Ein Mixer, drei Zutaten aus Kühlschrank und Vorratskammer und kaum fünf Minuten Arbeit: Mehr braucht es nicht für jenes cremige, goldgelbe Getränk, das in vielen osteuropäischen Familien auf den Tisch kommt, sobald die Tage kürzer werden und Husten und Schnupfen die Runde machen. Kein teures Pulver, keine exotischen Beeren – nur Kefir, gekochter Kürbis und ein Löffel Honig.
Dass gesäuerte Milch mehr sein könnte als ein einfaches Nahrungsmittel, vermutete übrigens schon einer der berühmtesten Wissenschaftler seiner Zeit. Der russische Forscher Ilja Metschnikow, der 1908 für seine Arbeiten über das Immunsystem den Nobelpreis für Medizin erhielt, war überzeugt, dass die Bakterien in Sauermilchprodukten über den Darm zur Gesundheit beitragen. Er selbst trank regelmäßig gesäuerte Milch und machte diese Gewohnheit in ganz Europa bekannt. Seine damalige Vermutung gilt heute als einer der Ausgangspunkte der modernen Darmforschung, wie auch eine Übersichtsarbeit über Kefir in der Fachzeitschrift Frontiers in Microbiology festhält.
Woher das Rezept stammt
Wer sein Immunsystem in der Erkältungszeit unterstützen möchte, sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten. Wir stellen Ihnen ein einfaches Getränk aus nur drei Zutaten vor, das der Überlieferung nach auch in Tibet Anhänger gefunden haben soll. Bekannt gemacht hat es der russische Ernährungsautor, Schriftsteller und Sammler traditioneller Volksheilkunde Gennadi Petrowitsch Malachow. Malachow hat sehr viele Bücher veröffentlicht – die Angaben reichen von mehr als 60 bis über 100 Titeln –, seine Werke erreichten Auflagen in Millionenhöhe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Einem Millionenpublikum wurde er zudem durch seine Gesundheitssendung im russischen Fernsehen bekannt, wie die Moscow Times berichtete. Wichtig zu wissen: Malachow ist kein Arzt, seine Ratschläge stammen aus der Volksüberlieferung und sind wissenschaftlich vielfach nicht belegt.
Über viele Jahre reiste er durch Russland und zeichnete altes Volkswissen auf. So stieß er unter anderem auf dieses „Gesundheitselixier“, das vor allem in Gegenden verbreitet ist, in denen saisonale Erkältungen häufig vorkommen.
Das Rezept
Für das Getränk benötigen Sie:
- 4 Tassen Kefir (selbst angesetzter Kefir enthält in der Regel deutlich mehr lebende Kulturen als gekaufter)
- 150 g gekochten Kürbis
- 1 Esslöffel Honig
Zubereitung:
Alle drei Zutaten gründlich mixen, bis eine glatte, cremige Masse entsteht, und das Getränk im Kühlschrank aufbewahren. Der Kürbis sollte vollständig abgekühlt sein, bevor Sie Kefir und Honig hinzufügen – Hitze schadet sowohl den lebenden Kulturen im Kefir als auch den wertvollen Inhaltsstoffen des Honigs. Besonders gut eignet sich ein im Ofen gegarter Hokkaido-Kürbis, der von Natur aus süß und sämig ist. Eine Prise Zimt oder etwas frisch geriebener Ingwer runden den Geschmack ab.
Nach der ursprünglichen Überlieferung trinkt man das Getränk zwischen den Mahlzeiten: in der ersten Woche zwei Tassen täglich, in der zweiten drei und in der dritten Woche vier Tassen. Diese Mengen stammen aus der Volksküche und sind keine medizinische Empfehlung. Wer Kefir nicht gewohnt ist, beginnt besser mit einer kleinen Portion: Die britische Ernährungswissenschaftlerin Dr. Megan Rossi rät, mit etwa 100 ml pro Tag anzufangen und die Menge über einige Wochen langsam zu steigern (Woman & Home).
Dem Getränk werden in der Volksheilkunde zahlreiche Wirkungen zugeschrieben: Es soll die Abwehrkräfte stärken, die Verdauung und den Stoffwechsel unterstützen, das Blutbild verbessern und beim Gewichtsmanagement helfen. Viele trinken es auch, um abzunehmen. Wissenschaftlich gesichert ist davon nur ein Teil – dennoch liefert die Kombination wertvolle Nährstoffe, und als Ersatz für zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten kann sie durchaus eine gute Wahl sein. Ähnliche Ideen finden Sie in unserem Beitrag Ein Fettschmelzer nach der Mahlzeit.
Was die drei Zutaten mitbringen
Kefir: lebende Kulturen aus dem Kaukasus
Kefir ist ein gesäuertes Milchgetränk, das ursprünglich aus dem Kaukasus stammt und dort seit Jahrhunderten getrunken wird. Hergestellt wird er mit sogenannten Kefirknollen – einer natürlichen Gemeinschaft aus Milchsäurebakterien und Hefen. Die bereits erwähnte Übersichtsarbeit der Universität Alberta und des irischen Forschungszentrums Teagasc fasst zusammen, dass Kefir in Studien unter anderem mit einer günstigen Wirkung auf den Cholesterinstoffwechsel, die Darmflora und die Abwehrkräfte in Verbindung gebracht wurde. Die Forscher weisen allerdings auch darauf hin, dass industriell hergestellter Kefir meist nicht mit echten Kefirknollen, sondern mit ausgewählten Starterkulturen produziert wird – und dass dessen gesundheitliche Wirkung bislang kaum untersucht ist. Das bestätigt die alte Volksweisheit, dass selbst angesetzter Kefir besonders wertvoll ist.
