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Der Pilz, den China seit Jahrtausenden verehrt: Was entdeckten Wissenschaftler, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen?Der Pilz, den China seit Jahrtausenden verehrt: Was entdeckten Wissenschaftler, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen?Der Pilz, den China seit Jahrtausenden verehrt: Was entdeckten Wissenschaftler, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen?Der Pilz, den China seit Jahrtausenden verehrt: Was entdeckten Wissenschaftler, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen?Der Pilz, den China seit Jahrtausenden verehrt: Was entdeckten Wissenschaftler, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen?


Datum: 1. OKT 26 - GUT ZU WISSEN
Der Pilz, den China seit Jahrtausenden verehrt: Was entdeckten Wissenschaftler, als sie ihn genauer unter die Lupe nahmen?
Reishi enthält Polysaccharide und Triterpene, die in Studien mit dem Immunsystem in Verbindung gebracht werden. Die Forschung ist spannend, aber noch nicht abgeschlossen – ein genauer Blick auf Geschichte ...

Im Jahr 1973 kam in China ein Präparat mit dem geheimnisvollen Namen „Ji 731 Injection“ auf den Markt. Der Hauptbestandteil? Kein Hightech-Wirkstoff aus dem Labor, sondern ein Pilz, den chinesische Heilkundige seit mehr als zwei Jahrtausenden als „Pilz der Unsterblichkeit“ verehren: der Reishi.



Auch prominente Namen haben den Pilz für sich entdeckt. Laut einem Bericht von The Hollywood Reporter gehört die Schauspielerin Katie Holmes zu den Anhängerinnen der Pulvermischungen der Marke Sun Potion, zu deren Sortiment auch Reishi-Pulver zählt. Solche Pulver rührt man in Wasser, Tee, Saft oder in einen Frühstücksmix ein. In Hollywood gilt Reishi längst als fester Bestandteil der morgendlichen Routine.



Auch unter unseren Leserinnen und Lesern ist Reishi ein Thema. Viele erzählen, dass sie den Pilz vor allem in der kalten Jahreszeit als bitteren Tee oder als Pulver im Morgenmüsli verwenden. Sie schätzen das Ritual und fühlen sich damit „einfach ausgeglichener“. Andere geben offen zu, dass sie keinerlei Unterschied bemerkt haben – und dass ihnen der erdig-bittere Geschmack schlicht nicht zusagt. Beides ist völlig normal, wie ein Blick auf die Forschung zeigt.



Ein Pilz mit langer Geschichte



Der Reishi, botanisch Glänzender Lackporling (Ganoderma lucidum), heißt in China „Lingzhi“ und in Japan „Reishi“ oder „Mannentake“. Seine Anwendung wurde laut dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center bereits vor rund 2000 Jahren im Shennong-Arzneibuch beschrieben. Traditionell wird er genutzt, um die Lebenskraft zu stärken und die Abwehrkräfte zu unterstützen. Als Speisepilz eignet er sich wegen seiner holzigen Konsistenz und seines bitteren Geschmacks kaum. Er wird deshalb fast immer als Tee, Pulver oder Extrakt verwendet.



Das Rätsel um „Ji 731“



Lange Zeit war über das chinesische Präparat außerhalb Chinas kaum etwas bekannt. Heute wissen wir mehr: Laut einer umfassenden Übersichtsarbeit im Journal of Cellular and Molecular Medicine bestand „Ji 731 Injection“ aus Polysacchariden des Reishi-Pilzes. Es wurde in China ab 1973 vor allem bei Muskelerkrankungen (Myopathien) eingesetzt. Im Jahr 1985 erhielt das Mittel den Namen „Ji Sheng Injection“, später wurde es erneut umbenannt. Es wird in China bis heute als zugelassenes Arzneimittel verwendet – allerdings unter ärztlicher Aufsicht und als Spritze, nicht als Nahrungsergänzung.



