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Als die Geochemikerin Jane Plant die Milch strich, wurden ihre Tumore weicher und kleiner – was ist damals wirklich geschehen?Als die Geochemikerin Jane Plant die Milch strich, wurden ihre Tumore weicher und kleiner – was ist damals wirklich geschehen?Als die Geochemikerin Jane Plant die Milch strich, wurden ihre Tumore weicher und kleiner – was ist damals wirklich geschehen?Als die Geochemikerin Jane Plant die Milch strich, wurden ihre Tumore weicher und kleiner – was ist damals wirklich geschehen?Als die Geochemikerin Jane Plant die Milch strich, wurden ihre Tumore weicher und kleiner – was ist damals wirklich geschehen?


Datum: 2. NOV 26 - GUT ZU WISSEN
Als die Geochemikerin Jane Plant die Milch strich, wurden ihre Tumore weicher und kleiner – was ist damals wirklich geschehen?
Eine britische Wissenschaftlerin verzichtete während ihrer Krebsbehandlung auf alle Milchprodukte und stellte ihre Ernährung nach asiatischem Vorbild um. Ihre Geschichte bewegt bis heute Millionen Leser ...

Sechs Wochen ohne einen Tropfen Milch, ohne Joghurt, ohne Käse – und dann die Nachricht der Ärzte: Die Tumore sind noch da, aber deutlich weicher und kleiner. Für Jane Plant war dieser Moment ein Wendepunkt. Für die Medizin wurde er zu einer Frage, über die bis heute gestritten wird: Kann das, was auf unserem Teller liegt, im Kampf gegen Brustkrebs eine Rolle spielen?



Die Frau hinter der Geschichte: eine Spitzenforscherin, keine Wunderheilerin



Jane Plant war keine Unbekannte. Die Britin gehörte zu den führenden Geochemikerinnen ihrer Generation, arbeitete jahrzehntelang beim British Geological Survey, erhielt 1997 den Orden Commander of the British Empire und baute dort den Forschungsbereich Umwelt und Gesundheit auf. Ihr Lebensweg ist unter anderem im Nachruf der Geological Society of London und auf der Gedenkseite der Association of Applied Geochemists ausführlich beschrieben.



Als bei Jane Plant im Alter von 42 Jahren Brustkrebs festgestellt wurde, dachte sie, dass ihre Laufbahn als Wissenschaftlerin vorbei sei und es mit ihrer Gesundheit nur noch bergab gehen würde. Doch es kam anders. Sie entdeckte den Knoten 1987 während einer Fachtagung in Kanada. Es folgten Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien – und dennoch kehrte der Krebs immer wieder zurück. 1993, beim fünften Rückfall, waren die Aussichten nach Angaben ihrer Wegbegleiter düster.



Ihr Buch über diese Erfahrung, „Your Life in Your Hands“ (Ihr Leben in Ihren Händen), verkaufte sich rund zwei Millionen Mal und wurde in 25 Sprachen übersetzt. Tausende Krebspatientinnen schrieben ihr Briefe und baten um Rat – das berichtet unter anderem die englischsprachige Wikipedia, die sich auf britische Zeitungen wie The Times und The Independent stützt.



Eine Reise nach China und eine einfache Frage



Gerade in der Zeit, als Jane die schwersten Momente durchlebte, erinnerte sich ihr Mann Peter Simpson – ebenfalls Geologe – an ihre gemeinsamen Arbeitsaufenthalte in China. Dort war ihnen aufgefallen, dass Brustkrebs unter chinesischen Frauen damals deutlich seltener war als in Großbritannien. Nach Angaben des Nachrufs im Fachblatt Mineralogical Magazine stellte sich das Ehepaar eine einfache Frage: Warum erkranken Frauen in China seltener, und warum steigt ihr Risiko, sobald sie in den Westen ziehen und sich westlich ernähren?



Das Ehepaar Plant steckte all seine Energie in die Untersuchung der Speisepläne. Doch die Antwort schien nicht darin zu liegen, was in China gegessen wurde, sondern darin, was fehlte. Peter erinnerte sich, dass sie in China Milch praktisch nur als Pulver bekommen hatten. Die naheliegende Schlussfolgerung des Paares: Milch und Milchprodukte spielten in der traditionellen chinesischen Küche kaum eine Rolle.



