuerung des Körpers dauerhaft an, können sich saure Stoffwechselprodukte anreichern, was langfristig die Nierenfunktion beeinträchtigen kann. Mögliche Folgen sind unter anderem verstärkte Müdigkeit oder ein spürbarer Muskelabbau – sprechen Sie bei solchen Beschwerden am besten mit Ihrem Hausarzt oder einer Ernährungsfachkraft, um die individuelle Ursache abklären zu lassen.



Wie können Sie Ihre Nieren im Alltag unterstützen?


Ein paar einfache Gewohnheiten können helfen, den Nieren etwas Gutes zu tun:



  • Eine warme Gemüsesuppe, besonders in der kälteren Jahreszeit – Suppen aus Lauch, Karotten, Sellerie und Kürbis gelten traditionell als besonders bekömmlich.

  • Kräutertees aus Brennnessel oder Löwenzahn, die volksmedizinisch mit einer unterstützenden Wirkung für die Nierentätigkeit in Verbindung gebracht werden.

  • Gekochte Hirse, die in der Volksmedizin ebenfalls als sanft unterstützend für die Nieren gilt.

  • Ein bewusster fleisch- und milchproduktfreier Tag pro Woche, um dem Körper eine kleine Verschnaufpause zu gönnen.



Naturheilkundliches Wissen aus alter Zeit


In der Volksmedizin werden die Nieren traditionell mit Wasser, Bewegung und Ruhe in Verbindung gebracht – und mit dem Wunsch nach Wärme statt Kälte im unteren Rückenbereich. Auch die Ackerschachtelhalm-Pflanze, reich an Silizium, wird traditionell mit dem Bindegewebe rund um die Nieren in Verbindung gebracht. In der traditionellen chinesischen Medizin gelten die Nieren zudem als Sitz der Lebensenergie, weshalb dort besonderer Wert auf Wärme und eine ausgewogene Ernährung gelegt wird. Wer sich für weitere volksmedizinische Ansätze rund um innere Organe interessiert, findet auch spannende Hintergründe zu Gewürzen wie Zimt, die bei falscher Auswahl Leber und Niere sogar belasten können (Rundum gesund: Schädlicher und gesunder Zimt).



Fazit


Wer langfristig etwas für seine Gesundheit tun möchte, kommt an einem einfachen Prinzip kaum vorbei: mehr Obst und Gemüse im Alltag. Es müssen keine teuren Superfoods aus fernen Ländern sein – ein Apfel, eine rote Bete, eine Karotte oder ein Kopf Brokkoli sind wahre Nährstoffquellen. Die Nieren werden es Ihnen danken. Und mit ihnen wahrscheinlich auch Herz, Leber, Verdauung und Haut.



Werfen Sie also beim nächsten Blick auf Ihren Teller ruhig einen Gedanken darauf: Ist heute genug Grünes und Buntes dabei?


 
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Februar 2015
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