Wussten Sie, dass in einem einzigen Kubikzentimeter eines gebrauchten Küchenschwamms bis zu 50 Milliarden Bakterien leben können? Das ergab eine Untersuchung der Hochschule Furtwangen. Und der Schwamm ist nur einer von vielen Gegenständen, die wir tagtäglich anfassen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden. Händehygiene ist die halbe Gesundheit – dieser alte Satz ist aktueller denn je.
Ein Arzt, der seiner Zeit voraus war
Wie viel saubere Hände bewirken können, zeigte bereits im Jahr 1847 der Arzt Ignaz Semmelweis am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Ihm fiel auf, dass auf der Station, auf der Ärzte direkt von der Leichenhalle zu den Gebärenden kamen, auffallend viele junge Mütter am sogenannten Kindbettfieber starben. Er führte für seine Kollegen die Pflicht ein, sich die Hände mit Chlorkalklösung zu reinigen – und die Sterblichkeit sank deutlich. Zu Lebzeiten wurde er von vielen Kollegen belächelt, heute gilt er als „Retter der Mütter“ und als Wegbereiter der modernen Händehygiene.
Eine Leserin, die als Kassiererin in einem Supermarkt arbeitet, schrieb uns: „Früher war ich jeden Winter mehrmals erkältet. Seit ich in jeder Pause konsequent die Hände wasche und mir nicht mehr ständig ins Gesicht fasse, habe ich das Gefühl, viel besser durch die kalte Jahreszeit zu kommen.“ Eine Einzelerfahrung – aber eine, die sich mit den Empfehlungen der Fachleute deckt.
Warum gerade die Hände so wichtig sind
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird ein großer Teil der Infektionskrankheiten über die Hände übertragen – darauf weist unter anderem das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen hin. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kann gründliches Händewaschen die Zahl der Keime an den Händen auf bis zu ein Tausendstel senken.
Jedes Mal, wenn Sie einen der unten genannten Gegenstände berühren, denken Sie daran, sich danach gründlich die Hände zu waschen. Entscheidend ist dabei nicht heißes Wasser, sondern Seife und Zeit: Wie t-online unter Berufung auf eine Studie berichtet, spielt die Wassertemperatur für die Hygiene kaum eine Rolle – angenehm warmes Wasser hat aber den Vorteil, dass man die Hände lieber und länger wäscht. Fachleute empfehlen, die Hände mindestens 20 bis 30 Sekunden lang rundum einzuseifen, wie auch das Deutsche Ärzteblatt berichtet.
Noch wichtiger ist es, nach dem Kontakt mit möglichen Keimquellen nicht Mund, Augen oder Nase zu berühren. Auch wenn es juckt: Lieber kurz abwarten. Die Schleimhäute im Gesicht sind offene Türen, durch die Erreger in unseren Körper gelangen können.
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1. Geld
Jedes Mal, wenn Sie Banknoten oder Münzen in die Hand nehmen, denken Sie daran, durch wie viele Hände sie gegangen sind, bevor sie bei Ihnen gelandet sind. Auf Geldscheinen finden sich unzählige Mikroorganismen. Forscher der New York University haben im Rahmen ihres „Dirty Money Project“ das Erbgut auf Banknoten untersucht und dabei rund 3.000 verschiedene Arten von Bakterien entdeckt. Die meisten davon sind harmlos, doch Geld ist ein typischer Gegenstand, der viele Hände berührt und kaum je gereinigt wird. Darum gilt: Nach dem Bezahlen, besonders vor dem Essen, die Hände waschen – und Geldscheine niemals zwischen die Lippen nehmen, wie man es manchmal beim Kramen im Portemonnaie sieht.
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2. Computertastatur
Computertastaturen gehören zu den Gegenständen, die wir besonders häufig berühren und besonders selten putzen. Zwischen den Tasten sammeln sich Krümel, Hautschuppen und Staub – ein angenehmes Zuhause für Bakterien, Viren und Pilze. Problematisch wird es vor allem bei Tastaturen, die von mehreren Personen benutzt werden, etwa im Büro, in der Bibliothek oder im Internetcaf{-15447}. Halten Sie sich an eine einfache Regel: Eine gemeinsam genutzte Tastatur sollte regelmäßig mit einem leicht feuchten Tuch abgewischt werden, und nach der Benutzung fremder Geräte heißt es: Hände waschen. Wer am Schreibtisch isst, sollte das möglichst vermeiden – Essensreste sind ein Festmahl für Mikroben.
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3. Mobiltelefon
Wann haben Sie Ihr Handy zuletzt gründlich gereinigt? Die meisten tun das nie. Dabei begleitet es uns überallhin – ins Bad, in die Küche, in Bus und Bahn – und wird danach wieder ans Gesicht gehalten. Mehrere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass auf Smartphones oft mehr Keime zu finden sind als auf einem Toilettensitz. Mehr dazu lesen Sie im Rundgesund.com-Artikel „Nicht die Toilette ist das Keim-Zentrum Ihrer Wohnung – es ist Ihr Handy“. Die meisten gefundenen Bakterien gelten zwar als harmlos, doch ein bewusster Umgang schadet nicht. Leihen Sie Ihr Telefon nicht ständig aus, nehmen Sie es nicht mit auf die Toilette und wischen Sie es regelmäßig mit einem feuchten, milden Reinigungstuch ab – am besten einmal pro Woche, in der Erkältungszeit auch öfter.