Wussten Sie, dass Brustkrebs heute auch in China die häufigste Krebserkrankung bei Frauen ist?



Hier muss die Geschichte ehrlich ergänzt werden: Die oft zitierte Behauptung, in China kenne man Brustkrebs „praktisch nicht“, stimmt heute nicht mehr. Laut den Daten der Weltgesundheitsorganisation (Krebsdatenbank GLOBOCAN 2022 der IARC) wurden in China im Jahr 2022 rund 357.000 neue Fälle registriert. Nach der Übersicht des World Cancer Research Fund liegt die altersbereinigte Rate mit etwa 33 Fällen je 100.000 Frauen aber immer noch deutlich unter jener in Deutschland (rund 77). Eine im Chinese Medical Journal veröffentlichte Auswertung zeigt zudem, dass die Zahlen mit wachsendem Wohlstand und älter werdender Bevölkerung steigen – und dass in China auch seltener Vorsorgeuntersuchungen stattfinden, was die Statistik beeinflusst.



Kleine Portionen, viel Abwechslung



Von Chinesen sagt man, dass sie beim Essen kaum übertreiben. Ihre traditionelle Ernährungsweise setzt auf kleine Portionen und große Vielfalt: viel Gemüse, Reis, Hülsenfrüchte, Tofu, Pilze und Tee. Milchprodukte spielen in der klassischen Küche eine geringe Rolle – unter anderem deshalb, weil sehr viele Erwachsene in Ostasien Milchzucker nur schlecht verdauen. Bei Milchprodukten herrscht dort vielerorts die Ansicht, dass der Westen übertreibt; ein Joghurt jeden Morgen gehört in der traditionellen Küche jedenfalls nicht zum Pflichtprogramm.



Wer neugierig ist, wie eine solche Küche im Alltag aussieht, findet Anregungen in unserem Artikel Reis als Diät? Ein bekanntes asiatisches Rezept, das der Westen gerade erst entdeckt … sowie in Kurkuma und Blumenkohl zusammen: eine Kombination, die Forscher und Feinschmecker gleichermaßen begeistert.



Milchzucker: keine Allergie, sondern eine Frage der Verdauung



Im ursprünglichen Text hieß es, Milch sei bei rund 70 Prozent der Bevölkerung der Hauptauslöser von Allergien. Das ist so nicht richtig, und hier lohnt sich eine Klarstellung: Eine echte Milcheiweißallergie ist vergleichsweise selten. Weit verbreitet ist dagegen die Laktoseintoleranz, also eine verminderte Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen. Laut dem staatlichen Gesundheitsportal gesund.bund.de betrifft sie in Europa etwa 5 bis 15 Prozent der Menschen, weltweit und besonders in Asien und Afrika jedoch die Mehrheit der Erwachsenen. Typisch sind Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall – unangenehm, aber keine Allergie.



Ob und in welcher Menge Ihnen Milch bekommt, erklären wir ausführlich in Ein Glas Milch: Wer darf es trinken, wer besser nicht – und wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?



Sechs Wochen ohne Milch – und dann der Befund



Kurz nach dieser Überlegung, noch während der Chemotherapie, strich Frau Plant Milch und sämtliche Milchprodukte vollständig von ihrem Speiseplan und ernährte sich überwiegend pflanzlich. Nach sechs Wochen wiederholten die Ärzte alle Untersuchungen. Die Tumore befanden sich zwar noch an denselben Stellen, waren aber deutlich weicher und kleiner. Die Ärzte schrieben den Erfolg natürlich der Chemotherapie zu.



Jane Plant selbst war überzeugt, dass ihre Ernährungsumstellung entscheidend mitgeholfen hatte. Wichtig ist jedoch: Sie hat die schulmedizinische Behandlung nie abgebrochen. Sie empfahl Betroffenen ausdrücklich, die ärztliche Therapie fortzusetzen und die Ernährung lediglich ergänzend anzupassen. Welcher Anteil des Erfolgs auf welche Maßnahme zurückging, lässt sich im Nachhinein nicht klären – genau das macht ihren Fall wissenschaftlich so schwer zu bewerten.



