- Grapefruitsaft: Gesundheit im Glas oder stille Gefahr?
Es klingt beinahe ironisch: Die Grapefruit, die dafür bekannt ist, den Körper zu reinigen, das Immunsystem zu stärken und die Verdauung zu regulieren, kann für ziemliche Verwirrung sorgen, wenn man bestimmte Medikamente einnimmt. Grapefruitsaft enthält Stoffe namens Furanocumarine. Obwohl sie wie Hexentrank klingen, handelt es sich um natürliche Verbindungen, die das Enzym CYP3A4 im Darm hemmen. Dieses Enzym hat eine wichtige Aufgabe – es sorgt dafür, dass das Medikament über die Leber abgebaut wird, noch bevor es vollständig ins Blut gelangt.
Fehlt dieses Enzym oder wird es durch Grapefruitsaft vorübergehend inaktiviert, passiert Folgendes: Das Medikament gelangt viel schneller und in größerer Menge ins Blut. Das bedeutet, die Wirkung wird zu stark. Forscher der kanadischen Universität Ontario haben schon vor Jahren veröffentlicht, dass Grapefruitsaft die Wirkung von mehr als 85 verschiedenen Medikamenten beeinflussen kann. Darunter sind Medikamente zur Cholesterinsenkung (z.?B. Statine), Mittel gegen hohen Blutdruck (z.?B. Calciumkanalblocker), Mittel gegen Angststörungen (Benzodiazepine) und sogar einige Immunsuppressiva.
Schon ein einziges Glas (200 ml) Grapefruitsaft kann dazu führen, dass die Konzentration der Medikamente im Blut bis auf das Dreifache steigt – was für viele bereits gefährlich ist. In der Praxis bedeutet das mehr Nebenwirkungen, von Schwindel bis zu Leberschäden. - Bananen: Die Kaliumköniginnen, die überraschen können
Bananen sind die erste Wahl für Sportler, Großmütter und alle, die sich natürliche Energie ohne Energydrinks wünschen. Sie enthalten viel Kalium – etwa 422 mg pro mittelgroße Banane, was rund 9?% der empfohlenen Tagesdosis entspricht.
Doch Menschen, die Blutdrucksenker nehmen, sollten vorsichtig sein. Besonders gilt das für sogenannte ACE-Hemmer wie Enalapril und Ramipril. Diese Medikamente helfen zwar, die Gefäße zu entspannen und den Blutdruck zu senken, erhöhen aber auch von selbst den Kaliumspiegel im Blut. Wer dazu noch viel Bananen, Orangen oder Spinat isst, kann einen zu hohen Kaliumwert erreichen.
Die Folge? Es kann zu Herzrhythmusstörungen kommen, die oft damit beginnen, dass das Herz scheinbar „aussetzt“ oder „hämmert“. Eine Studie, veröffentlicht im American Journal of Medicine, zeigte, dass bei Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen und viele kaliumreiche Lebensmittel konsumieren, das Risiko für Herzprobleme mehr als dreimal so hoch ist.
Bananen verbergen aber noch etwas: Tyramin. Das ist ein natürlicher Stoff, der auch in Rotwein, gereiftem Käse, Soja und Wurstwaren vorkommt. Tyramin kann bei Menschen, die sogenannte MAO-Hemmer einnehmen – das sind ältere, aber immer noch gebräuchliche Mittel gegen Depressionen – einen gefährlichen Blutdruckanstieg verursachen. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte lieber zu einem Apfel statt zu einer Banane greifen. - Spinat: Verbündeter der Gesundheit oder Hindernis bei der Therapie?
Unsere Großeltern haben auf Spinat geschworen – zu Recht. Er ist reich an Vitamin K, das der Körper für den Knochenbau, die Leberfunktion und die Blutgerinnung braucht. Doch genau da liegt das Problem.
Wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente nehmen – das bekannteste ist Warfarin – kann Vitamin K deren Wirkung verringern. Warfarin hemmt die Wirkung von Vitamin K, damit das Blut nicht zu dick wird und Gerinnsel verursacht. Wenn Sie jedoch durch Spinat, Brokkoli oder Grünkohl größere Mengen dieses Vitamins aufnehmen, können Sie die Wirkung des Medikaments neutralisieren.
Manche Patienten, die Warfarin einnehmen, erleben Blutungen, andere dagegen eine gefährliche Blutgerinnung. Eine Studie im British Journal of Clinical Pharmacology zeigte, dass bei 40?% der Warfarin-Patienten der INR-Wert (also wie schnell das Blut gerinnt) wegen der Ernährungsgewohnheiten nicht stabil ist.
Das heißt nicht, dass Sie auf Spinat ganz verzichten müssen, aber es ist wichtig, die Zufuhr an Vitamin K gleichmäßig zu halten. Wenn Sie dreimal pro Woche Spinat essen, sollte das regelmäßig sein und nicht so, dass Sie fünf Tage hintereinander viel essen und dann zwei Wochen lang gar keinen. - Ballaststoffe: Wunderbar für die Verdauung, aber sie können Medikamente verlangsamen
Auch wir sind große Befürworter von Ballaststoffen – sie helfen der Verdauung, regulieren den Blutzucker und senken den Cholesterinspiegel. Vollkornbrot, Bohnen, Äpfel, Haferflocken – all das lieben Herz und Darm.
Aber auch hier gibt es eine Falle. Ballaststoffe verlangsamen die Magenentleerung und somit auch die Aufnahme von Medikamenten. Wenn Sie z.?B. ein Antibiotikum einnehmen und gleichzeitig einen Vollkornriegel essen, kann es passieren, dass das Medikament nicht schnell genug oder in ausreichend hoher Konzentration ins Blut gelangt.
Besonders empfindlich sind darauf manche Antibiotika wie Tetrazykline und Chinolone. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat in den letzten zehn Jahren mehrfach gewarnt, dass Ballaststoffe, aber auch Calcium, Magnesium und Eisen, die Wirksamkeit von Antibiotika um mehr als 50?% vermindern können. Deshalb empfehlen Ärzte, dass Medikamente mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer ballaststoffreichen Mahlzeit eingenommen werden sollten.
Wie geht es weiter?
Im Alltag machen wir oft Fehler, weil uns niemand rechtzeitig darauf hingewiesen hat. Lebensmittel und Medikamente „verstehen“ sich manchmal nicht, und obwohl beides an sich gesund ist, kann eine falsche Kombination schaden.
Es geht nicht darum, Obst, Gemüse oder Ballaststoffe gar nicht mehr zu essen. Entscheidend ist zu wissen, wie man sie kombiniert, wann man Medikamente nimmt und wann man welches Lebensmittel genießt. Und natürlich gilt: Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker.
Zum Schluss noch ein Tipp aus der Volksweisheit: Wer weiß, was er in den Mund steckt, braucht nicht immer Medikamente. Manchmal kann schon das Bewusstsein, was und wann wir etwas essen, mehr bewirken als die teuerste Tablette.