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4. Toilettenschüssel
Die Qualität öffentlicher Toiletten hat sich im letzten Jahrzehnt deutlich verbessert, trotzdem sind sie ein Ort, an dem sich vor allem in der Grippe- und Erkältungszeit viele Menschen und damit viele Erreger begegnen. Die gute Nachricht: Die Klobrille selbst ist meist nicht der größte Keimherd. Wie die Stuttgarter Zeitung erklärt, sind Toilettensitze trocken und kühl – Bakterien bevorzugen es jedoch feucht und warm. Auch die Angst, sich auf einer öffentlichen Toilette mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken, ist nach heutigem Wissen weitgehend unbegründet. Viel wichtiger sind die Flächen, die viele Hände berühren: Spültaste, Türriegel, Seifenspender und Wasserhahn. Kann man sich also auf einer öffentlichen Toilette schützen? Ja – vor allem durch gründliches Händewaschen und indem man das Gesicht nicht berührt, bevor die Hände sauber sind.
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5. Wasserhahn
Auch wenn Sie sich auf der Toilette die Hände waschen, bedenken Sie: Den Wasserhahn haben Sie mit schmutzigen Händen aufgedreht. Drehen Sie ihn mit frisch gewaschenen Händen wieder zu, kann ein Teil der Mühe zunichtegemacht werden. Wasserhähne zählen zu den Stellen, an denen Fachleute häufig Darmbakterien wie E. coli nachweisen. Hinzu kommt, dass es rund um den Wasserhahn fast immer feucht ist – ideale Bedingungen für Keime. Ein einfacher Trick: Schließen Sie den Hahn mit dem Papierhandtuch, mit dem Sie sich die Hände abgetrocknet haben. Wie Carola Ilschner vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn betont, gehören Spülbecken samt Armaturen auch zu Hause zu den bekanntesten Keimquellen in der Küche.
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6. Küchenschwämme
Stellen Sie sich eine Kombination aus Toilettenschüssel und Wasserhahn vor. Küchenschwämme sind ständig feucht, warm und voller Essensreste, und Bakterien finden in ihren unzähligen winzigen Poren perfekte Verstecke. Der Mikrobiologe Prof. Dr. Markus Egert von der Hochschule Furtwangen bezeichnet den Küchenschwamm laut watson.de als den wahrscheinlich am dichtesten von Keimen besiedelten Gegenstand im Haushalt. Neben harmlosen Mikroben können darin auch Salmonellen, Listerien oder E. coli vorkommen.
Deshalb ist ein regelmäßiger Wechsel wichtig – und zwar viel häufiger, als die meisten denken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt laut Öko-Test, Spüllappen mindestens einmal pro Woche zu wechseln und einen Schwamm nach dem Abwischen von rohem Fleisch am besten gleich zu entsorgen. Wer den Schwamm zwischendurch reinigen möchte, kann ihn mindestens zwei Minuten lang in über 70 {-15696}C heißes Wasser legen. Vom „Sterilisieren“ in der Mikrowelle raten Fachleute dagegen eher ab. Hygienischer sind Spülbürsten oder waschbare Tücher, die regelmäßig heiß gewaschen werden.
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7. Türklinken und Haltegriffe
Jedes Mal, wenn Sie eine Türklinke anfassen, findet ein Austausch von Bakterien statt. Vielleicht wussten Sie es nicht, aber manche Bakterien überleben auf Klinken und Griffen problemlos 18 Stunden – eine Übersichtsarbeit im Fachjournal BMC Infectious Diseases zeigt sogar, dass einige Erreger auf trockenen Oberflächen Tage bis Wochen überdauern können. Besonders betroffen sind Griffe, die sehr viele Menschen anfassen: Einkaufswagen, Haltestangen in Bussen und Straßenbahnen sowie Handläufe von Rolltreppen. Heißt das, dass man in Zeiten von Grippewellen keine Türen mehr öffnen darf? Natürlich nicht. Aber berühren Sie danach nicht mit den Fingern Ihren Mund, und waschen Sie sich die Hände, sobald Sie nach Hause kommen.
Ernährung als zweite Schutzlinie
Als Ernährungsfachleute wissen wir: Hygiene ist die erste Verteidigungslinie, eine ausgewogene Ernährung kann die zweite sein. Viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte liefern Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe, die zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen können. Wie die Helios Kliniken zusammenfassen, können ausgewogene Ernährung, erholsamer Schlaf und regelmäßige Bewegung die eigenen Abwehrkräfte unterstützen. Kein Lebensmittel ersetzt jedoch saubere Hände.
Nicht übertreiben: Gesunde Hygiene statt Keimpanik
Bei aller Vorsicht gilt: Eine völlig keimfreie Umgebung ist weder möglich noch notwendig. Die meisten Bakterien sind harmlos oder sogar nützlich. Auf gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, wird betont, dass Desinfektionsmittel im normalen Haushalt in der Regel nicht nötig sind. Gründliches Händewaschen und regelmäßiges Putzen reichen im Alltag meist völlig aus.
Häufige Fragen
Muss ich mir die Hände mit heißem Wasser waschen?
Nein. Wichtiger als die Temperatur sind Seife und ausreichend Zeit – rund 20 bis 30 Sekunden.
Wie oft sollte ich meinen Küchenschwamm wechseln?
Fachleute empfehlen mindestens einmal pro Woche, nach Kontakt mit rohem Fleisch sofort.
Brauche ich zu Hause Desinfektionsmittel?
Für gesunde Menschen meist nicht. Ausnahmen können etwa bestehen, wenn eine erkrankte Person im Haushalt lebt – dann ist ärztlicher Rat sinnvoll.
Händehygiene ist mit Sicherheit die halbe Gesundheit.

