Die Autoren dieser Arbeit werteten insgesamt 81 chemische, biochemische, vorklinische und klinische Untersuchungen aus den Jahren 1973 bis 2017 aus. Die Studien beschreiben unter anderem antioxidative und immunregulierende Eigenschaften der Reishi-Polysaccharide. Laut den Studien kann das Präparat außerdem begleitend zur Chemotherapie die Nebenwirkungen verringern und die Lebensqualität verbessern. Ein Großteil dieser Arbeiten wurde allerdings nur in China veröffentlicht und ist für die internationale Fachwelt schwer überprüfbar.



Die japanische Entdeckung: das Eiweiß Ling Zhi-8



Die eigentliche japanische Spur in dieser Geschichte führt ins Jahr 1989. Damals isolierte ein Forschungsteam um den japanischen Wissenschaftler Kohsuke Kino aus dem Reishi-Pilz ein bis dahin unbekanntes Eiweiß. Sie nannten es Ling Zhi-8 (LZ-8). Die Ergebnisse erschienen im Journal of Biological Chemistry. LZ-8 war das erste bekannte Mitglied einer ganzen Gruppe sogenannter immunregulierender Pilzeiweiße. Ähnliche Eiweiße wurden später auch in anderen Speisepilzen gefunden.



In Taiwan untersuchten Forscher im Jahr 2011, ob LZ-8 als Hilfsstoff die Wirkung eines experimentellen Impfstoffs verstärken kann. Die Arbeit erschien in der Fachzeitschrift Human Vaccines und beschreibt eine verstärkte Immunantwort, allerdings in Tierversuchen. Solche Ergebnisse sind spannend, lassen sich aber nicht einfach auf einen Löffel Reishi-Pulver im Alltag übertragen.



Polysaccharide und Triterpene: Was steckt im Pilz?



Reishi enthält viele Polysaccharide, vor allem Beta-Glucane, und Triterpene. Die Triterpene sind für den typischen bitteren Geschmack verantwortlich. Dazu kommen Eiweiße wie LZ-8, Sterole und weitere Stoffe. Laut einer Übersichtsarbeit über Reishi-Polysaccharide beeinflussen diese Stoffe in Labor- und Tierversuchen verschiedene Immunzellen, darunter T- und B-Lymphozyten, Makrophagen und natürliche Killerzellen. Die Autoren betonen jedoch ausdrücklich, dass noch viele Fragen offen sind.



Das Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York fasst den Stand vorsichtig zusammen. Kleine Studien deuten darauf hin, dass Reishi die Immunantwort beeinflussen kann. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass er als Behandlung schwerer Erkrankungen geeignet ist.



Auch unsere heimischen Pilze stecken übrigens voller wertvoller Inhaltsstoffe und lassen sich im Gegensatz zum Reishi wunderbar in der Küche verwenden. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Warum sollte man Champignons jeden Tag essen?



Was sagt die unabhängige Forschung?



Die renommierte Cochrane Collaboration hat 2016 alle verfügbaren kontrollierten Studien zu Reishi bei Krebspatienten ausgewertet. Es waren nur fünf Studien mit insgesamt 373 Teilnehmern. Das Ergebnis ist ernüchternd und zugleich interessant. Die Daten reichten nicht aus, um Reishi als eigenständige Behandlung zu empfehlen. Teilnehmer, die Reishi zusätzlich zur üblichen Therapie erhielten, berichteten jedoch teilweise über eine bessere Lebensqualität. Außerdem zeigten sich bei ihnen Veränderungen einiger Immunwerte. Die Qualität der Studien bewerteten die Autoren als gering.



Die Frage, ob Reishi-Inhaltsstoffe direkt auf bestimmte Zellen wirken oder eher über das Immunsystem, ist deshalb weiterhin offen. Die Wissenschaft sucht noch nach Antworten.



Wie schnell soll Reishi wirken?



In Erfahrungsberichten und Herstellerangaben liest man oft, erste Veränderungen seien nach 10 bis 14 Tagen regelmäßiger Einnahme spürbar. Deutlichere Effekte sollen sich nach etwa zwei Monaten zeigen. Wissenschaftlich belegt ist dieser Zeitrahmen nicht. Die meisten der in der Cochrane-Auswertung erfassten Studien dauerten ein bis drei Monate. Eine allgemein anerkannte Dosierung gibt es laut einer Zusammenfassung auf Healthline nicht. Die Mengen unterscheiden sich stark, je nachdem, ob getrockneter Pilz oder konzentrierter Extrakt verwendet wird.



