- Vibrations-Trainingsplattformen – wenn der Körper zittert, wächst die Gesundheit?
Wenn Sie vor einem Jahrzehnt an einem Fitnessstudio vorbeigefahren sind und jemanden mit ernstem Gesichtsausdruck auf einer Metallplatte zittern sahen, haben Sie sich wohl Ihren Teil gedacht. Vielleicht sogar, dass das eine Trenderscheinung ohne echten Effekt ist. Heutzutage jedoch sind die Vibrations-Trainingsplattformen – Geräte, auf denen man steht und dabei vom ganzen Körper durch Schwingungen „durchgeschüttelt“ wird – auch in Fachkreisen immer anerkannter. Die Idee ist einfach: Man steht auf einer vibrierenden Platte, und der Körper erhält dadurch einen zusätzlichen Reiz.
Diese Vibrationen sind nicht einfach willkürlich – sie bewegen sich im Bereich von 15 bis 60 Hz, also 15 bis 60 Schwingungen pro Sekunde. Eine Studie aus dem Journal of Bone and Mineral Research zeigte, dass die regelmäßige Nutzung solcher Geräte bei Frauen in der Menopause die Knochendichte erhöht – also gesündere und weniger bruchanfällige Knochen bedeutet. Auch die Muskeln profitieren davon. In einer Studie aus dem Jahr 2017, veröffentlicht im International Journal of Sports Science, verbesserten die Teilnehmer, die 10 Minuten täglich auf der Vibrationsplatte standen, ihre Muskelkraft in einem Monat um ganze 12%. Der genaue Grund dafür ist nicht geklärt, doch die Forscher vermuten, dass Vibrationen zu einer stärkeren Aktivierung der Muskelfasern führen. Man könnte sagen, das ist eine moderne Version unserer alten ländlichen Mühen – damals wurden die Muskeln schon durch das Gehen über wackelige Stege oder das Arbeiten am steilen Hang beansprucht. - Barfußlauf – zurück zur Natur, vorwärts zur Gesundheit
Laufen ohne Schuhe? Klingt nach einem Rezept für blutige Fußsohlen – aber warten Sie ab. Bevor man Laufschuhe erfand, liefen unsere Vorfahren tausende Jahre lang barfuß – auf Gras, Sand, Steinen. Und siehe da: Die meisten hatten keine Probleme mit Knie oder Rücken. Die heutigen Turnschuhe zwingen uns, auf der Ferse zu landen, was eine sogenannte Stoßwelle auslöst – einen Schock, der sich vom Knöchel übers Knie und die Hüfte bis in die Wirbelsäule fortsetzt. Eine 2010 an der Harvard-Universität unter Leitung des bekannten Biomechanikers Dr. Daniel Lieberman durchgeführte Studie zeigte, dass Barfußläufer natürlicher auftreten – eher auf dem Vorder- oder äußeren Rand des Fußes – was die Gelenke entlastet. Noch eine interessante
Info: Eine Studie, veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, zeigte, dass Läufer, die gelegentlich barfuß trainieren, von bis zu 30% weniger Verletzungen berichten – vor allem wegen verbessertem Gleichgewicht und gestärkter Fußmuskulatur. Natürlich ist Barfußlauf nicht für jeden geeignet, und schon gar nicht auf dem Stadtasphalt. Fangen Sie langsam an – zunächst auf Gras, dann auf härteren, aber sauberen Untergründen. - Zungenreinigung – mehr als nur frischer Atem
Sicherlich haben Sie schon die raue Rückseite einer Zahnbürste gesehen und sich gefragt, wozu diese überhaupt gut ist. Vielleicht dachten Sie, das sei ein Trick der Hersteller, um Ihnen mehr zu verkaufen. Doch tatsächlich kannten dies schon unsere Omas – die Zunge ist ein wahres Biotop für Bakterien, die schlechten Atem und Krankheiten verursachen. Auf der Zunge sammeln sich Speisereste, abgestorbene Zellen und Bakterien an – besonders anaerobe Bakterien, die ohne Sauerstoff gedeihen und Schwefelverbindungen abgeben. Diese sind maßgeblich für Mundgeruch verantwortlich.