Wissenschaftler des APC-Mikrobiom-Instituts am University College Cork haben die Zusammensetzung von Kefir zudem erstmals genau entschlüsselt und sehen darin eine Bestätigung der lange gehegten Annahme, dass Kefir gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt. Mehr über die Vorzüge fermentierter Milchprodukte lesen Sie in unseren Beiträgen Lebensmittel, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken und Warnzeichen für einen Vitamin-B12-Mangel.
Kefir ist auch in anderen bewährten Hausrezepten der Hauptdarsteller, etwa in Ein Getränk das 2-mal im Jahr getrunken werden sollte (mit Buchweizen), in Haben Sie schon von dem Rezept mit Kefir und Leinsamenmehl gehört? sowie in Zwei Zutaten zur Reinigung Ihres Körpers.
Kürbis: Farbe, die guttut
Die leuchtend orange Farbe verdankt der Kürbis dem Beta-Carotin, einer Vorstufe von Vitamin A. Vitamin A trägt zur normalen Funktion des Immunsystems sowie zur Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute bei – also genau jener Schutzschicht, die in der Erkältungszeit besonders gefordert ist. Dazu liefert Kürbis Ballaststoffe, Kalium und kaum Kalorien, und er macht das Getränk angenehm sämig und sättigend. Warum Sie beim Kürbis möglichst nichts wegwerfen sollten, erfahren Sie im Beitrag Entsorgen Sie keine Schalen. Gar keine!, und was in den Kernen steckt, in Gute Eigenschaften von Kürbiskernöl.
Honig: das süße Hausmittel
Honig sorgt nicht nur für eine milde Süße, sondern bringt auch Antioxidantien, Enzyme und Spurenelemente mit. Schon unsere Großmütter gaben ihn bei Erkältungen in den Tee. Mehr dazu lesen Sie in Milch, Honig, Spinat und Apfel: Vier Lebensmittel aus der eigenen Küche, die seit Jahren im Mittelpunkt der Ernährungsforschung stehen und in Meerrettich, Zitrone und Honig: Das Trio für Stoffwechsel und Wohlbefinden. Doch auch beim Honig gilt: Die Menge macht es aus – warum, zeigt unser Beitrag Gefrorener Honig: gesunder Trend oder heimlicher Feind für Zähne und Blutzucker?
Erfahrungen aus dem Alltag
Eine britische Journalistin hat den Selbstversuch gewagt und einen Monat lang jeden Tag Kefir getrunken (Woman & Home). Anfangs war sie skeptisch, doch ab der dritten Woche, als sie täglich etwa 200 ml trank, bemerkte sie, dass sie sich seltener aufgebläht fühlte. Zudem kam sie ohne Erkältung durch das Ende des Winters – was bei ihr selten vorkommt. Ob das tatsächlich am Kefir lag, könne sie nicht sagen, räumte sie ehrlich ein. Ein Wundermittel sei Kefir nicht, aber eine angenehme Gewohnheit, die sie beibehalten möchte.
Ähnliches hören wir auch von unseren Leserinnen und Lesern: Viele schätzen das Kürbis-Kefir-Getränk vor allem als leichte, sättigende Zwischenmahlzeit im Herbst, die den Heißhunger auf Süßes dämpft und dem Bauch guttut.
Worauf Sie achten sollten
Wenn Sie Kefir selbst herstellen, sollten Sie wissen, dass er je nach Gärdauer geringe Mengen Alkohol enthalten kann – bei langer Fermentation in Einzelfällen bis etwa 2 %. Auch im Kühlschrank geht die Gärung langsam weiter, der Kefir wird saurer und der Alkoholgehalt kann leicht steigen, wie die Apotheken Umschau erklärt. Für Kinder, Schwangere, Stillende und alle, die auf Alkohol verzichten müssen, ist frischer, kurz fermentierter Kefir die bessere Wahl. Beim Kauf achten Sie am besten auf reinen Kefir ohne Zucker, Aromen oder Verdickungsmittel.
Kefir enthält große Mengen lebender Kulturen. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem – etwa während oder nach einer Chemotherapie – sollten selbst hergestellte fermentierte Lebensmittel nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt verzehren. Wer an Diabetes leidet, sollte den Honig berücksichtigen oder die Menge reduzieren. Und: Honig ist für Säuglinge unter einem Jahr grundsätzlich nicht geeignet.
Wer empfindlich auf Milchzucker reagiert, verträgt Kefir oft besser als Milch, da ein Teil der Laktose während der Gärung abgebaut wird – dennoch empfiehlt es sich, mit kleinen Mengen zu beginnen. Schon ein Glas regelmäßig kann eine schöne Ergänzung Ihres Speiseplans sein.
Fazit
Kefir, Kürbis und Honig sind kein Wundermittel und ersetzen weder eine ärztliche Behandlung noch eine ausgewogene Lebensweise mit Bewegung, Schlaf und frischer Luft. Als einfaches, preiswertes und schmackhaftes Getränk aus der Volksküche bringen sie jedoch lebende Kulturen, Beta-Carotin und eine natürliche Süße in Ihren Alltag – und machen es leicht, in der kalten Jahreszeit ein wenig mehr auf sich zu achten.

