Vitamin C und Antioxidantien: das gesunde Umfeld zählt



Viele Reishi-Produkte werden heute mit Vitamin C kombiniert. Die Idee: Vitamin C trägt nachweislich zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Außerdem soll es die Aufnahme bestimmter Pilzinhaltsstoffe erleichtern. Ob die Kombination tatsächlich mehr bewirkt als jeder Bestandteil für sich, ist allerdings nicht ausreichend untersucht.



Aus Sicht der Ernährungsberatung ist eines klar: Kein einzelner Pilz ersetzt eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und fermentierten Lebensmitteln. Wer mehr Vitamin C auf den Teller bringen möchte, findet es an überraschenden Stellen, etwa im Karottengrün. Lesen Sie dazu Warum ist das Grün von Karotten gut für die Gesundheit. Farbstoffe wie Lycopin gelten ebenfalls als wertvolle Antioxidantien: Tomatensaft gegen Cholesterin (und noch viel mehr!). Auch eine gesunde Darmflora spielt eine wichtige Rolle für unsere Abwehrkräfte. Wie Sie sie mit Kefir unterstützen können, erfahren Sie im Beitrag Ist das Trinken von Kefir nachts wirklich empfehlenswert?



Besonders im Herbst greifen viele Menschen zu Reishi-Präparaten, in der Hoffnung, gut durch die Erkältungszeit zu kommen. Das ist nachvollziehbar. Genügend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft und eine nährstoffreiche Ernährung bleiben jedoch die solide Grundlage.



Worauf Sie unbedingt achten sollten



Hier wird es wichtig, denn „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“:




  • Wechselwirkungen: Laut dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center kann Reishi das Blutungsrisiko erhöhen, wenn gleichzeitig blutverdünnende Medikamente eingenommen werden. Auch bei Mitteln, die das Immunsystem unterdrücken, ist Vorsicht geboten. Als mögliche Nebenwirkungen werden Übelkeit, Schlafstörungen und in seltenen Fällen Leberschäden genannt.

  • Blutzucker: Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass zum Beispiel Reishi-„Kaffee“ zu einer schweren Unterzuckerung führen kann.

  • Qualität und Reinheit: Nahrungsergänzungsmittel werden nicht wie Arzneimittel unter standardisierten Bedingungen hergestellt. Die BARMER berichtet unter Berufung auf die Verbraucherzentrale, dass vor allem Produkte aus Asien teilweise mit schädlichen Stoffen wie Aflatoxinen belastet sind. Achten Sie auf transparente Herkunftsangaben und unabhängige Laborprüfungen.

  • Rechtliche Lage: Laut Verbraucherzentrale gilt Reishi im EU-Novel-Food-Katalog als neuartiges Lebensmittel. Er dürfte daher eigentlich nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Werbeversprechen mit Heilwirkung sind unzulässig.

  • Ärztliche Rücksprache: Wer eine ernsthafte Erkrankung hat, schwanger ist, stillt oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte Reishi nur nach Rücksprache mit dem Arzt verwenden. Das gilt besonders während einer Chemo- oder Strahlentherapie. Reishi ist kein Ersatz für eine medizinische Behandlung.



Unser Fazit



Der Reishi ist ein faszinierender Pilz mit einer beeindruckenden Geschichte – vom kaiserlichen Heilmittel über das chinesische Präparat „Ji 731“ bis zur Entdeckung des Eiweißes Ling Zhi-8 in japanischen Laboren. Die Forschung liefert interessante Hinweise auf seine Wirkung auf das Immunsystem. Viele Fragen sind jedoch noch offen. Wer Reishi ausprobieren möchte, sollte auf geprüfte Qualität achten und mögliche Wechselwirkungen kennen. Vor allem sollte man ihn als kleinen Baustein einer insgesamt gesunden Lebensweise sehen – nicht als Wundermittel.


 
Reishi
 
Pilz der Unsterblichkeit
 
Polysaccharide
 
Triterpene
 
Immunsystem
 





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Februar 2015
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