Essen sollte kein Wettkampf sein
In der Volksheilkunde wiederholt sich seit Jahrhunderten eine einfache Wahrheit: Essen soll gekaut werden wie ein Lied, nicht wie ein Befehl. Und in dieser Weisheit steckt ein Wissen, das nun auch Wissenschaftler weltweit bestätigen. Wenn Sie langsam essen, bekommt das Gehirn genug Zeit, um zu erkennen, wann Sie satt sind. Das dauert normalerweise zwischen 15 und 20 Minuten. Wenn Sie also Ihr Mittagessen in fünf Minuten „verschlingen“, wird Ihr Körper Ihnen erst nach 15 Minuten mitteilen, dass es genug ist – aber dann haben Sie schon mehr Kalorien zu sich genommen, als Sie brauchen.
Eine Studie aus dem Magazin Appetite aus dem Jahr 2021, die mehr als 1.000 Kinder untersuchte, zeigte, dass sich sage und schreibe 60 % der schnellen Esser überessen haben. Diese Kinder hatten ein dreimal höheres Risiko für Übergewicht als diejenigen, die langsamer aßen.
Was passiert, wenn Sie zu schnell essen?
Man kann sagen, dass schnelles Essen deutlich mehr Probleme mit sich bringt, als es auf den ersten Blick scheint. In der Volksmedizin glaubt man, dass jeder Bissen mindestens 30-mal die Mundhöhle umrunden sollte, bevor er weiter in den Magen gelangt – und das nicht ohne Grund.
Wenn Sie schnell essen:
- nehmen Sie mehr Kalorien zu sich, als Ihr Körper braucht,
- das Sättigungsgefühl kommt zu spät,
- die Nahrung wird schlechter verdaut (was sich umgangssprachlich in Blähungen, Gasbildung und einem unangenehmen Gefühl im Bauch äußert),
- das Risiko für Krankheiten wie Typ-2-Diabetes steigt stark an.
Eine in Japan durchgeführte Studie, veröffentlicht im Magazin BMJ Open im Jahr 2018, zeigte, dass Menschen, die schnell essen, ein 2,5-fach höheres Risiko für Typ-2-Diabetes haben.
Wenn Essen zum emotionalen Trost wird
Wenn Sie nach einem stressigen Tag schon einmal zur Chipstüte gegriffen haben, kennen Sie emotionales Essen bereits. Das bedeutet, wir essen, um uns zu beruhigen, zu belohnen oder abzulenken – nicht, weil wir wirklich hungrig sind. Und diese Art zu essen ist oft schnell, unüberlegt und häufig mit Schuldgefühlen verbunden.
Laut dem amerikanischen National Institutes of Health (NIH) zeigt sich, dass emotionales Essen bei mehr als 30 % der Erwachsenen mit Gewichtsproblemen vorkommt.
In der Volksheilkunde gab es einen einfachen Rat dafür: Wenn du traurig bist, iss nicht. Geh in die Natur, sprich mit einem Nahestehenden, trinke einen Tee aus Melisse oder Lavendel. Essen soll kein Trost, sondern ein Fest sein.
Metabolisches Syndrom – die stille Bedrohung der modernen Zeit
Sehr schnelles Essen kann auch zum sogenannten metabolischen Syndrom führen. Das ist eine Ansammlung von Problemen – hoher Blutdruck, erhöhter Taillenumfang, erhöhter Blutzucker und gestörter Fettstoffwechsel. Dies ist ein Zustand, der das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes stark erhöht.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen mehr als 25 % der Erwachsenen in Europa Anzeichen eines metabolischen Syndroms – besonders unter denen, die Fast Food konsumieren, ohne Rhythmus und zu schnell essen.
In unseren Gegenden sagten die Großmütter: „Zu schnell leben und noch schneller essen führt zu langsamer Krankheit.“ Eine Weisheit, die man auf jeden Kühlschrank schreiben sollte.
Insulinresistenz – Vorstufe von Diabetes
Wenn wir zu schnell essen, steigt oft der Blutzuckerspiegel. Der Körper beginnt, mehr Insulin auszuschütten, um diesen Zucker zu verarbeiten. Wenn wir das häufig tun, werden die Zellen weniger empfindlich gegenüber Insulin, was zu Insulinresistenz führt.
Das bedeutet, dass der Körper Zucker und Fette nicht mehr effizient speichern kann, was zu ständiger Müdigkeit, Heißhunger auf Süßes und Fettiges sowie Gewichtszunahme führt.
Laut der American Diabetes Association haben mehr als 88 Millionen erwachsene Amerikaner (das ist etwa jeder Dritte) eine Insulinresistenz – und die meisten wissen es nicht einmal!
Probleme mit Magen und Darm
Wenn Sie das Essen nur schlucken und nicht kauen, geben Sie ihm keine Gelegenheit, sich ausreichend mit Speichel zu vermischen, der wichtige Verdauungsenzyme enthält. Das führt zu Blähungen, langsamer Verdauung, Sodbrennen und sogar Verstopfung. In der Volksheilkunde würde man sagen: Sie haben das Essen ins Feuer geworfen, ohne es vorzubereiten.
Interessante Tatsache: Speichel enthält das Enzym Amylase, das bereits im Mund damit beginnt, Kohlenhydrate zu spalten. Wenn Sie das Essen einfach nur schlucken, überspringen Sie diesen Schritt – und belasten damit den Magen.
Wie verlangsamt man das Essen?
Auch wenn es einfach klingt, ist es nicht immer leicht. Aber mit ein paar Tricks können Sie sich das erleichtern:
- Essen Sie nicht vor Bildschirmen.
Beim Essen vor dem Fernseher oder Computer schweifen die Gedanken ab und plötzlich ist der Teller leer, ohne dass man weiß, wann es passiert ist. - Zwischen den Bissen die Gabel ablegen.
So geben Sie dem Körper Zeit, Ihnen zu signalisieren, wann genug ist. - Haben Sie keinen Heißhunger!
Wenn Sie zu lange zwischen den Mahlzeiten warten, essen Sie wie ein Wolf – schnell und gierig. Halten Sie immer ein paar gesunde Snacks bereit. - Trinken Sie Wasser.
Wasser füllt den Magen und verlangsamt Sie auf natürliche Weise. - Kauen Sie mindestens 20-mal.
Eine gute Übung für Selbstdisziplin. In der Volksmedizin hieß es: Lebensmittel, die nicht gekaut werden, sind wie ein Fluss ohne Bett. - Essen Sie ballaststoffreiche Nahrung.
Obst, Gemüse, Nüsse – all das zwingt Sie zu langsamerem Essen und hilft gleichzeitig bei der Verdauung.
Laut einer Studie der Harvard School of Public Health senken Ballaststoffe das Risiko für Herzerkrankungen um 25 bis 30 % und helfen auch beim Gewichtsausgleich.
Essen soll wieder ein Fest werden
Wenn wir Ihnen einen Rat mitgeben können, den es sich zu merken lohnt, dann diesen: Die Mahlzeit soll ein Ereignis sein, keine Pflicht. Essen ist nicht nur Treibstoff, sondern eine Verbindung mit dem Leben, mit der Natur und mit sich selbst. Langsames Essen ist nicht nur gesund, sondern auch magisch. Wie unsere Vorfahren sagten: Mit Ruhe kommt man weit – noch weiter, wenn man sich Zeit für ein gutes Essen nimmt.
Und zum Schluss noch ein Tipp unserer Großmütter: Wenn du nicht genießt, Brot zu essen, wirst du nie satt werden.