Nach ihren eigenen Angaben blieb sie danach viele Jahre krebsfrei. Später kehrte die Krankheit zurück. Jane Plant starb am 4. März 2016 im Alter von 71 Jahren an einem Blutgerinnsel nach einer Chemotherapie. Ein „Wunder“ im eigentlichen Sinn war ihre Geschichte also nicht – wohl aber das bemerkenswerte Zeugnis einer Frau, die sich als Wissenschaftlerin nicht damit abfinden wollte, nur passive Patientin zu sein.



Was sagt die Forschung heute?



Die Fachwelt war in Bezug auf Jane Plants Theorie von Anfang an zurückhaltend, und auch heute gibt es keine eindeutige Antwort. Die Studienlage ist widersprüchlich:




  • Hinweise auf ein möglicherweise höheres Risiko: Eine große Langzeitstudie mit rund 510.000 Erwachsenen aus der China Kadoorie Biobank, durchgeführt von der Universität Oxford, der Universität Peking und der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, wurde 2022 im Fachblatt BMC Medicine veröffentlicht. Bei Teilnehmern, die regelmäßig Milchprodukte verzehrten, war das Risiko für Leberkrebs und Brustkrebs bei Frauen statistisch erhöht. Die Forscher betonten auf der Seite der Universität Oxford jedoch, dass ein Zusammenhang noch keine Ursache beweist und man allein deswegen nicht auf Milchprodukte verzichten sollte.

  • Hinweise auf keinen Zusammenhang: Eine gemeinsame Auswertung von Daten aus mehr als einer Million Frauen, erschienen im American Journal of Clinical Nutrition, fand keinen Hinweis darauf, dass Milchprodukte das Brustkrebsrisiko erhöhen. Bei einer bestimmten Brustkrebsform deuteten die Daten sogar eher auf ein etwas geringeres Risiko hin, wie das Apothekenportal aponet.de zusammenfasst.

  • Die Einschätzung deutscher Fachleute: Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums sieht nach dem derzeitigen Wissensstand keinen Grund, wegen eines möglichen Brustkrebsrisikos auf Kuhmilch zu verzichten, wie apotheke adhoc berichtet. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt weiterhin täglich Milch und Milchprodukte als Teil einer ausgewogenen Ernährung.



Diskutiert werden mögliche Mechanismen wie der Wachstumsfaktor IGF-1 oder natürliche Hormone in Kuhmilch – diese Fragen sind aber Gegenstand laufender Forschung und keineswegs geklärt. Einen kritischen Faktencheck zur viral verbreiteten Version der Geschichte hat übrigens das Netzwerk SEE Check veröffentlicht.



Was Sie aus der Geschichte mitnehmen können



Ob Jane Plant und ihr Mann (unwissentlich?) einem wichtigen Zusammenhang auf der Spur waren, wird die Forschung zeigen. Unbestritten ist dagegen, dass eine abwechslungsreiche, überwiegend pflanzliche Kost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und maßvollen Portionen von Fachgesellschaften weltweit als Grundlage einer gesunden Lebensweise empfohlen wird. Ein paar praktische Gedanken aus Sicht der Ernährungsberatung:





Vielleicht liegt die eigentliche Lehre aus Jane Plants Geschichte weniger in einem einzelnen Verbot als in einer Haltung: Im Westen tun wir uns oft schwer mit der asiatischen Philosophie des Essens – kleine Portionen, viel Abwechslung, Genuss ohne Übermaß. Vielleicht, weil in unserem kollektiven Gedächtnis noch Hunger und Mangel stecken und Fülle für uns lange ein Zeichen von Wohlstand war.



Wie sehen Sie das? Haben Sie selbst schon einmal auf Milchprodukte verzichtet oder Ihre Ernährung nach asiatischem Vorbild umgestellt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit unseren Lesern in den Kommentaren.


 
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Februar 2015
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