Laut einer im Journal of Periodontology veröffentlichten Studie stammen 80 bis 90% der Fälle von Mundgeruch tatsächlich von der Zunge. Regelmäßiges Reinigen der Zunge – morgens und abends – kann die Bakterienbelastung im Mund reduzieren, das Kariesrisiko senken und sogar Erkältungen vorbeugen, da viele Krankheiten im Mundraum beginnen. In der Ayurveda (der alten indischen Heilkunst) wird diese Praxis seit Jahrtausenden gepflegt – dort verwendet man metallene Zungenschaber, die inzwischen auch bei uns erhältlich sind. Haben Sie so einen nicht, nehmen Sie einfach die Rückseite der Zahnbürste – besser als nichts. - Stuhltransplantation – Gesundheit aus dem ... hm ... Hintern?
Wir geben zu, das klingt eklig. Aber wenn Sie denken, das sei ein Witz, liegen Sie falsch. In der Medizin gibt es den Vorgang der Stuhltransplantation, fachlich als fäkale Bakterientherapie bezeichnet. Dabei wird einem Patienten gesundes Spenderstuhlmaterial – meist in Kapselform, manchmal aber auch über einen Schlauch durch die Nase oder rektal – in den Darm eingebracht. Das Ziel? Den Darm erneut mit nützlichen Bakterien bevölkern. Unser Darm enthält nämlich rund 100 Billionen Mikroorganismen, das sind zehnmal mehr als alle Körperzellen zusammen.
Wird dieses Gleichgewicht durch Antibiotika, Stress oder ungünstige Ernährung gestört, treten Probleme auf – von chronischem Durchfall bis zu Stoffwechselerkrankungen. Studien aus Australien und den USA zeigen, dass eine Stuhltransplantation in 85% der Fälle eine Infektion mit Clostridium difficile heilt – einem hartnäckigen Bakterium, das schwere Verdauungsprobleme verursacht. Noch überraschender: Forscher der University of Adelaide fanden auch eine Verbesserung der Symptome bei Typ-2-Diabetikern und sogar bei Parkinson – was darauf hinweist, dass die Darmflora auch das Gehirn beeinflusst. - Parasiten – unerwartete Verbündete?
Wenn wir das Wort Parasit hören, denken wir zuerst an Würmer, Bandwürmer und anderes Unangenehmes, das wir loswerden wollten. Doch hier gibt es eine interessante Erkenntnis: Unsere Vorfahren sahen manche Darmparasiten nicht als Feinde, sondern als Teil des natürlichen Gleichgewichts. Und die Wissenschaft gibt ihnen recht. In den letzten Jahrzehnten beobachteten Forscher eine Zunahme von Allergien, Asthma und Autoimmunkrankheiten (wie Morbus Crohn und Multiple Sklerose), und zwar gerade in Ländern mit den höchsten Hygienestandards, wo es fast keine Parasiten mehr gibt. Vereinfacht gesagt – unser Immunsystem hat niemanden mehr zum „Trainieren“ und beginnt, den eigenen Körper anzugreifen.
Die sogenannte Hygiene-Hypothese meint, dass leichte Parasiteninfektionen dem Immunsystem sogar nützlich sein können, da sie es regulieren. In einer Studie aus Uganda aus dem Jahr 2005, veröffentlicht im Journal of Allergy and Clinical Immunology, zeigten Forscher, dass Kinder, die Würmer in sich trugen, weniger Allergien hatten als diejenigen, die regelmäßig entwurmt wurden. Natürlich heißt das nicht, sich absichtlich mit Parasiten anstecken zu sollen – aber es zeigt, dass die Natur vielleicht mehr weiß, als wir denken.
Manchmal ist die Weisheit vergangener Zeiten, die heute komisch oder sogar dumm erscheint, tatsächlich fortschrittlicher, als wir denken. Von Vibrationen, die Muskeln und Knochen stärken, über das Gehen ohne Schuhe, das die Biomechanik verbessert, bis zur Zungenreinigung und der Wiederentdeckung der gesunden Rolle der Bakterien – all das zeigt, dass scheinbar bizarre Praktiken sehr effektiv sein können.
Die Volksmedizin lehrt uns, nicht alles nach modernen Maßstäben zu bewerten. Was heute lächerlich erscheint, könnte morgen die Empfehlung Ihres Arztes sein. Und ehrlich gesagt – so ähnlich ist es bereits geschehen, etwa mit Tonerde, Essig, Ingwer und sogar Blutegeln.













